Storytime

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"Ich muss mal...", murmelte er fast unverständlich und schlüpfte unter mir weg. Mein Kopf fiel in das Sofakissen. Ich sah Tyler nach, wie er schnell das Wohnzimmer verließ, ohne mir sein Gesicht zuzuwenden. Ich widmete mich wieder der dämlichen Serie im Fernseher, die wir nur sahen, weil nichts anderes lief. Nach mindestens zehn weiteren flachen Witzen, die gefolgt von kleinen Pausen in der Konversationen waren, welche mit eingespielten Lachern gefüllt wurden, griff ich in einem letzten Versuch nach der Fernbedienung.

Gelangweilt schaltete ich durch die Kanäle und streckte meine Beine dabei in die Luft, um aus meiner vorherigen Position herauszukommen. Ich blieb bei einer schlecht gemachten Dokumentation über Gothic hängen. Dabei konnte ich meine Gedanken laufen lassen. Meine Augen waren nur noch halb offen. Nach ein paar Minuten begann ich mich zu wundern, wo Tyler blieb. So lange konnte er nicht auf Toilette sein, bei bestem Willen nicht. Ich setzte mich schwerfällig auf und fuhr mir durch meine verwüsteten Haare, bevor ich wieder nach der Fernbedienung griff und den Fernseher ausschaltete.

Ich hielt kurz inne und lauschte. Kein einziges Geräusch war zu hören. Dabei war die Wohnung sehr hellhörig. Ein schlechtes Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus und unterschwellig begannen die Alarmglocken in meinem Kopf zu klingeln. Ich erhob mich stirnrunzelnd und huschte schnell durch den Flur. Die Badtür war offen und auch kein Licht brannte. Ob er schon schlafen gegangen war? Ich steckte versichtshalber noch einmal meinen Kopf durch den Spalt des Badezimmers um auf Nummer sicher zu gehen. Leer.

Also doch das Schlafzimmer. Leise öffnete ich die gegenüber liegende Tür. Eines der Nachtischlämpchen leuchtete warm und ließ meinen Blick direkt auf seinen Körper fallen, der eingerollt auf dem gemachten Bett lag. Er hatte noch seine Klamotten vom Tag an und sogar noch seine Hausschuhe. Sein Gesicht war weg von dem Licht gedreht und ich konnte nicht sehen, was in ihm vorging. Er war garantiert noch nicht eingeschlafen, so viel war sicher. Ich kannte ihn doch. Mit Schmerzen im Herz betrat ich leise das Zimmer und schloss die Tür hinter mir wieder vorsichtig. Auf leisen Sohlen umrundete ich das Bett und knipste die andere Nachtischlampe an während ich mich hinsetzte und Tyler betrachtete um herauszufinden, was zu tun war, dass es ihm wieder besser ging.

Er hatte das öfter. Er lag da im Halbdunkeln, die Augen weit geöffnet, die Augenbrauen in Angst und Schmerz zusammengezogen. Seine dunklen Pupillen zuckten hin und her, als würde er eine gehetzte Auseinandersetzung ertragen. Er starrte ins Nichts. In seine Innenwelt.
Für mich nicht sichtbar. Nicht hörbar. Nicht erfühlbar.
Ich fasste ihn nicht an, auch wenn ich ihn liebend gerne einfach in den Arm genommen und nie mehr losgelassen hätte. Doch ich wusste, das war es nicht, was er benötigte.

Eine Weile war ich nur da und sagte nichts

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Eine Weile war ich nur da und sagte nichts. Ich sah und spürte, dass er sich wieder langsam beruhigte. Ich wusste nicht, ob er geweint hatte. Ich musste es nicht wissen. Doch ich musste wissen, dass es ihm wieder gut gehen kann.

"Hey Tyler, ich kenne da eine Geschichte von einem Jungen, den ich kenne", begann ich leise und übertönte sein stoßhaftes Atmen.
"Weißt du, dieser Junge, dieser besondere Junge war bekannt und geliebt bei so vielen Menschen, dafür, wie er sich ausdrücken konnte. Nicht nur mit Worten. Auch mit Musik. Wenn man ihn hörte, hielt jeder inne und hörte ihm zu. Man verstand ihn. Auch wenn man vielleicht nicht jedes einzelne Wort verstand, verstand man den Sinn, das, was er zu vermitteln versuchte. Und mit diesem Gesagten half er nicht nur sich selbst. Er half damit auch jedem einzelnen, der ihm zuhörte. Durch sein Tun, heilte er Wunden und gab einem das Gefühl verstanden zu sein und vor allem nicht alleine. Er gab den Menschen Hoffnung."

Ich hielt inne, um mich zu sammeln und seine Reaktion zu erwarten. Tyler war nun still und schien ganz bei mir zu sein. Ich lächelte erleichtert und fuhr fort: "Doch dies war nicht sein einziges Talent. Er konnte noch so viel mehr. Vielleicht nicht alles perfekt, doch in allem was er tat war er selbst perfekt. Und dies sahen alle. Alle seine Freunde, Familie und sogar alle anderen, die ihn nicht einmal persönlich gegenüber gestanden haben, wussten das. Nur er selbst wusste es nicht. Er ließ sich von jemandem Bösen sagen, wie schlecht er in allem sei. Dieser Jemand nahm überhand über ihn. Egal, ob er das wollte oder nicht. Es galt gegen das Böse zu kämpfen. Und während er das tat, erzählte er den Menschen von seinen Erlebnissen, was er fühlte. Und damit inspirierte er jeden einzelnen und rührte Menschen zu Tränen, denn sie verstanden und wussten vielleicht auch, was er durch machte, denn sie kannten das Gefühl der Hilflosigkeit, Leere und Hass genausogut. Und er kämpfte gegen das Böse. Dabei war jede Minute, jede einzelne Sekunde, die er am Leben war wichtig."

Ich endete und lauschte in die Stille, die nun im Zimmer herrschte hinein

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Ich endete und lauschte in die Stille, die nun im Zimmer herrschte hinein.
"Hat er gegen das Böse gesiegt?", fragte Tyler mit dünner Stimme und sah mir ins Gesicht.
"Das wird sich zeigen", erwiderte ich und strich ihm liebevoll durch die Haare. Ich war so erleichtert, dass er mir zugehört hatte.
"Ich will nicht, dass du diese Gefühle auch kennst", sagte Tyler aus dem Nichts und mit so einer Ehrlichkeit in der Stimme, dass mir die Luft wegblieb. Ich lachte erstickt und ignorierte den sich bildende Kloß in meinem Hals. Ich antwortete darauf gar nichts. Ich war über die Vergangenheit hinweg. Ich legte mich neben den Mann, der mir mit seinen Worten das Leben gerettet hatte.

Hellou frens!
Ich bin gerade in England *-*xD Hoffe ihr habt tolle Ferien. Was macht ihr denn so? Fahrt ihr weg? ^ ^

Ich mache jetzt noch ganz dreist Eigenwerbung: Ich habe einen neuen Instagram Account. Natürlich eine Tøpfanpage. Würde mich freuen, wenn mir jemand folgt ;) mein Name dort ist weird.o._

See ya und stay alive for me |-/

Twenty One Pilots |-/ OneShotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt