Der Morgen danach

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Ich glaub ich hab seit Wochen das erste mal richtig gut geschlafen. Erics Matratze ist so unglaublich bequem und diese Decke soooo flauschig. Und dann kommen unsere Klappbetten, die eine ,, Matratze" haben, die gesühlt so dünn, wie ein Blatt ist und dazu die Decken, sich anfühlen, wie Alufolie. Dazu kommen auch noch die passenden eräusche, wenn man sich bewegt. Doch unglücklicher Weise, werde ich aus meinem kuscheligen Schlaf geweckt und das nicht gerade sanft, von Sonnenstrahlen oder Vogelgezwitscher. Nein, natürlich nicht. Eric ist so freundlich und muss mich natürlich wach rütteln. Aber keine sanfte Art. Nein, die hektische und aggressive Art.

Immer wieder schlage ich seine Hand weg, doch er hört einfach nicht auf.
,, Eric hör auf!", grummel ich jedes mal, wenn er wieder seine Hand auf meine Schulter legt. ,, Rose, entweder du stehst jetzt auf oder du wirst bald Fraktionslos sein." Sofort springen meine Augen auf. Die Initiation. Och ne... kann ich nicht einfach jetzt schon damit fertig sein. Ich fahre mir verschlafen durch die Haare und versuche meine Umgebung warzunehmen. Eric sitzt auf der Bettkante neben mir und hat seine Hand auf meinem Oberschenkel liegen. ,,Wie viel Uhr ist?", murmel ich. ,,Halb neun." Ich bin zu spät! F*ck, f*ck, f*ck. Ich springe schnell auf, was nicht so gut ist, denn sofort machen sich meinen Kopfschmerzen bemerkbar. Ich suche panisch nach meinen Klamotten, doch das einzige Kleidungsstück, was ich von mir hier habe ist mein Kleid. All meine anderen Sachen sind noch im Schlafsaal.

Ich will gerade die Treppen runtersprinten, doch ich vernehme ein lautes Lachen von Eric. ,, Was ist?!", fauche ich ihn an. Er kriegt sich ja kaum ein. ,,Die Initianten werden erst um neun geweckt!" Ich werfe ihm einen Ist-Das-Dein-Ernst- Blick zu und lehne mich am Geländer an. ,, Und ich wurde schon total panisch!" ,, Dein Blick sah so lustig aus. Aber dein Outfit... wenn es nach mir gehen würde, würdest du das immer tragen.", er grinst mich schon wieder so pervers an und zwinkert mir zu. Und erst jetzt kommt mir wieder der Gedanke, dass ich ja nur Erics T-shirt anhabe. Und natürlich verdeckt es nicht mehr das, was es verdecken soll. Zum Glück trage ich noch meine Unterwäsche. Prumpt ziehe ich es weiter runter, woraufhin Eric eine Schnute zieht. Was glaubt der denn? Das ich mich noch mehr entblöße? Na klar.

Trotzdem gehe ich die Treppen runter, denn ich will was zu trinken nehmen. Wasser, Kaffe, einfach irgendwas, was mich wach macht und diese Kopfschmerzen lindert. Unten in der Küche suche ich nach einer Kaffemaschine, aber natürlich hat der liebe Kerl hier keine rumstehen. ,, Keine Kaffemaschine?! Wie schaffen du und Four das nur morgens so früh wach zu werden?", grummel ich, während Eric auch die Treppe runter geschländert kommt. ,, Ich hasse Kaffe.", erwiedert er und ich gucke ihn fassungslos an. Wie kann man nur Kaffe hassen? Mein Körper besteht nicht zu 60% aus Wasser, sondern aus Kaffe. Naja, obwohl ich sagen muss, dass ich die letzten Wochen morgens einfach öfters keine Zeit dafür hatte, aber trotzdem ist es immer noch eines meiner Hauptnahrungsmittel. ,, Du bist echt komisch!", sage ich. Ich nehme mir ein Glass aus einem Regal und befülle es mit Wasser. Wenigstens etwas, was diese Kopfschmerzen zurückhält, auch wenn sie nicht komplett weggehen, reicht es.

,, Ich sollte lieber zurück in den Schlafraum gehen. Die anderen machen sich bestimmt sorgen." Eric nickt zustimmend. ,, Aber zieh lieber dein Kleid an." Ne, ich hatte eigentlich vor halb nackt durch die Gänge zu laufen. Ich stelle noch das Glas in die Spüle und laufe dann in Richtung Badezimmer. Dort wasche ich mein Gesicht, aber den Blick in den Spiegel wage ich nicht. Der Anblick von letzter Nacht hat mir schon gereicht. Außerdem binde ich mir noch meine Haare zu einem lockeren Dutt. Mein Kleid hängt immer noch dort, wo ich es gestern hingehängt hatte. Fertig angezogen wollte ich gerade zur Tür laufen, als ich auf einmal Eric an dieser gelehnt sehe. ,, Hast du mich beim umziehen beobachtet?!", zische ich fassungslos. ,, Du kannst es nicht beobachten nennen, wenn du die Tür auflässt!", versucht er sich zu verteidigen. Kopfschüttelnd laufe ich an ihm vorbei. Meine Schuhe anzuziehen hatte ich keinen Bock. Mit High Heels um viertel vor neun zu laufen ist glaube ich keine so gute Idee. Vor allem, wenn man noch total müde ist, wie ich. Vor der Tür bleibe ich nochmal stehen und drehe mich um. Eric steht direkt vor mir und grinst mich an. Seine eine Hand wandert zu meiner Hüfte und die andere streift eine Strähne hinter mein Ohr. Mir entfährt ein leichtes Schmunzeln. ,, Was ist?", fragt Eric. ,, Du machst das immer. Die eine Hand an die Hüfte und die andere streift eine Strähne hinter mein Ohr. Das ist süß.", antworte ich und lege nun meine Hände hinter seinen Nacken. Eric sieht mich irritiert an. ,, Süß? So möchte aber kein Kerl genannt werden." ,, Tut mir leid, ich hab vergessen, dass du ein bad Boy bist." Jetzt zieht Eric seine Augenbrauen noch mehr hoch. ,, Ein bad Boy? Ich? Weil ich diese Sache mit dem Serum unterstütze?" Oh Eric, das ist ja ein toller Themenwechsel. Sofort löse ich mich von ihm und schaue auf den Boden. ,, Ich sollte jetzt gehen.",murmel ich und will gerade die Tür öffnen, doch er drückt sie wieder zu. Mein Blick ruht immer noch auf dem Boden. ,, Rose... wir sollten darüber reden." ,, Was wenn ich nicht darüber reden will? Du kennst meine Meinung dazu und es wird nichts geben, dass mich das unterstützen lässt. Jetzt lass mich gehen." ,, Nein! Lass uns reden!" ,, Lass mich jetzt sofort gehen, Eric! Das war eigentlch ein schöner Morgen, bis du das erwähnt hast! Wenn du glaubst, dass ich das jemals akzeptieren werde, hast du dich getäuscht!", fauche ich nochmal, öffne schnell die Tür und schlüpfe durch den Spalt, bevor Eric sie wieder zuhalten kann.

Während ich den Gang entlang laufe, kann ich noch hören, wie Eric meinen Namen ruft, doch ich mache keine einzigen Anstalten mich umzudrehen. Nachdem ich einmal abgeoben bin, kann ich seine Rufe nicht mehr wahrnehmen. So ein Mistkerl! Glaubt er echt, ich würde sowas jemals unterstützen? Der ist doch echt unmöglich. Der Morgen hat so schön angefangen und dann BOOM! Muss er mit irgendetwas kommen, was die ganze Stimmung versaut. Wenn der glaubt, dass dieses Thema gegessen ist, hat er sich geschnitten.

Auf dem Weg treffe ich auf Four, welcher etwas verwirrt ist, denn diese Gänge sind keine typischen Gänge, die von Initianten benutzt werden. Er fragt mich, woher ich komme, doch ich ignoriere ihn einfach. Wenn er diese Frage beantwortet haben will, kann er bis nachher warten.
Ich weiß genau, was wir in der zweiten Phase machen müssen. Wir müssen uns unseren Angstlandschaften stellen. Es funktioniert fast genau, wie der Eignungstest. Einem wird wieder ein Simulations-Serum gespritzt und der Aufseher kann wie immer alles auf einem Monitor mitverfolgen. Dieses Zeug, wird ganz oft bei den Ken produziert. Die Herstellung davon ist eigentlich totale Routine.

Vor der Eisentreppe bleibe ich stehen. Was soll ich wieder ihnen sagen? Soll ich lügen, die Wahrheit sagen? Irgendwann werden sie es eh heraus finden. Aber ist es so gut nach einem ,,Streit“ mit Eric, davon zu erzählen. Naja, Streit kann man das ja nicht richtig sagen.
Außerdem würden die Jungs das sowie so schlecht reden. Das ich blind bin, das er nur mit mir spielen würde, etc.
Aber dann gibt es noch Kyra, Helen und Ely. Ely steht eh schon hinter mir und ich bin mir sicher, dass die anderen beiden es auch sein würden.
Und dann gibt es noch Peter. Er würde komplett ausrasten. Bei ihm besteht wahrscheinlich auch die Chance, dass er Eric drohen würde. Er würde bestimmt nicht mehr von meiner Seite weichen.
Doch wenn sie es von anderen erfahren, werden sie enttäuscht und traurig sein. Vor allem, wenn sie erfahren, dass Ely es wusste. Obwohl sie ja selber die Erkentniss gewonnen hat und nur Bestätigung wollte. Aber trotzdem, würden sie denken, dass ich ihr mehr vertraue als ihnen.
Ach scheiß drauf.
Wie sagen die Candor?
,,Unehrlichkeit ist der Nährboden des Bösen. Wahrheit ist unser höchstes Gut.“
,,Möge die Wahrheit dich befreien.“

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Hey, Leute! Ich kann es nicht glauben, dass es schon über 400 Reads sind.❤ Für manche ist das vielleicht nicht viel, aber mich macht das so glücklich, dass so viele diese von so vielen Geschichte mögen!❤ Danke, wirklich!❤
Wenn ihr wollt kann ich mal ein Frage-Antworten Kapitel machen :) Dann könnt ihr mir hier oder Privat fragen stellen und im nächsten Kapitel beantworte ich diese. :)
Aber nur, wenn ihr Lust darauf habt!

Lg Antonia❤

shattered souls// Eric FF//Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt