Kapitel 9

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1 Woche später...

...Ich tapste die Straße entlang und bahne mir einen Weg durch die Menschen, welche sich aufgeregt unterhalten zu schienen. Der Himmel zog sich langsam zu und nur noch ein paar Sonnenstrahlen schafften es, einen Weg durch die Wolken zu finden. Der Wind brauste sich nach und nach auf und schob mich weiter. Weiter nach vorne, nach Hause. 

Ich ließ den Blick über die verschiedenen Gesichter schweifen. Männer, Frauen, Kinder, Mädchen und Jungen. Verschiedene Gefühle spiegelten sich auf ihren Gesichtern wieder und dementsprechend verhielten sie sich auch unterschiedlich. Manche schlenderten durch die Gegend, andere eilten zu ihren Häusern. Es gab kein Muster, jenes dieses Erscheinungsbild darstellen könnte. 

Ich lief mit meinen rosa farbigen Gummistiefeln zu einem kleinen Jungen, der offenbar Hilfe brauchte, einen Sack voll Getreide zu tragen. Ich tippte ihm mit meinem etwas zittrigen Finger auf die Schulter und lächelte ihn nervös an.. 

Diese Augen waren beinahe schwarz und funkelten. Ich versank in ihnen, als würden sie mich rufen, dabei war er ein oder zwei Jahre älter als ich und doch wirkte er bereits sehr mächtig. 'Darf ich dir helfen?', fragte ich ihn vorsichtig und reichte ihm meine kleine Hand als Zeichen zur Freundschaft. 

Verwirrt nickte er und reichte mir ein Seil, an dem der Sack befestigt war. Ich tat alles, damit es ihm gelang, diesen Sack bis nach Hause zu tragen, doch meine Mühe war vergebens. 'Verzeih..', stammelte ich traurig und sah erneut in diese großen, schwarzen Augen. 'Wie heißt du?', fragte er und baute sich vor mir auf. Er war ein paar Zentimeter größer als ich und seine braunen Haare fielen ihm in die Stirn. 

Bald würde es mit Sicherheit anfangen zu Regnen, ich freute mich schon. 'Ich bin Elenor.', kicherte ich verlegen und versteckte meine Hände hinter dem Rücken. Diese Augen...

'Hunter.', sagte er mit fester Stimme und grinste. 'Wie alt bist du?', fragte er und ich kniff ein Auge zusammen. Wieso interessierte ihn das? 

'9 und du?', seufzte ich und wünschte, ich würde bereits älter sein. '11.', erwiderte er und sah mir in die Augen. 'Möchtest du mit mir spielen?', wollte ich wissen und sah in den Himmel. 'Es regnet bestimmt gleich!', sagte ich voller Vorfreude und drehte mich im Kreis. 

Immer mehr Menschen liefen an uns vorbei, beachteten uns kaum. 'Klar.', bejahte er meine Frage, bevor seine Eltern den Sack fort trugen. Ich sah erneut zu den Wolken hoch, spürte, wie sich etwas in mir zusammenzog. Alles kribbelte und ich bekam eine Gänsehaut. 

'Hast du..hast du Angst?', flüsterte ich, als die Geräusche um uns herum plötzlich verstummten. Vielleicht blendete ich sie auch einfach nur aus. Er sagte nichts, was mich noch nervöser machte. 'Ich..muss meine Mama suchen!', schluchzte ich und lief aufgeregt durch den Strom an Menschen. 

'Warte!', rief er hinter mir her, bevor ich gänzlich in der Masse verschwunden war. 

Jemand schrie. Er schrie. Ich riss die Augen auf. Panik. Angst. 'Hunter?!', schrie ich und wollte zu ihm, doch die Wand, welche sich aus Menschen um ihn herum gebildet haben musste, ließ es nicht zu. 'Hunter!', schluchzte ich, als das Unwetter erneut meine ganze Aufmerksamkeit in den Bann zog. 

Gewaltig, mächtig und angsteinflößend, dennoch war es so einladend und weckte solch eine große Neugier in mir. Ich hob die Hand und spürte, wie sich der nächste Blitz bereit machte, einzuschlagen. 

Doch als ich verängstigt die Augen aufriss und sich die Quelle an Spannung durch meine Knochen fraß, entwich mir ein leises, qualvolles Wimmern. Ich sackte zu Boden und nun stürmten auch zu mir aufgebrachte und fassungslose Menschen. Eltern, Kinder, Männer und Frauen, sie alle redeten auf mich ein, während ich sie stumm ansah und jegliche Kraft aus meinem Körper gesaugt wurde. 

Ich öffnete die Lippen, doch die Worte wollten einfach nicht mehr meine Lippen verlassen. Eine Träne rollte mir über die Wange, bevor alles und wirklich alles, schwarz wurde...

Schweißgebadet wachte ich auf und saß kerzengerade in meinem Bett. "Elenor?!", flüsterte Andrew besorgt, der sekundenspäter in mein Zimmer kam. "Albtraum?", fragte er und dieses Mal nickte ich. Dieser Traum war so echt gewesen und mein Körper schmerzte. Ich spürte zwar erneut, wie ich einen Marathon laufen könnte, doch meine Knochen würden dies kaum zulassen. 

Wieso war es dieses Mal so real? So echt? Diese Augen! Hunter! Noch nie sind mir seine Augen so sehr im Gedächtnis geblieben. Und jetzt, wo ich sie sich in meinen Kopf brannten, kamen sie mir wieder verdächtig bekannt vor. 

Dieser Junge. 

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter und stand mit wackligen Beinen auf. 'Geht schon..', seufzte ich, völlig überrumpelt von der plötzlichen Schwäche. 'Ich hole mir nur etwas zu trinken.', fügte ich hinzu und lief durch den Flur in die große Küche. 

Ich ließ das Licht ausgeschaltet und tapste blind umher, bis meine Hände den großen Kühlschrank erfassten, in dem sich etwas Wasser befand. 

Mit einem halbvollen Glas ging ich zurück in mein Zimmer und fand Andrew, der in Gedanken vertieft aus dem Fenster sah. "Ist alles ok bei dir?", fragte ich ihn und er drehte sich zu mir um und nickte. 

Ich setzte mich auf die Bettkante und sah auf meinen unordentlichen Schreibtisch, der nur auf den morgigen Tag wartete. Schule. 

"Kannst du mich morgen fahren?", wollte ich wissen und er bejahte meine Frage. Zum Glück. 

"Ich glaube, ich versuche noch etwas zu schlafen.", gähnte ich, bevor ich mein Glas austrank und Andrew sich von mir verabschiedete. 

Es war erst 3 Uhr morgens, wenigstens konnte ich noch etwas schlafen. 

Hunter #1.Platz Beim Platin AwardWo Geschichten leben. Entdecke jetzt