Amalie hielt es fast nicht mehr auf ihrem Stuhl aus. Sie wollte zu Konstantin! Ihr war es egal, dass es nicht sehr dem Verhalten einer Dame entsprach. Sie konnte einfach nicht anders. Lächelnd drehte sie sich um und blickte in das Gesicht einer Zofe. Sie hatte Katherine gebeten sich um die letzten organisatorische Dinge zu kümmern, weshalb sich heute jemand anderes um ihre Haare kümmerte. „Ich muss ganz schnell wohin! Ich bin gleich wieder da!" Und schon war sie aufgesprungen und durch die Tür verschwunden, so das sie die Rufe der Zofe nicht mehr hörte. In ihrem dünnen Überkleid lief sie durch die Korridore. Völlig ohne Schuhe, spurtete sie los und lief fast in Farah. Amalie wollte einfach weiter laufen, doch Farah hielt sie wie eisern fest. Die Reaktion blieb aus. Verbissen blickte Amalie an ihr vorbei. "Wie läufst du denn hier rum, Amalie? Das ist kein angemessenes Verhalten!" Ihre Augen blickten völlig leblos in ihre, als Amalie antwortete. "Stimmt ich sollte mir ein Beispiel an dir nehmen.. Meinst du Thilo tut es auch mit zweien? Ich wollte eigentlich zu wem anders, aber wenn es auch einfach geht, warum nicht?" Geschockt ließ Farah sie los und Amalie begann vor ihr auf und ab zu gehen. "Hmm, ich bin mir nicht so sicher. Ich traue es ihm eigentlich nicht zu.. Ach was frag ich ihn einfach. Anscheinend kann er ja nicht nein sagen." Abwertend blickte Amalie, Farah an. Kühl blickte sie Farah an, sie wollte diese Maske mit allen Mittel aufrecht erhalten. Doch ein Gedanke, so klein wie ein Mohnkorn, pflanzte sich in ihr Unterbewusstsein und wuchs langsam in ihre Gedanken. Es nistete sich ein und war für Amalie unübersehbar. Sie war auf dem besten Wege, das gleiche mit Konstantin zu tun! "Lasst es oder trefft euch wenigstens so, dass es niemals jemand merken würde." Farah nickte und fühlte sich auf einmal ganz klein und dumm. "Werd ich, versprochen Amalie." Doch als sie hoch blickte sah Farah, Amalie nur noch hinter einer Ecke verschwinden. Das Nicken hatte ihr wohl genügt.
Hinter der nächtens Ecke würde sie ihn finden. Sie strahlte mit der Sonne um die Wette. Konstantin. Plötzlich überfiel sie eine gewaltige Welle der Unsicherheit. Was wenn er sie gar nicht sehen wollen würde? Würde er sie wegschicken? Das würde ihr Stolz nicht verkraften, da war sie sich sicher. Sie schluckte ihre Bedenken hinunter und blickte um die Ecke. Ihr Herz verkrampfte sich. Alles stockte in ihr. Für eine Sekunde fiel alles aus. Ihre Augen brannten und sie wich von der Situation, die sich ihr bot weg. Doch ihr Herz wollte mehr als das, es wollte schreien. So unbeholfen wie sie versuchte wegzukommen, stieß sie gegen ein riesiges Gemälde. Sie erschrak. Und sie war nicht die einzige. Izabelle wich von Konstantin. Doch Amalie hatte keine Augen dafür. Ihre volle Aufmerksamkeit lag bei ihm. Konstantin. Dem Jungen, dem sie beschlossen hatte, ihr Herz zu schenken. Sie wollte ihn nicht hören. Wollte seine Stimme nicht hören, die jedes mal ihr Herz berührte und ihre Welt sich drehen ließ. Also lief sie. Lief ohne sich umzublicken. Ihre Augen waren gefüllt mit salzigen Tränen. An ihrem Zimmer lief sie vorbei. Sie lief runter, immer weiter runter. Plötzlich krachte sie in jemanden. Vorsichtig entschuldigte sie sich und blickte auf. Vor ihr stand eine junge üppige Frau, die ihr sofort aufhalf. Amalie schluchzte. "Es tut mir so so leid! Ich hoffe, ich hab Ihnen nichts getan!" Als die junge Frau, augenscheinlich eine Küchenhilfe, sie los ließ, sackte sie sofort wieder zusammen. Wieder entschuldigte sie sich und versuchte aufzustehen. Es gelang ihr nicht. Wieder schluchzend brach sie zusammen. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. In ihrem Kopf wiederholte sich die Situation immer und immer wieder. Es gab kein Entkommen für sie. Die Küchenhilfe stand auf und ging zu ihrer Arbeitsfläche. Aber auch das bemerkte Amalie sie nicht. Sie war eingeschlossen. Eine Gefangene ihrer selbst.
Rausgerissen wurde sie, als die junge Frau sich zu ihr runterbeugte und ihr einen Becher in die Hand drückte. "Ich bin mir sicher, dass das genau das ist, was du jetzt brauchst." Dankbar nahm Amalie den Krug in die Hand. Gab ihn der Frau aber schnell wieder zurück. Sie wollte nicht das diese wegen ihr Probleme bekam. Der Koch war bestimmt streng bei so etwas und als Küchenhilfe musste sie bestimmt noch viel tun und hatte keine Zeit sich um sie zu kümmern. Es gab bestimmt Wichtigeres. Es gab immer Wichtigeres. Besseres.
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Amalie
Ficción históricaEr blickte sie an, doch Amalie erwiderte nichts. Sie versuchte sich mit versteinerter Miene auf die Ansprache, die ihr Vater gerade hielt, zu konzentrieren. Er beugte sich etwas zu ihr nach vorne, so dass sie einen zarten Duft von Zedernholz wahrnah...
