Ich rollte mich, einen Seufzer unterdrückend, auf den Rücken und starrte in Richtung Decke in die Dunkelheit. Ein paar Stahlen Licht der Straßenlaterne vor dem Haus fielen durch die Ritzen des Rolladens ins Zimmer. Schlaflos lag ich im Bett. Schon seit einer halben Ewigkeit. Das Dunkel schien meine Gedanken anzulocken wie das Licht die Motten. Sie ließen mir keine Ruhe und gönnten mir keine Sekunde Schlaf. Meine Augen sehnten sich danach, sich einfach zu schließen, doch es war mir unmöglich. Ich war hellwach und doch vollkommen übermüdet. Liebend gerne wollte ich einfach die kleine Lampe neben meinem Bett anmachen. Dann wäre es nicht mehr so unerträglich dunkel. Doch die regelmäßigen Atmezüge neben mir hielten mich davon ab. Ich wollte ihn nicht wecken.
Ungeschickt drehte ich mich ihm zu und betrachtete seine schemenhaften Umrisse. Sein Körper hebte und senkte sich mit jedem Atemzug. Normalerweise breitete sich nur dadurch, dass ich ihm dabei zusah und lauschte eine beruhigende Welle der Geborgenheit in mir aus und erlaubte mir die Augen zu schließen. Doch zu meiner Verzweiflung hatte ich heute keine Chance meinen Gedanken zu entrinnen. Ich sah Josh noch ein paar Minuten an und besah seine Haare, die in dem schwachen Licht leicht schimmerten. Dann drehte ich mich wieder auf den Rücken und starrte Löcher ins Nichts. Ich glaubte diese Nacht würde für immer dauern und ich wäre für immer meinene Gedanken ausgeliefert. Eine Leere der Gleichgültigkeit begann sich in meinem Körper auszubreiten und schnürte mir fast die Luft ab. Ich fühlte mich mit jeder Sekunde hilfloser und hätte können schreien.
Ich lag einfach nur da. Arme und Beine ausgestreckt, obwohl ich mich am liebsten zu einer kleinen Kugel zusammengerollt hätte. Aber ich wollte Joshs Schlaf nicht stören. Also blieb ich unbewegt liegen und lauschte fast neidisch der Luft, die er in regelmäßigen Abständen inhalierte und verbraucht wieder ausstoß. Mein Atem hingegen schien viel zu schnell zu gehen. Genauso wie mein Herz, dass sich einfach nicht beruhigen konnte und gefühlt so schnell wie das eines kleinen Nagetieres zu pumpen schien. Ich stellte meine Füße auf und hätte aus Wut am liebsten auf irgendetwas eingetreten. Warum konnte ich nicht schlafen? Warum dachte ich über unnütze Dinge viel zu viel nach?
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Ich schnaubte, um meinen Unmut leise und möglichst friedlich freien Lauf zu lassen, was ich aber kurz darauf sofort bereuhte, denn neben mir bewegte sich Josh und sein Atem geriet aus dem Rhythmus. Er brummte kurz. Ich hielt den Atem an. Schlaf weiter. Bitte. Mein Kiefer spannte sich vor Anspannung an. Josh drehte sich zu mir um. Ich konnte nicht sehen, ob seine Augen offen waren, aber ich war mir sicher, er war wach. Enttäuscht über mich selbst, gestatte ich mir wieder meine Lunge mit Luft zu füllen.
"Was ist los?", flüsterte Josh mit kratziger Stimme. Warum flüstern Menschen in der Nacht? "Ich kann nicht schlafen", erwiderte ich nach einer kurzen Pause. Er seufzte und griff nach meiner Hand und drückte sie fest. Ich rückte ein bisschen näher zu ihm ran, sodass seine entspannende Wärme mich einhüllte. "Versuch zu schlafen, okay?", murmelte Josh schon wieder fast im Halbschlaf. Ich nickte überflüssigerweise. Sein Atem wurde langsamer. Wie durch ein Wunder beruhigte ich mich. Mein Gedankenstom floss immer zähflüssiger und zerronn unbemerkt. Ich lag da, mit geschlossenen Augen und rutschte langsam in den Schlaf.