Gewissensbisse

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Hannah:

Hannah wollte Paddy nicht begegnen, aber sie hielt doch die ganze Zeit nach ihm Ausschau. Nach und nach gingen die Gäste und er schien auch schon weg zu sein.

Sie half ihrer Schwester aufzuräumen und sammelte dann ihre Kinder ein.

Hannah versuchte erst gar nicht zu schlafen. Sie wusste auch so, dass ihr Kopf ihr keine Ruhe geben würde. Sie lenkte sich ab, indem sie sich um ihren Haushalt kümmerte. Bügeln um zwei Uhr morgens half bestimmt gegen zu viel Gegrübel.

Aber es half natürlich nichts. Hannah wurde es jedes Mal ganz heiß, wenn sie an die Begegnungen mit Paddy dachte. Aber dann schimpfte sie sich wieder und dachte an Marie. Sie tat ihr so leid, aber jedes Mal wenn sie an Paddy dachte, tanzten die Schmetterlinge in ihrem Bauch wie wild umher. Sie durfte sich nicht in ihn verlieben.



Paddy:

Paddy schob einen Termin bei der Plattenfirma vor und fuhr am nächsten Tag Richtung München. Er konnte Joelle nicht in die Augen sehen. Er hielt es in ihrer Nähe nicht aus. Sein schlechtes Gewissen drohte ihn zu ersticken.

Beinahe ununterbrochen dachte er an Hannah. Daran, wie sie sich angefühlt hatte. Er konnte an nichts anderes denken, als daran, wie gerne er der Anziehung nachgeben würde. Sein Körper sehnte sich nach Sex mit ihr. Sein Kopf dachte an Joelle. Daran, wie sehr er seine Frau hinterging.



Hannah:

In den nächsten Tagen fiel es Hannah sehr schwer, sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Sie dachte immer an Paddy. Sie wusste, dass es für sie beide keine Zukunft geben konnte. Aber jedes Mal, wenn sich die Tür zu ihrem Büro öffnete, sah sie auf. Und jedes Mal war sie enttäuscht, dass jemand anderes herein kam.

Sie wusste, dass er verheiratet war. Sie wusste, dass sie sich nicht wünschen durfte, er würde zu ihr kommen.

Immer und immer wieder ertappte sie sich dabei, wie sehr sie sich wünschte, dass er sich für sie entscheiden würde. Und jedes Mal holte sie das schlechte Gewissen Marie gegenüber ein. Was war sie nur für ein unendlich schlechter Mensch.



Paddy:

Paddy musste endlich wieder einen klaren Kopf bekommen. Dieses ständige Gefühls-/Gewissenskarussell machte ihn wahnsinnig. Er konnte sich auf nichts mehr konzentrieren.

„Ist alles in Ordnung?" Joelles Frage riss ihn aus seinen Grüblereien. „Ja, ich habe einfach nur so viel im Kopf." „Okay." Er hörte die unausgesprochene Frage. Natürlich glaubte sie ihm nicht. Sie kannte ihn viel zu gut. Sie liebte ihn. Er liebte sie. Und doch dachte er ununterbrochen an eine andere Frau.

„Ich glaube, ich brauche eine kurze Auszeit. Wärst du mir sehr böse, wenn ich mich zwei Tage zurück ziehe?" „Nein, natürlich nicht." Joelle strich ihm mit besorgtem Blick über den Kopf und er lehnte sich an sie. Alles in ihm drängte danach, ihr die Wahrheit zu sagen. Aber die Angst, sie zu verlieren, war so übermächtig, dass sie ihn davon abhielt.



Hannah:

Hannah hielt es nicht mehr aus. Sie musste mit irgendjemandem reden.

„Steffi, ich muss dir etwas beichten. Aber du darfst es niemandem erzählen, auch nicht Max, versprochen?" „Was ist denn los?" „Ich habe mich in einen verheirateten Mann verliebt!" „Paddy?" „Was?" Hannah starrte ihre Schwester erschrocken an. „Ich bin nicht blind. Ich habe gesehen, wie du ihn angehimmelt hast. Meinst du nicht, dass du da etwas hinein projizierst? Du findest ihn doch schon so lange toll und jetzt, wo du ihn kennengelernt hast, da ...." „Vielleicht hast du Recht." Hannah schloss die Augen. Sie konnte ihrer Schwester nicht sagen, was sie getan hatte. Steffi wäre so unendlich enttäuscht von ihr, wenn sie wüsste, dass sie mit Paddy im Bett war, obwohl sie gewusst hatte, dass er mit Marie verheiratet war.

„Hannahlein, das wird schon wird. Das ist einfach nur wie so eine Teenager-Schwärmerei." „Du hast Recht. Ich spinn wohl grad ein bisschen." Hannah versuchte es wegzulachen.



Paddy:

Kloster. Stille. Paddy war förmlich ins Kloster geflohen. Aber auch hier schlich sich Hannah immer in seinen Kopf. Bei jedem Gebet. Immer tauchte sie unerwünscht auf.

Paddy suchte das Gespräch mit seinem Beichtvater. „Du denkst also immer noch an diese Frau?" fragte dieser ihn ohne Umschweife. Paddy erzählte ihm, dass Hannah ausgerechnet in den Ort gezogen war, in dem er mit Joelle wohnte.

„Das ist wirklich eine große Prüfung. Was wünscht du dir, wenn du frei entscheiden könntest?" Paddy zögerte mit der Antwort. „Also, mein Körper wünscht sich die Nähe mit Hannah. Aber ich liebe Joelle, wirklich!" „Gibt es gegenüber der anderen Frau auch Gefühle?" Paddy dachte lange über die Frage nach. „Ich weiß es nicht. Ich fühle mich so wahnsinnig von ihr angezogen, ich weiß nicht, ob das rein körperlich ist." Lange sprachen sie miteinander.

In dieser Nacht setzte sich Paddy noch einmal ganz ernsthaft mit der Frage auseinander, ob er sich eine Zukunft mit Hannah vorstellen konnte. Er versuchte sich selber gegenüber ganz ehrlich zu sein.

Am nächsten Tag schwieg er. Er bat Gott um Hilfe. Er betete und betete.

Auch auf der Fahrt nach Hause, war er sich immer noch nicht sicher, was er tun sollte. 

Ein einziger FehlerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt