Ich hörte Stimmen, die sich etwas weiter entfernt von mir nervös unterhielten. Vielleicht kannte ich die Stimmen, dessen Besitzer, doch ich erinnerte mich nicht. Ich war einfach viel zu müde und ich fror.
Ich wollte etwas sagen, doch mein Hals war trocken und tat weh.
Also versuchte ich, meine Augen zu öffnen und mich umzusehen.
Die Lider zu heben kostete unglaublich viel Kraft, sodass ich innehalten und pausieren musste.
Die Stimmen hatten sich noch weiter entfernt und ich drohte, wieder zurück in diese eisige Dunkelheit gerissen zu werden.
Ich fühlte mich schlapp und ausgehungert, hatte Durst und wollte gleichzeitig unglaublich viel Rennen.
Egal wie, ich musste die Energie, die sich in meinen Adern befand, los werden.
Die Erinnerungen des Abends blieben noch aus, vermutlich würde ich mich an gar nichts erinnern können.
Das Einzige, was mir in den Sinn kam, war das Gespräch mit Kathrine. Ich wollte sie noch anrufen, sobald ich wieder...zuhause war. Ich nehme an, dass ich wieder draußen im Regen unterwegs war, denn ich erinnerte mich an mein Spiegelbild, welches rosa farbige Gummistiefel trug.
Was wohl danach passiert ist wollte ich mir gar nicht erst vorstellen.
Wie spät war es überhaupt?
Welcher Tag war heute?
Hatte ich lange geschlafen?
Wo war ich überhaupt?
Ich konnte meine Augen einfach nicht öffnen, da mich die Müdigkeit immer wieder einholte und mir die Kraft nahm.
Was sollte ich jetzt tun?
Ich hörte Andrew auf mich ein reden und auch Mom. Sie schluchzte und vermutlich zerknüllte sie bereits ihr hundertstes Taschentuch, so wie sie es immer tat.
War Dad auch hier?
Andrew murmelte etwas vor sich hin, was sich wie: 'Wie konnte ich sie nur alleine raus lassen', anhörte.
Ich wollte lachen und sagen, dass es mir gut geht, doch irgendetwas stimmte nicht.
Was war bloß los?
Ich wollte endlich aufwachen, vielleicht war ich sogar schon wach und würde für immer in diesem Zustand bleiben... Nein, das konnte und wollte ich mir ganz einfach nicht vorstellen..
Das konnte ich Mom nicht antun, sie würde sich die Schuld geben, dafür, dass sie mich aus dem Haus hat gehen lassen.
Auch Andrew würde sich schreckliche Vorwürfe machen, dass tat er jedesmal, selbst wenn ich mir nur eine kleine Schramme auf dem Spielplatz zufügte.
Er war ein toller Bruder und unser Verhältnis war viel besser, als das von meinen Eltern und mir.
Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er mich versteht. Wenn Mom und Dad darüber streiten, was für eine Zeitverschwendung mein Kunststudium doch wäre, war es immer Andrew, der ein gutes Wort für mich einlegte und sich dann abends in mein Zimmer schlich um mich zu trösten.
Wie naiv ich doch immer war.... Dabei wollte ich stark sein und nicht immer direkt losheulen, wenn jemand mich kritisiert oder mit meinem Verhalten oder meinem Aussehen nicht zufrieden war.
Doch manchmal war es, als gehöre ich einfach nicht in diese Familie. Andrew, ja er war alles was ich hatte. Doch auch er käme sichtlich besser klar, wenn ich ganz einfach nicht da wäre.
Vielleicht wäre es für alle besser, wenn ich hier und jetzt sterbe. Vielleicht würden sie dann alle ein besseres Leben haben und wieder unbesorgt und mit guter Laune durch die Straßen ziehen.
Ich störte, ich war tollpatschig, leichtsinnig und dumm, wie sie es ausdrückten.
Ich war eben nicht die Art von Tochter, die sich ein Elternpaar wünscht. Ich war zwar fleißig und gut in der Schule, doch sie hatten dennoch stets ein Problem mit mir.
Wieso, das wusste ich nicht. Das hatte ich noch nie verstanden, auch wenn ich noch so oft weinend und zusammen gekauert darüber nachgedacht habe.
Immer war es Andrew gewesen, der mich in den Arm genommen hat. Nie Mom oder Dad. Nie sagten sie mir 'Gute Nacht', oder fragten, wie es mir wirklich ginge.
Es waren diese fiesen Kleinigkeiten, die mich von innen auffraßen und zerstörten. Sie zerrten an meiner Haut und an meinen Knochen, nahmen mir die Kraft und die Luft. Sie wollten mich fallen sehen und schlugen auf mich ein. Sie zerkratzen meine Haut und hinterließen meine zerlöcherte und mit Rissen verzierte Oberfläche. Meine Fassade war schon lange sehr ausgeprägt und ich war wirklich froh, sie aufrecht erhalten zu können. Meine Familie sollte nicht merken, wie sehr sie mich doch verletzten. Auch wenn es nur Worte waren, die jeder Mensch ein oder zweimal zu hören bekommen sollte, trafen diese tiefer, als sie es sollten. 'Du bist dick, Elenor.', lachte meine Mutter und es fehlte, dass sie mit ihrem Finger auf mich zeigte und sich dann irgendeine Zeitschrift raussuchte, in der schlanke Models abgebildet waren.
Ich konnte es einfach nicht mehr mit ansehen, wie sie voller Enttäuschung auf mich herab sehen. Es war schlimmer, als wenn mir jemand alle meine Körperteile herausreißen würde. Es tat so unglaublich weh, sodass ich nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, vor lauter Verzweiflung in mein Kissen schrie. Der Schmerz wuchs mit jeder Sekunde, mit jedem Tag, den ich neu überleben muss. Es war ein Spiel, welches mich nicht gewinnen ließ und immer wieder zum Anfang brachte...
In der Schule war ich beliebt, doch alles war so unecht und surreal, dass es einen umbringen könnte. Sie würden einander umbringen, um auf den Platz zu kommen, auf dem ausgerechnet ich stehe. Aber sie wussten nicht, wer ich war. Wer ich wirklich war. Sie würden auch nie fragen, denn es war ihnen egal.
Sie verfolgen jeden meiner Schritte und interpretieren jedes ausgesprochene Wort so, wie sie es hören möchten.
Ich muss nett sein, eine gerade Haltung an den Tag legen und egal, wie es mir ging, lächeln. Es war schrecklich und manchmal beneidete ich all die, die in der hintersten Ecke mit ein oder zwei echten Freunden saßen, die wirklich wussten, wie es um den Anderen stand.
So etwas wird sich nie ändern.
Egal, wie sehr man sich dagegen wehrt.
Man hatte viele Freunde, welche aber, wenn es einem wirklich schlecht geht, abspringen und plötzlich beschäftigt sind.
Beschäftigt, wenn jemand stirbt oder du einen riesigen Streit hattest oder dir jemand malwieder sagte, wie schlecht und unwichtig du doch wärst.
Würde sich jemand an mich erinnern?
Ich wollte es wissen, sehen und mit erleben, wie jemand um mich weint und trauert.
Würde überhaupt jemand zu meiner Beerdigung kommen und ein paar ehrliche Worte sagen?
Nein. Vermutlich nicht.
Richtige Freunde hatte ich, bis auf Kathrine, die unglaublich weit weg wohnte, nicht.
Seit ihrem Umzug nach Kanada sind Monate her und seit dem ließ ich niemanden an mich heran.
Sie alle sollten nur das brave Mädchen kennen, dass so mutig und stark sei. Sie sollten den Teil von mir kennen, der noch von mir übrig geblieben war.
In Wahrheit würden sie sich vor meiner zerbröckelten Fassade fern halten.
Jetzt verbrachte ich meine Zeit damit, zu Lesen und für die Schule zu lernen. Heimlich träumte ich von einer unfassbar großen und farbenfrohen Welt, die nur so voller übernatürlichen und magischen Wesen wimmelte...
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Hunter #1.Platz Beim Platin Award
Science FictionEin Leben auf einem anderen Planten hatte ich durchaus nicht auf meiner To-do-Liste. Doch dann traf ich diesen absolut verrückten Typen, der mitten in einem Gewitter vor meinen Füßen auftauchte und Gefühle entlockte, die ich noch gar nicht gekannt h...
