"Ich, also ich wollte mit dir über Graf Paschow, also meinen Onkel reden." Es war so kühl draußen. "Ich weiß. Das sagtest du schon." Er nickte ein paar mal. "Amalie, du musst wissen, dass ich nach meinem 21. Geburtstag das Erbe meines Vaters antreten kann. Es wurde so im Testament von ihm Festgelegt." Es war ihm sichtlich unangenehm. Aber es war ihr egal. Wenn sie in diesem Moment ehrlich mit sich gewesen wäre, hätte sie sich eingestanden, dass sie es ihm sogar noch viel unangenehmer gewünscht hätte. Doch ihre Erziehung hielt sie davon ab. Es kam sogar so weit, dass sie sich fragte ob sie sich nicht einfach wie eine Eifersüchtige Dirne benahm und überhaupt kein recht hatte so zu fühlen. Sie wurde aus ihren Gedanken heraus gerissen, als Konstantin fort fuhr. "Und er muss sich sein Lebensunterhalt sichern.." Verständnislos blickte sie ihn an. Kalt fuhr sie ihn an. "Worauf willst du hinaus?" Er seufzte. "Mir ist bewusst das du sauer auf mich bist, aber das ist gerade wichtiger!" Sie nickte. "Okay, Graf. Verzeihen sie, es ist etwas kühl, ich werde jetzt gehen." Sie dreht sich um. Bevor sie auch nur einen Schritt von ihm weg machen konnte, packte er sie und drehte sie wieder zu sich um. In seinen Augen lag ein flehender Ausdruck. Als er dann aber wiederholt mit seinem Onkel anfing, reichte es Amalie. Sie riss sich los und ging zu Tür. Bemüht die Tränen zurück zu halten. "Amalie! Warte!" Doch sie wollte nicht warten. Ihr innerstes sträubte sich gegen ihn und versuchte mit allen Mitteln von ihm und der Enttäuschung die er mit sich brachte, weg zu kommen. "Er möchte dich Heiraten!" Sie fuhr zu ihm herum. "WAS?!" Nun hatte er wieder ihre volle Aufmerksamkeit. "Deswegen hat er es getan!" "Was hat er getan? Verdammt Konstantin, sprich doch einfach mal in Ordentlichen Sätzen!" "Er.." Erneut brach er ab. "Er hat Izabelle zu mir geschickt. Sie war sauer weil sie nicht eingeladen war oder irgendwie sowas. Ich bin da Ahnungslos!" Allerdings war er nicht Ahnungslos was es mit Hochzeiten auf sich hatte. Er lockerte seinen Nacken. "Sie sind wohl beide durch einen dummen Zufall auf einander gekommen. Dann ist sie zu mir gekommen. Ich schwöre es dir sie hat mich erst angefallen, als du um die Ecke kam. Als hätte sie es gewusst!" Amalie nickte. Das konnte gut sein. Ihr war die Dienerin, die ihr an diesem Abend die Haare gemacht hatte, bekannt vor gekommen. Nur am Rande hatte sie war genommen, dass bei ihrem Wiederkommen eine andere Zofe da war. Oder sie wollte es einfach glauben. Er fuhr fort. "Weißt du was das heißt?" Sie blickte ihn einfach nur an. "Er hat das alles von langer Hand geplant. Er wollte euch unbedarft in den Dreck ziehen, damit er dann als Heldenhafter Ritter, deine beschmutzte Schwester Heiraten könnte. Nur hast du seine Hoffnungen zu nichte gemacht, in dem du ihn Vorgeführt hast." Gestresst atmete sie ein. "Was will er also von mir, Konstantin?" In ihrer Stimme klang eine ängstliche Vorahnung mit. "Er dachte, dass du mich nicht mehr willst, wenn du mich mit einer anderen siehst und das dein Vater nach einem Bräutigam sucht und ihn dann deiner Schmerzenden Seele besser verkaufen kann." Ihr blick verfinsterte sich. Was bildete er sich eigentlich ein? Dachte er er hätte schon solch eine große Macht über sie? Und warum sollte ihr Vater gerade jetzt einen Ehemann für sie suchen? Ihre Gedanken schweiften zu dem alles verändernden Moment zurück. "Und das stimmt auch. Es hat meine Meinung verändert." Sie hielt ihre Augen geschlossen. Sie konnte einfach nicht mehr in seine gucken. Diese Augen, welche es vermochten ihr neue Welten zu Zeigen und zu nehmen. In Sekunden Bruchteilen. Vorsichtig strich er, mit seiner Hand, über ihre, vor Kälte, rötlich gefärbten Wange. "Amalie glaubst du mir? Glaubst du mir wenn ich sage, dass ich nur dich will. Immer nur dich. Das du seid dem ersten Tag an, jede Sekunde meinen Kopf ausfüllst? Und ich an nichts und niemand anderen als dich denken kann?" Fragend blickte er ihr tief in die Augen. Doch Zweifel nagten an ihrer Seele, wie Ratten die seid langem wieder Nahrung fanden.
Ihre Augen mussten wohl voller Verzweifeltem Misstrauen sein, denn Konstantin beugte sich zu ihr hinab und küsste sie. Er küsste voller Inbrunst. Als wolle er ihr damit alle Zweifel und alles Misstrauen nehmen. Aber er tat es nicht nur für sie.
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Amalie
Historical FictionEr blickte sie an, doch Amalie erwiderte nichts. Sie versuchte sich mit versteinerter Miene auf die Ansprache, die ihr Vater gerade hielt, zu konzentrieren. Er beugte sich etwas zu ihr nach vorne, so dass sie einen zarten Duft von Zedernholz wahrnah...
