Ihr Vater trat neben sie und legte ihr einen Arm um die Taille. Eine Geste, verloren geglaubter, Vertrautheit zwischen den beiden. "Ammi, mein Schatz. Ich weiß es war alles nicht so schön für dich, wie ich mir das in letzter Zeit für dich Gewünscht habe. Aber glaub mir mein Engel, deine liebe Mutter wäre so unglaublich stolz auf dich." Sie blickte zur Seite. Ihrem Vater standen Tränen in den Augen. "Sie wäre so stolz auf dich gewesen, hätte sie gesehen wie du das alles hier stemmst. Und erst recht darauf wie du deine Schwester verteidigt hast. Und auch ich bin so unglaublich Stolz auf dich." Schnell gab er ihr einen Kuss auf die Stirn und verschwand zwischen den Leuten. Er hatte recht, dachte sie. Egal wie sauer sie auf ihre Schwester sein mochte, liebte sie sie doch zu sehr. Suchend glitt ihr blick durch die Menge als sie Farha sah. Schnellen Schrittes lief sie auf sie zu.
Schwermütig betrachtete Farah die Tanzende Menge. Als sich plötzlich jemand neben ihr räusperte. "Du siehst wunderschön aus." Vorsichtig drehte sie sich um und blickte in das, ein wenig verzweifelte, Gesicht von Amalie. Sie schluchzte auf. "Ich hab dich so vermisst, Ammi." Erschrocken holte sie Luft. "Nein, es ist okay Farah. Es ist alles okay." Farah hatte nie damit gerechnet, doch Amalie drückte sie mit ihrer ganzen Kraft an sich. Kein Blatt dieser Welt mochte noch zwischen sie passen.
Nach einer Zeit, drückte Farah Amalie ein bisschen weg. Zu ihr auf blickte eine geknigte Amalie. Das was sie hervor brachte, lag irgendwo zwischen lachen und schluchzen. "Guck bitte nicht so. Ich kann nur nicht länger, sonst würde ich ganz ernsthaft anfangen zu weinen." Und schon rollte eine Träne über Amalies rosige Wange. "Guck, das meine ich." Beide lächelten einander an. Glücklich einander wieder zu haben. Es war ein Bild für die Götter. Die wohl schönsten Damen des Abends umschlungen, Weinend auf der Tanzfläche. Und doch schien es, als gäbe es niemanden Glücklicheren im Gesamten Saal.
Amalie konnte nicht anders. Sie erzählte Farah alles und kam nicht drum herum, sich mehr und mehr schuldig zu fühlen. Doch Farah bekam davon nichts mit. Sie schien sich viel mehr für Amalie zu freuen. Sanft lächelte sie Amalie an. "Oh, ich freu mich so für dich. Aber sag, wer ist es denn? Sieht er denn auch gut aus? Ist er vielleicht sogar hier?" Entschlossen blickte sie Amalie in die Augen. "Nein, das wollen wir gar nicht mehr wissen! Er ist schließlich nicht gut! Er ist ein unangenehmer Mensch! Nein ein Schweinehund!" Amalie blickte zu Boden und Antwortete nicht. "Oh Amalie." Farah seufzte. "Du liebst ihn." Amalie konnte Farha nicht angucken. "Farah, nein! Das ist nicht richtig.. Es tut mir alles so unglaublich leid. Bitte verzeih mir." Es war wieder an Farah zu seufzen. "Ammi, merkst du es denn nicht? Liebe ist nicht richtig oder falsch! Sie ist einfach. Das einzige was du da tun kannst, ist zu entscheiden ob du glücklich damit sein willst oder nicht. So etwas kommt nicht so schnell wieder. Und nun sag oder zeig mir endlich wer er ist! Und dann Entscheiden wir wie es erstmal weiter geht." Neugierig blickte Farah sich um. "Er ist nicht hier Farah. Und ich weiß auch nicht ob er kommt. Er hat gewiss andere möglichkeiten sich zu beschäftigen." Seufzend wendete ihre suchenden Augen wieder auf Amalie. "Sag mir, kenn ich ihn?" Amalie nickte. "Und?.. Nun sag mir doch seinen Namen, Amalie!" Versucht sich selbst zu überreden nickte Amalie. "Graf Konstantin." Mit weit aufgerissenen Augen blickte Farah ihre Schwester an. "Amalie.. da ist etwas was du wissen musst!" Doch bevor sie ihre Gedanken in Worte fassen konnte, wurden die Flügel Türen zum Saal geöffnet und Konstantin betrat, gut aussehender denjeh den Saal. Sein Blick glitt suchend durch die Grüppchen und Tanzenden. Als seine Augen Amalie fest machen konnte, schritt er mit zügigen Schritten auf sie zu. "Können wir reden? Bitte Amalie." Sein blick huschte zu Farah, welche ihre Schwester ein wenig besorgt musterte. Mit seiner rauen tiefen Stimme fuhr er fort. "Ich möchte wirklich mit dir reden. Es ist wichtig." Ein kleiner funke voller Hoffnung entflammte in ihr. "Es geht um Graf Paschow." Er erstarb. Sie nickte. Nicht die kleinste Gefühlsregung war auf ihrem Gesicht zu erkennen, welches nun mehr einer Versteinerten Maske glich. Sie ließ sich von ihm auf einen der kleinen Balkons entführen. Die Luft draußen war genau so kalt und schneidend wie ihre Stimme, als sie fragte. "Was wolltest du mit mir bereden?"
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Amalie
Historical FictionEr blickte sie an, doch Amalie erwiderte nichts. Sie versuchte sich mit versteinerter Miene auf die Ansprache, die ihr Vater gerade hielt, zu konzentrieren. Er beugte sich etwas zu ihr nach vorne, so dass sie einen zarten Duft von Zedernholz wahrnah...
