Ein paar Männer waren kurze Zeit nach Amalies Verschwinden gekommen und hatten den Verletzten auf eine Trage gebettet und waren verschwunden. Konstantin machte sich auch wieder auf den Weg zum Anwesen der Weißenstedts. Der Wind, der seine Haare durchwirbelte, tat nicht wie sonst seinen Dienst und räumte seinen Kopf frei. Nein, viel mehr brachte dieser Wind noch mehr verwirrende Gedanken in seinen Kopf.
Warum unterstellte er Amalie, dass sie eine normale nach Aufmerksamkeit durstende Dame sei? Schließlich hatte sich das nach dem Anblick, der sich ihm damals im Innenhof bot, erledigt. Er hatte gewiss noch nie so eine Frau wie sie getroffen. Er wusste noch nicht, was das für ihn bedeutete, aber für den Anfang fand er es gar nicht mal so schlecht. Sie war eine neue Herausforderung.
Das Abendessen wurde serviert. Es gab Fasan, Austern, Wachteln, Spargel und noch viele weitere Köstlichkeiten. Man konnte über das Anwesen und die Leute sagen, was man wollte, aber das Essen war immer mehr als nur himmlisch. Der Koch musste ein wahrer Meister seines Fachs sein.
Beim Anblick der vielen Speisen lief ihm das Wasser im Mund zusammen.
Hoffentlich würde Amalie, wenigstens diese mal, pünktlich erscheinen.
Es hatte ihm nämlich tatsächlich angefangen Spaß zu machen, sie ein wenig zu triezen.
Was allerdings auch ein Leichtes war, sie schien auf alles anzuspringen und drängte sich ihm auch, das ein oder andere mal quasi auf sie zu ärgern. Ob sie das allerdings auch auch so sah, war eine andere Sache. Ohne dass er es bemerkte, hatten sich Amalie und ihre Schwester hingesetzt. Sie lachten und alberten herum. Konstantin rügte sich selbst: Er war ja fast versessen darauf zu erfahren, wie Amalie ihm nach dem Gespräch im Wald empfangen würde. Er schüttelte den Kopf. Er würde sich jetzt seinen normalen Tätigkeit zuwenden, die er auch sonst bei solchen Veranstaltungen zu pflegen verstand.
Amalie war sich den Blicken des Grafen nur all zu bewusst, aber dennoch sie würde sich nicht von seiner Anwesenheit ärgern lassen. Farah schien ihren heimlichen Blick zu Graf Konstantin bemerkt zu haben und legte ihre Hand vorsichtig in die von Amalie.
„Sag mir Liebes, gefällt er dir?" Erschrocken über diese Aussage zuckte sie zusammen. Hatte sie denn so auffällig geguckt? Auf ihren Wangen erschien eine verräterische Röte. „Farah, sag mir, wen meinst du? Wer soll mir gefallen?"
Farah lächelte in sich hinein, doch dieses Spiel spielte sie mit. Sie wollte ihre Schwester nicht einengen, sonst würde Amalie direkt abblocken und Farah wollte wissen, was sie an ihm fand.
„Aber Amalie, ich meine gerade erst gesehen zu habe, wie du in die Richtung von Graf Konstantin geguckt hast."
Amalie unterbrach sie. „Aber nein, er interessiert mich nicht. Ich habe gerade nur zu Izabelle gesehen. Sie schein von ihm ja quasi belagert zu werden." Den letzten Satz sprach sie leiser aus, was auch Farah nicht entging.
Diese lächelte nur wissend und drückte ihr Hand.
Die Gänge wurden serviert, der Wein nachgeschenkt und die Gespräche wurden lockerer. Bis auf das Gespräch zwischen dem Grafen und Izabelle, einer reichen Hofdame des Hauses. Tiefe Blicke wurden ausgetauscht und ein immer schriller werdendes Lachen ging von Izabelle aus. Sie riss fast an der Borte von der schönen Tischdecke. Was man ihr allerdings nicht vorhalten konnte, da sie, wie auch viele der anderen anwesenden Damen, die einen niedrigeren Adelstitel besaßen, nicht als vollwertig wahrgenommen wurden. Dadurch wollte meist kein Edelmann, der was auf sich hielt, etwas mit ihr anfangen. Und es war für alle beteiligen ersichtlich, dass es darauf hinauslief.
Wie von selbst rückten die Stühle der beiden immer näher.
Amalie wollte den Blick abwenden, aber sie konnte einfach nicht.
Farah beugte sich zu ihr. „Geht es dir nicht gut, Amalie? Du bist so blass."
Sie nickte nur und beugte sich zu ihrem Vater.
„Vater, mir geht es nicht so gut. Würdest du mich bitte für den restlichen Abend entschuldigen? Ich werde auf mein Zimmer gehen und mich hinlegen."
„Aber natürlich mein Kind. Geh leg dich ruhig hin. Der Tag war ja auch lang und schließlich musstest du auch noch diese Sache mit einem dieser lausigen Diener handhaben. Jaja, ganz recht mein Kind, Graf Konstantin erzählte mir davon."
Ihr Blick ging zu Graf Konstantin, der wie es schien nicht mehr mit Izabelle beschäftigt war. Sein Blick ruhte auf ihr. „Ach, hatte er das.." Sie wollte dem gerade noch etwas hinzufügen, als Farah sie mit ihrem Fuß streift. Ein kleiner Schmerzenslaut entkam ihren Lippen. Sie sah Farah strafend an. Aber sie hatte recht, hätte sie den Worten ihres Vaters noch etwas entgegen gesetzt, wäre sie dem hier wahrscheinlich nie entkommen. Amalies Lächeln war milde. „Die viele Sonne hatte mir wohl nicht so gut getan. Du weißt ja, ich vertrage so viel Bewegung nicht sehr gut." Bei diesen Worten blickte sie direkt in Graf Konstantins Augen. Dort drin sah sie etwas, was sie nicht direkt deuten konnte. Sie entschuldigte sich also und verließ den Saal.
Sie musste sich ablenken. Sie musste zu Thilo.
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Amalie
Fiction HistoriqueEr blickte sie an, doch Amalie erwiderte nichts. Sie versuchte sich mit versteinerter Miene auf die Ansprache, die ihr Vater gerade hielt, zu konzentrieren. Er beugte sich etwas zu ihr nach vorne, so dass sie einen zarten Duft von Zedernholz wahrnah...
