Ich schrie. Nicht vor Lust, sondern vor Schreck. Mike zog mich hinter sich und versperrte Jack so die Sicht, wofür ich ihm unheimlich dankbar war.
„Kannst du bitte kurz raus gehe, Alter. Wir wollen uns was anziehen."
Jack verzog verächtlich den Mund und ging. Ja, das war eine Scheiß Situation! Ich griff mir ein Handtuch, trocknete mich schnell ab und zog mir eine Jogginghose und ein Shirt über, bevor ich zu meinem Bruder ins Zimmer eilte. Die nassen Haare klebten an dem Shirt und ich bereute es schon jetzt, da ich mir hundert pro eine Erkältung holen würde. Jack lag auf seinem Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und die Augen geschlossen.
„Hey..."
„Was willst du?"
Er schnauzte mich an und machte keine Anstalten aufzustehen. Dann eben auf die harte Tour! Ich nahm die Wasserflasche, die neben seinem Bett stand und ließ langsam das Wasser in sein Gesicht tropfen.
„Sag mal, spinnst du?!"
Er fuhr hoch, packte meinen Arm fast schon schmerzhaft fest, und entriss mir die Flasche.
„Aua."
Mehr sagte ich nicht. Denn wenn ich ehrlich war, wusste ich nicht im Geringsten, was ich zu ihm sagen sollte. Sein Blick bohrte sich unerbittlich in meinen. Dann zuckte er mit den Schultern und bedeutete mir, mich zu setzen. Zögernd setzte ich mich neben ihn und starrte auf meine Hände.
Es war mir peinlich, aber auf der anderen Seite verstand ich nicht, warum er sich so darüber aufregte. Immerhin war ich alt genug, zu entscheiden, wann ich mit wem intim werden wollte!
„Es tut mir leid, Mae. Ich bin eigentlich nicht auf dich sauer, sondern auf Mike ."
Mit seiner großen Hand wischte er mir eine Träne weg, die ich erst gar nicht bemerkt hatte und fuhr mir sanft über den Rücken.
„Was ist denn so schlimm daran?"
„Mike benutzt die Mädchen nur, ich wollte dir diese Erniedrigung ersparen."
„Jack, ich habe auch Bedürfnisse."
Weh! Jetzt wurde ich auch noch rot. Haha! Es war schon etwas anderes, vor einem Menschen zu sitzen und über mein Sexualleben zu sprechen, wenn ich wusste, dass wir eigentlich gar nicht verwandt waren. Wer weiß, ob ich unter anderen Umständen, Jack überhaupt kennen gelernt hätte...
Vielleicht wären wir ein Paar geworden und ausgegangen?
Ich schlug mir den Gedanken ganz schnell aus dem Kopf und traute mich, meinen Blick für eine Sekunde zu heben. Ein Fehler. Jack grinste bis über beide Ohren und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.
„Willst du mir etwa sagen, dass du Sex brauchst?"
„Das ist jetzt echt nicht fair! Lass das gefälligst."
„Meine Kleine wird erwachsen. Jetzt habe ich doppelte Arbeit, die ganzen Kerle von dir fernzuhalten."
„Spinner!"
Buuuum. Die Tür wurde mit voller Wucht aufgerissen und Mike trat ein.
„Wie ich sehe, amüsiert ihr euch prächtig."
Huch, den hatte ich ja ganz vergessen. Ich unterdrückte mein Lachen und versuchte ernst zu schauen, was nur zur Folge hatte, dass Jack mich lauthals auslachte.
„Vielleicht sollte ich euch alleine lassen..."
„Nein, bleib ruhig."
Mike zog mich hoch und an seine Brust, bevor er Jack musterte. Dieser sah ganz und gar nicht erfreut aus.
Himmel, er stand auch noch auf und baute sich vor uns auf. In seinen Augen glitzerte Wut und Entschlossenheit.
„Lass sie los, damit ich dir endlich eine runterhauen kann."
Mike löste seine Arme und schubste mich in Richtung Bett.
„Na komm doch her."
Oh nein! Nicht schon wieder. Diesmal würde ich mich hüten und nicht dazwischen gehen. Mit großen Augen verfolgte ich die kleinsten Bewegungen der beiden.
„Vergiss es. Ich lerne aus meinen Fehlern, du nicht. Ich schwöre dir, wenn du Mae auch nur einmal zum Weinen bringst, mache ich dir dein Leben zur Hölle."
„Sie kann ja wohl selber entscheiden, was sie tut und was nicht. Sie ist kein Kind mehr."
„Sie ist meine kleine Schwester und deshalb werde ich immer ein Auge auf sie haben, komm damit klar oder verschwinde."
„Ich bitte dich, als ob sie einen Bruder braucht, der sie am liebsten in ihr Zimmer einsperren würde."
„Woher willst du das bitteschön wissen?!"
„Man, sie ist ja nicht mal deine richtige Schwester. Ihr seid nicht verwandt."
Wow, der hatte gesessen. Jack atmete stoßweise ein und aus und ich hatte wirklich Angst, dass Mike es zu weit treiben würde.
„Und du glaubst, es interessiert mich, ob wir verwandt sind oder nicht?! Sie wird immer mein Mädchen bleiben, egal was passiert."
„Ach ja. Aber sie hat jetzt mich. Halt dich zurück, Jack. Und lass uns in Frieden."
„Was ist nur aus dir geworden Mike . Hörst du dir selber eigentlich noch zu?!"
Ich runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach. Es gefiel mir nicht, wie Mike mit meinem Bruder sprach. Noch so ein blöder Spruch und ich würde eingreifen, denn ich brauchte Jack. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn er nicht da sein würde.
„Gib es doch zu, du stehst auf Mae."
Klatsch! Mike hatte sich eine gefangen. Zu meiner Überraschung allerdings nicht von Jack, sondern von mir. Ich stand vor ihm und sah ihn zornig an.
„Sag mal, hast du noch alle Tassen im Schrank?! Du hast weder ein Anrecht auf mich, noch so mit meinem Bruder zu reden. Verdammt Mike , ich dachte wirklich, dass in dir auch ein netter Junge steckt, aber anscheinend habe ich mich geirrt. Denn du verhältst dich wie ein totales Arschloch."
„Sorry, Schätzchen. Aber das ist etwas zwischen Jack und mir."
„Ach ja? Und ich darf nicht selber entscheiden, mit wem ich meine Zeit verbringen will? Denn ich bin gerne mit Jack zusammen und will bestimmt nicht, dass er mich in Ruhe lässt. Er ist mein Bruder und ich liebe ihn verdammt noch mal und da hast du nicht zu sagen, dass er verschwinden soll!"
„Gott, Mae! Auf welcher Seite stehst du eigentlich? Ich tue das hier nur für uns, damit wir eine Chance haben, ein normales Paar zu sein."
„Nein, du tust das für dich. Damit du mich besitzen kannst, wie ein Objekt. Aber da spiel ich nicht mit, Mike ."
Seine selbstgefällige Art ging mir auf die Nerven. Jack stand hinter mir, regungslos. Ich hörte ihn leise amten und presste meine Lippen aufeinander. Mike war zu weit gegangen! Eindeutig...
Na ja, mir mussten natürlich wieder die Tränen kommen und ich wischte wütend mit meinem Ärmel über meine Wangen. Wie hatte ich mich nur so in ihm täuschen können? Vielleicht hatte Jack die ganze Zeit über gewusst, wie schlimm Mike wirklich war und wollte mich nur beschützen...?!
„Sei nicht dumm, Mae. Wir schaffen das, zusammen."
Wie gern würde ich seinen Worten glauben und ihm mein Vertrauen schenken, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Lass es sein. Es ist vorbei, okay?!"
„Mae, bitte. Ich liebe dich, Süße."
„Wenn du das wirklich tust, dann lässt du mich in Ruhe."
Ups! Hatte ich wirklich gerade Schluss gemacht? Das war ein befreiendes und gleichzeitiges erdrückendes Gefühl. Ich verließ fluchtartig das Zimmer und sperrte mich in mein Bad.
Jack hämmerte gegen die Tür und rüttelte an der Klinke.
„Wenn du nicht sofort aufmachst, trete ich die Tür ein!!"
Bevor er seine Worte in die Tat umsetzen konnte, drehte ich den Schlüssel und die Tür flog auf.
„Du musst hier nicht so einen Aufstand machen, Bruderherz."
Mal abgesehen davon, dass ich die Nacht im Bad verbracht hatte und mittlerweile nicht mehr fähig war zu weinen, war nichts passiert. Mittlerweile hatte ich mich wieder beruhigt und stand frisch geduscht vor Jack, der mich besorgt musterte.
„Schön zu sehen, dass du noch lebst."
„Entspann dich, das ist eine Sache, mit der ich selber fertig werden muss. Du kannst mir nicht helfen."
„Doch, ich kann dich in meine Arme nehmen und beruhigen, für dich da sein. Mehr will ich doch gar nicht."
Seufzend lehnte ich mich an ihn und sog seinen Duft ein. Er roch gut. So gut, dass ich erst gar nicht bemerkte, wie ich mit meinen Fingern über seinen Bauch streichelte. Erschrocken zog ich meine Hand zurück und räusperte mich. Ich hatte mich geirrt, als ich gedacht hatte, es würde sich nichts verändern... denn seit ich wusste, dass er nicht mein biologischer Bruder war, fragte ich mich, ob wir uns richtig verhielten. Ob wir uns wie Bruder und Schwester verhielten oder eher wie ein Pärchen...
„Was ist?"
Jack sah mich aus seinen wundervollen Augen an und strich mir über die Wange.
„Nichts, ich habe nur nachgedacht."
Lächelnd wuschelte er mir durch meine Haare und ließ mich dann alleine zurück. Fuuuuuck! Was war, wenn Mike Recht hatte? Was, wenn Jack wirklich MEHR von mir wollte???????
In der Schule konnte ich mich nicht konzentrieren. Seit Tagen schon nicht. Eigentlich, seit das mit Mike und Jack passiert war, im Bad und danach. Gedankenverloren kritzelte ich auf meinen Block und schaute ertappt auf, als Brown meinen Namen aufrief.
„Ehm, ja?"
„Würdest du nachher unserer neuen Schülerin die Schule zeigen?"
Erleichtert atmete ich aus und nickte.
„Sicher doch."
Oh ja, bevor ich es vergaß. Wir hatten eine neue Schülerin in der Klasse. Ich war zwar nicht neidisch, aber empfand einen gewissen Respekt. Ihre grünen Augen funkelten wie Edelsteine im Licht und ihre dunkelroten Haare fielen ihr lockig über die Schulter. Sie war schlank, hatte eine grazile Figur und genau den richtigen Vorbau. Ihre Lippen waren dünn, aber elegant, genauso wie ihre Augenbrauen. Zusammen mit ihrer blassen Haut, war sie also einfach heiß. Der Name... ah! Lindsay. So hieß sie glaube ich.
Brown lächelte mir verschwörerisch zu und fuhr mit dem Unterricht fort.
Als es zum Ende der Stunde klingelte, blieb ich noch einen Moment in der Klasse. Die anderen waren bereits weg. Nur Brown und ich.
„Geht es dir gut?"
Er musterte mich eingehend und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Muss ja. Ich kann dem Mistkerl ja nicht ewig nachheulen."
„Du hast etwas Besseres verdient. Meine kleine Lieblingsschülerin."
„Hey, keine Schmeicheleien. Sonst werde ich noch rot."
Wir lachten und alberten noch eine Weile rum, bis ich in die Pause ging. Und taaa daaa! Wer hatte unser Gespräch belauscht? Lindsay!
„Es tut mir leid, ich wollte euch nicht..."
Ich hob abwehrend die Hände und unterbrach sie.
„Keine Angst. Ich werde dir nicht den Kopf abreißen."
„Darf ich fragen, ob ihr zusammen seid?"
„Ich und Brown?"
„Ja."
„Nein. Mal abgesehen davon, dass es verboten ist."
„Ihr seid nur so... vertraut miteinander."
„Er ist nett, mehr nicht. Und jetzt komm, ich zeig dir die Schule."
Sie folgte mir schweigend. Für ihr Aussehen, war sie ziemlich schüchtern. Zu schüchtern, wie ich später noch feststellen würde.
Nett wie ich war, lud ich Lindsay zu mir nach Hause ein. Mein erster Fehler, denn als sie meinen Bruder kennen lernte, konnte ich es in ihren Augen sehen. Sie fand ihn süß und wollte ihn. Hörte es sich jetzt komisch an, wenn mich das eifersüchtig machte?????
Ich sah geflissentlich darüber hin weg, wie sie ihn anhimmelte und erledigte mit ihr zusammen die Schulaufgaben.
„Fertig. Brauchst du noch Hilfe?"
Sie schüttelte den Kopf und schlug ihr Heft zu.
„Nein, ich bin auch fertig."
„Sag mal, gehst du eigentlich feiern?"
„Ehm, es kommt darauf an. Eher selten."
„Dann komm doch heute Abend mit. Eine Freundin von mir gibt eine Party."
„Geht Jack auch hin?"
„Wahrscheinlich ja."
„Aber was soll ich da denn anziehen."
Stellte die sich wirklich so dumm an oder war sie so blöd???????? Huhu! Eine Party, da zog man sich scharfe Klamotten an und entspannte!!!
„Am besten, du bleibst direkt bei mir und wir machen uns zusammen fertig. Ich leihe dir ein Kleid von mir."
„Aber draußen ist es doch kalt."
Heulsuse! Heulsuse!! Innerlich ärgerte ich mich wirklich über sie, aber auf der anderen Seite fand ich ihre zurückhaltende Art angenehm. Lächelnd zog ich sie mit zu meinem Kleiderschrank und durchwühlte ihn.
„Draußen ja, aber drinnen ist es verdammt warm."
Damit hielt ich ihr ein Kleid entgegen, was sie anstandslos anprobierte und dann machten wir uns fertig. Jack wartete bereits am Auto auf uns und ich bemerkte, wie er Lindsay betrachtete. Es gefiel mir gar nicht. Überhaupt nicht!!
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Leidenschaft verboten!
FanfictionMittlerweile hatte sich die Klasse gefüllt und auch unser Lehrer bereitete sich vorne am Pult vor. Daniel Brown . Noch ein Referendar, aber bald ein ausgebildeter Lehrer, dem jetzt schon alle Mädchenherzen gehörten. Mit seinem braun gebrannten Körpe...
