Hannah:
Der Besuch von Pino hatte sie vollkommen durcheinandergebracht. „Axel? Ist es okay, wenn ich eine Runde spazieren gehe? Ich habe solche Kopfschmerzen." „Du Arme. Natürlich. Die Mädchen schlafen ja schön. Ich schaue ein bisschen Fußball." „Viel Spaß." Hannah schnappte sich eine Jacke und verließ das Haus. Nicht einmal mehr einen kleinen Kuss gaben sie sich inzwischen. Weder zur Begrüßung, noch zum Abschied. Aber momentan hätte es sich auch falsch angefühlt.
Axel hatte das nicht verdient. Egal wie sehr sie sich auseinandergelebt hatten, er hatte es nicht verdient, dass sie ununterbrochen an einen anderen Mann dachte. Das musste aufhören. Wenn ihre Ehe eine Chance haben sollte, dann musste sie sich zusammenreißen und sich voll und ganz auf Axel konzentrieren. Sie kannten sich seit über zehn Jahren. Seit 7 Jahren waren sie verheiratet. Zwischen ihnen war so viel Liebe gewesen, aber im Alltag hatten sie sich irgendwie verloren. Vor allem das erste Jahr mit Leni als Baby war so schwierig gewesen. Leni hatte so viel geschrien und Emma hatte sosehr darunter gelitten, dass sich alles um ihre kleine Schwester drehte. Die Nerven waren bei allen blank gelegen. Axel war mit Emma ganz oft zu seinen Eltern gefahren und sie hatten dort geschlafen. Und Hannah war alleine mit dem schreienden Baby zurückgeblieben. Wie viele Nächte hatte sie heulend verbracht. Vor lauter Erschöpfung und Verzweiflung. Aber jetzt war Leni so ein fröhliches, aufgeschlossenes Mädchen. Und Emma war der Wirbelwind, der wegen jeder Kleinigkeit einen Trotzanfall bekam. Hannah schüttelte lächelnd den Kopf.
Aber dann dachte sie doch wieder an Paddy. Gott sei Dank konnte sie wenigstens nicht schwanger geworden sein. Nach Leni hatten sie beschlossen kein weiteres Kind zu bekommen. Naja eigentlich hatte das eher Axel beschlossen. Er hatte klipp und klar gesagt, dass er kein weiteres Kind haben wollte Hannah hätte es sich mit ein bisschen Abstand vielleicht schon noch vorstellen können.
Paddy sagte auch immer, dass er sich Kinder wünschte. Vielleicht war es bei ihm und seiner Frau schwierig, oder sie hatten schon Kinder und er wollte sie einfach aus der Presse heraushalten.
Hannah schimpfte sich selbst. Sie musste endlich aufhören, ständig an Paddy zu denken. Das war ungesund. Sie hatte eine Familie mit zwei tollen Kindern und sie musste alles dafür tun, damit diese Familie glücklich war.
Mit diesem Vorsatz kehrte Hannah zurück und fand ihre ganze Familie im Ehebett liegen und schlafen. Emma und Leni lagen links und rechts von Axel und alle schnarchten.
Hannah nahm sich ganz fest vor für diese Familie zu kämpfen. Das Problem war nur, dass sie gegen sich selbst kämpfen musste. Gegen ihre blöden Gedanken und Zweifel.
Paddy:
Zu Hause. Mit klopfendem Herzen stieg Paddy aus dem Auto aus. Er sah sich um. Hier fühlte er sich wohl. Mitten im Wald lag das Haus, das er und Joelle sich vor Kurzem als ihr neues Zuhause ausgesucht hatten. Die Haustür öffnete sich und zwei Hunde rannten auf ihn zu und begrüßten ihn. „Hi Bowie, ist ja gut. Hallo Amy." Er streichelte die Hunde und richtete sich dann wieder auf. Da stand sie und lächelte ihn an. Seine Frau. Wie sehr er sie liebte. Als er sie sah, war ihm endlich klar, was er zu tun hatte. Er wollte um nichts auf der Welt diese Ehe gefährden. Er würde einen Weg finden, um das andere hinter sich zu lassen.
„Hi Darling." Paddy ging auf Joelle zu und umarmte sie. Sie küsste ihn zur Begrüßung und es fühlte sich gut an. Das Bild von Hannah wollte sich dazwischenschieben, aber er vertiefte den Kuss mit seiner Frau und das Bild verschwand. „Ich habe dich so vermisst," sagte Joelle. „Ich dich auch. Aber jetzt bin ich ja erst einmal ein bisschen hier. Wie geht es dir denn?" „Gut. Aber dir nicht so, oder? Du siehst ziemlich fertig aus." „Die letzten Tage waren irgendwie hart. Ich freue mich auf die Zeit hier. Nichts tun, viel spazieren gehen und lecker essen." „Dein Wunsch sei mir Befehl. Das Essen ist fast fertig. Schön, dass du so gut durchgekommen bist." Arm in Arm betraten sie das Haus und gingen in die Küche. „Das riecht ja lecker hier."
Mit jeder Minute die Paddy zu Hause bei Joelle war, wurde sein Entschluss mehr gefestigt. Er liebte Joelle und niemanden sonst. Was er getan hatte war unverzeihlich, aber das musste er mit sich selbst ausmachen.
Als sie spät abends zusammen auf der Couch saßen, kuschelte sich Joelle noch enger an Paddy heran. Sie schob ihre Hand unter sein T-Shirt und strich ihm über die Brust. Paddy seufzte und fing auch an sie zu streicheln. Wie hatte er ihre Nähe vermisst. Diesen wunderschönen weiblichen Körper.
Das Bild von Hannah, wie sie nackt vor ihm gelegen hatte, erschien vor seinem inneren Auge. Paddy versuchte verzweifelt sich auf Joelle zu konzentrieren. Er löste sich von ihr und entschuldigte sich damit, dass er noch kurz ins Bad müsse.
Während dem Sex an eine andere Frau zu denken, das wäre der allerschlimmste Verrat. Das wollte er nicht. Paddy versuchte sich zu sammeln und jeglichen Gedanken an Hannah aus seinem Kopf zu verdrängen.
Als er zu Joelle zurückkam, nahm er sie an der Hand und zog sie hinter sich her die Treppe hinauf ins Schlafzimmer. Er gehörte nur ihr und sie ihm.
Hannah:
Hannah saß auf der Couch und las. Sie registrierte nur halb, dass sich Axel neben sie setzte. Sie war so vertieft in den spannenden Krimi, den sie gerade las. Sie zuckte zusammen, als er ihr den Arm umlegte und sie zu sich heranzog. Axel legte das Buch weg und küsste sie. Er streichelte sie und Hannah dachte unwillkürlich an Paddy. Sie hatte eigentlich gar keine Lust auf Sex, aber sie hatten schon länger nicht mehr miteinander geschlafen und es gehörte natürlich zu einer Ehe dazu. Außerdem kam der Spaß ja meistens erst, wenn man loslegte.
Hinterher, als Axel schon zufrieden schlief, lag Hannah noch lange wach. Obwohl sie versuchte hatte, es zu vermeiden, so waren doch die ganze Zeit über kleine Flashbacks aus der Nacht mit Paddy aufgetaucht. Der Sex mit Axel war okay, aber der Sex mit Paddy war etwas gewesen, was sie so noch nie erlebt hatte. So intensiv, so erfüllend, so geil. Hannah schämte sich für ihre Gedanken. Aber das war das Wort, das ihr einfiel, wenn sie an diese Nacht zurückdachte. Ihr wurde ganz warm, wenn sie sich genauer an das erinnerte, was sie miteinander getrieben hatten. Und anders konnte man das gar nicht nennen.
Sie musste unbedingt aufhören, Axel mit Paddy zu vergleichen. Das war unfair und es machte auch gar keinen Sinn. Axel war ihr Mann. Paddy war ein Fehler und außerdem ein unerreichbarer Star. Es war höchste Zeit endgültig wieder in der Realität anzukommen und alle unsinnigen Gedanken wegzuschieben.
Paddy:
Der Alltag machte es Paddy leicht, Hannah zu verdrängen. Aber er konnte sie nicht vergessen und ab und zu stahl sich ein verbotener Gedanke an die Nacht seines Lebens ein. Paddy betete viel. Er bat Gott um Vergebung und Verzeihung.
Paddy nahm sich ganz viel Zeit für Joelle. Sie gingen Wandern, sie gingen Essen, machten Ausflüge und verbrachten ganz viel Zeit miteinander. „Die letzten zwei Wochen waren wundervoll, vielen Dank!" Joelle schmiegte sich an ihn. „Ich habe es auch sehr genossen. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, weil ich dich so vernachlässige." Paddy konnte gar nicht ausdrücken, wie groß sein schlechtes Gewissen war. „Wenn sich dein schlechtes Gewissen so äußert, dann ist es gar nicht schlimm, wenn du ein schlechtes Gewissen hast. Ich liebe dich!" „Und ich liebe dich!"
Viel positiver gestimmt startete Paddy. Er freute sich auf den nächsten Teil seiner Tour. Ein paar Konzerte vor Weihnachten und der Rest danach. Weihnachten selbst würden sie mit Joelles Familie feiern. Auch darauf freute er sich sehr. Er mochte ihre Eltern sehr. Gott sei Dank wussten sie nicht, was er verbrochen hatte. Sie wären sehr enttäuscht von ihm. Er war ja auch extrem enttäuscht von sich selbst.
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Ein einziger Fehler
FanfikceEin Fehler. Eine Nacht. Michael Patrick Kelly hat Joelle betrogen. Hannah hat ihren Mann hintergangen. Damit müssen sie nun beide leben.
