Amalie lief aufgebracht in ihrem Zimmer auf und ab. Ihr Zofe stand neben ihr und versuchte mit bestem Bemühen, ihr das Kleid überzustreifen, ohne dabei selbst in die Schuss Linie zu kommen. Sie schimpfte nun, seid bereits über zwanzig Minuten, über Graf Konstantin. Sie räusperte sich „Mademoiselle Amalie, Ihr Herr Vater rechnet bereits seit bestimmt einer halben Stunde mit Ihrem Erscheinen. So bitte ich Sie, lassen Sie mich Ihnen das Korsett und das Kleid anlegen, so dass Sie endlich loskönne." Sie zögerte. „Und wenn ich Ihnen noch einen Rat geben dürfte..." Amalie nickte, sie war noch viel zu tief in ihrer Wut gefangen, als dass sie ihrer Zofe genügend Aufmerksamkeit hätte schenken können.
„Es wäre doch wirklich viel besser, dem Grafen, als wunderschöne Dame unter die Augen zu treten, nachdem er Sie, in dieser.... sagen wir etwas einfacheren Aufmachung sah."
Amalie blickte zu ihrer Zofe auf. Catherine war eine liebenswürdige Zofe. Aber dennoch, sie hatte, nach großem Bedauern von Amalie, nicht viel für der Emanzipation der Frauen übrig.
„Sie haben womöglich recht, aber dennoch, ich werde mir keine große Mühe geben, schließlich ist er es meiner nicht wert." Catherine brachte ihr ein Kleid mit engem Mieder. „Pah.", brachte Amalie heraus. „Hat mir Vater das herauslegen lassen?"
Sie ließ der Zofe gar keine Zeit zum Antworten. „Ich werde dieses Kleid unter keinen Umständen anziehen. Was bin ich? Eine Hure? Vieh, was er zu verkaufen gedenkt?"
Sie schnaubte. „Nur weil dieser kleine arrogante Schnösel gedenkt mein ganzes Leben aufzuwirbeln, heißt das noch lange nicht, dass ich das zulasse!" Sie hob trotzig ihr Kinn und sah ihre Zofe an.
„Natürlich, Madame." Die Zofe eilte flink hinaus. Amalie schluckte, ihre Gedanken wirbelten nur so im Kopf herum. Sie benahm sich wie ein zickige verwöhnte Göre. Zwischen Catherine und ihr war sonst immer so etwas wie Freundschaft gewesen und jetzt behandelte sie sie wie eine gewöhnliche Dienstmagd.
Sie verkörperte gerade alles, was sie sonst an so machen Menschen verabscheute.
Als Catherine wieder eintrat, ging Amalie eiligen Schrittes auf sie zu.
„Verzeih mir Catherine." Sie ergriff die freie Hand der Bediensteten.
„Ich weiß nicht, warum ich mich so aufführe. Ich benehme mich grässlich."
Catherine legte das Kleid beiseite und lächelte, ihr schon fast mütterlich wirkendes Lächeln. „Amalie, entschuldige dich doch bitte nicht, das gehört sich nicht für eine Herrschaft!" Sie schmunzelte „Und ich denke, Sie wissen sehr gut, woran oder an wem das liegt!" Amalie schluckte. Sie wollte keinem Mann jemals gestatten, so eine große Macht über sie zu besitzen.
Catherine schüttelte das hellgelbe Kleid vorsichtig aus. Es war aus wunderschönem zarten Taft gemacht, der, wenn man ihn bewegte, leise raschelte.
„Ich denke, Madame, wenn ich mir das erlauben darf, dass das genau das richtige für Sie ist!" Ein Lächeln, wie die ersten Strahlen der Sonne, ging über das Gesicht von Catherine. Sie war so stolz, ihr das Kleid zeigen zu können. Obwohl Amalie sich nie wirklich viel aus Kleider gemacht hatte, musste sie zugeben, dass es wirklich atemberaubend schön war. Es war wie das erste Blinzeln eines Sommertages. Sie nickte. „Da haben Sie wohl recht, danke Catherine."
Konstantin ließ seine Finger knacken. Amalie war schon wieder zu spät. Die Tür öffnete sich mit einem Ruck und sie kam herein. Sie sah atemberaubend schön aus, ihr gelbes Kleid schmiegte sich an ihre zarte Figur und der ausfallende Rock ließ es wirken als würde sie schweben. Sie beugte sich zu ihrem Vater hinunter und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Jedoch sah sie dabei Konstantin an.
Die ersten Gänge wurden serviert und die Stimmung war beschwingt.
Graf Konstantin, wendete sich räuspernd an Amalie.
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Amalie
Narrativa StoricaEr blickte sie an, doch Amalie erwiderte nichts. Sie versuchte sich mit versteinerter Miene auf die Ansprache, die ihr Vater gerade hielt, zu konzentrieren. Er beugte sich etwas zu ihr nach vorne, so dass sie einen zarten Duft von Zedernholz wahrnah...
