Seine Lippen fühlten sich weich unter meinen an, doch zu meiner Verwunderung erwiderte er den Kuss nicht, sondern versteifte sich unter mir. Ruckartig stand ich auf und schlug mir die Hand vor den Mund. Was genau hatte mich da gerade geritten?!
Seine Augen fixierten mich und ich schaute mir verlegen auf die Füße. Dieser Augenblick war mir wirklich peinlich und das musste schon was heißen...!
"Es tut mir leid... ich bin dann mal weg."
Mein Hals fühlte sich so trocken an und meine Kehle kratzte bei den Worten. Mit zitternden Händen nahm ich meine Tasche und sprintete die Treppe runter, aus dem Haus raus.
Ja, das hatte ich mal wieder super hingekriegt! Küsse einfach meinen besten Freund und haue dann ab. Wie feige war ich eigentlich?!
Der Weg nach Hause und der Tag danach war der schlimmste in meinem bisherigen Leben, denn ich wusste nicht, wie Mike das auffassen würde...
"Geh weg!"
"Wir müssen reden."
"Ich will aber nicht, Jack."
Er stürmte in mein Zimmer und stolperte glatt über meinen Wäscheberg, den ich achtlos auf den Boden geworfen hatte.
"Was ist passiert?"
"Nichts."
"Nichts sieht aber anders aus! Mike schleppt seit einer Woche ununterbrochen irgendwelche Mädchen ab, während du dich in deinem Zimmer verkriechst. Also?"
"Ach, soll er doch zur Hölle fahren."
"Hey! Wir reden hier von Mike. Hat er irgendwas gemacht?"
Seufzend setzte ich mich auf und fuhr mir durch die Haare.
"Nein, ausnahmsweise habe ich mal Schuld."
"Und woran genau hast du Schuld?"
Zögernd sah ich ihn eindringlich an, bevor ich leicht lächelte und meine Hände über den Kopf warf.
"Vielleicht habe ich ihn geküsst und bin dann abgehauen."
"Du hast ihn geküsst?!"
"Entschuldige, ich bin auch ein Mensch mit Gefühlen."
"So meinte ich das gar nicht."
"Schon gut. Lass stecken."
"Wieso redet ihr dann nicht mehr miteinander?"
"Weil er weder den Kuss erwidert, noch mit mir gesprochen hat."
"Mh."
"Lässt du mich jetzt bitte alleine, damit ich weiter in Selbstmitleid versinken kann?"
"Das hättest du wohl gerne. Du gehst jetzt duschen und dann machen wir zusammen die Stadt unsicher."
Mühsam krabbelte ich aus meinem Bett und sag ihn vorwurfsvoll an. Ich wollte jetzt nicht feiern gehen und mir irgendein daher gelaufenen Kerl anlachen!
"Ich habe keine Lust."
"Die kommt noch, spätestens wenn du ein paar Cocktails getrunken hast."
"Und so was nennt sich großer Bruder und Vorbild."
Er lachte und ich ging gehorsam ins Bad und duschte heiß. Meine Muskeln entspannten sich und ich schloss seufzend die Augen. Manchmal konnte eine Dusche die halbe Welt wieder in Ordnung bringen. In ein Handtuch eingewickelt tapste ich in mein Zimmer und zog mich gerade um, als ich erschrocken hochfuhr. Zwei kalte Hände hatten sich auf meine nackte Haut gelegt und jagten Schauer über meine Haut.
"Jack! Irgendwann, bringe ich dich nochmal um."
"Soll das eine Drohung oder ein Versprechen sein?!"
Er zuckt amüsiert mit der Augenbraue und macht es sich dann auf meinem Bett gemütlich.
"Ich glaube es hackt! Ich will mich anziehen, verschwinde!"
"Das hatten wir doch schon alles und außerdem sehe ich gerade nicht mehr, als im Sommer auch, wenn du in Bikini durchs Haus stolzierst."
Tatsächlich schaffte er es, mich zum Lächeln zu bringen und brummte zufrieden auf.
Kopfschüttelnd streifte ich mein blaues Cocktailkleid über und schlüpfte in meinen Heels. Jack verzog bei dem Anblick meiner Schuhe das Gesicht zu einer Grimasse.
"Was, gefallen dir meine Schuhe nicht, Bruderherz?!"
"Doch, doch. Ich frage mich nur, warum Mike so einen Aufstand macht, weil du ihn geküsst hast."
„Anscheinend bin ich eine miserabler Küsser."
„Magst du ihn?"
„Er ist mein bester Freund."
Abschätzend sah er mich an und zuckte dann mit den Schultern.
„Lass uns gehen."
Der Club war stickig und voll. Auf der Tanzfläche drängten sich knapp bekleidete Körper aneinander, wobei ich es eher als Vorspiel bezeichnen würde. Der Geruch von Schweiß und Sex, natürlich auch Alkohol, hang deutlich in der nicht vorhandenen Luft. Jack zog mich zur Bar und bestellte uns zwei Wodkacola. Mit einem Grinsen im Gesicht setzten wir die Gläser an und tranken unsere Gläser in einem Zug leer.
Die Wände des Clubs waren schwarz verkleidet und verliehen ihm eine düstere Atmosphäre, die aber durch die laute Musik und das gut gelaunte Publikum wieder ausgeglichen wurde. Irgendwann konnte auch ich mich nicht zurück halten und tanzte vielleicht etwas anzüglich auf der Tanzfläche.
Jack hatte ich bereits verloren, an irgend so eine Blondine mit künstlichem Anbau. Meine Gedanken wurden von den Cocktails gedämpft und ich konnte mich gehen lassen. Nein, ich musste mich verbessern. Bis jetzt konnte ich mich gehen lassen, denn plötzlich erhaschte ich einen Blick auf Mike. Er stand an der Bar und unterhielt sich mit einem Mädchen, dass ich wohl oder übel, als hübsch abstempeln musste. Es versetzte mir irgendwie einen Stich und ich wandte mich schnell ab. Ein Mann, vielleicht Ende zwanzig, tanzte mich an. Er sah gut aus. Groß, muskulös, einen Dreitagebart und ein schmales Gesicht. Er trug seine Haare an den Seiten etwas kürzer und oben waren sie zurecht gegelt. Ich musste unweigerlich schmunzeln und überwand den Abstand zwischen uns. Seine großen Hände wanderten zu meiner Hüfte und ich lächelte ihn an. An seinem Blick konnte ich genau ausmachen, dass er nur auf einen One-Night-Stands aus war und ich ein potenzielles Opfer war. Zu schade, dass ich nicht vorhatte, in seinem Bett zu landen. Unter anderen Umständen, wäre ich bestimmt nicht abgeneigt gewesen, aber jetzt konnte ich das nicht. Ich musste an Mike denken und schaute mich um. Unsere Blicke trafen sich und ich schluckte hart. Mike sah verdammt heiß aus, in diesem schwarzen Hemd, das etwas weiter geöffnet war, als nötig. Seine Haare schimmerten in dem Licht golden. Standhaft erwiderte ich seinen Blick, bis ich es nicht mehr aushielt. Die Hände des Mannes, mit dem ich immer noch tanzte, wanderten weiter nach unten...
Ich machte mich los und tauchte in der Menge unter. Das letzte was ich jetzt gebrauchen konnte, war Mike einen ganzen Abend beim Abschleppen von irgendwelchen Cracknutten zu zugucken.
Als ich aus dem Club trat, empfing mich die kühle Nachtluft. Sie prickelte angenehm auf meiner Haut und ich atmete auf.
„Ist alles in Ordnung?"
Verdutzt drehte ich mich um und musterte Mike. Er hatte seine Hände in die Hosentaschen gestemmt und sich gegen die Wand gelehnt.
„Sicher doch."
Ich biss mir auf die Lippe, weil meine Stimme etwas bissiger klang, als beabsichtigt und schloss für ein paar Sekunden die Augen.
„Wir müssen reden."
Schulterzuckend fuhr ich mir durch die Haare und sah ihn abwartend an.
„Dann schieß los."
„Ich vermisse dich, Mae. Wir sind jetzt schon so lange befreundet, da sollten wir es doch hinkriegen, über so eine Lappalie hinwegzusehen."
Der Stich in meinem Herzen wuchs ins unermessliche. Ich versuchte angestrengt, mir nichts anmerken zu lassen und lächelte matt.
„Klar doch. Geh zu deiner Eroberung! Ich weiß, dass sie schon ungeduldig auf dich wartet."
Unschlüssig blieb er stehen, ging dann aber rein und ließ mich hier alleine zurück. Als die Tür hinter ihm zufiel, konnte ich die Tränen nicht mehr aufhalten. Mir wurde es mit einem Mal so deutlich bewusst, dass ich es nicht wahr haben wollte.
Ich hatte mich in meinen besten Freund verliebt!
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Leidenschaft verboten!
FanfictionMittlerweile hatte sich die Klasse gefüllt und auch unser Lehrer bereitete sich vorne am Pult vor. Daniel Brown . Noch ein Referendar, aber bald ein ausgebildeter Lehrer, dem jetzt schon alle Mädchenherzen gehörten. Mit seinem braun gebrannten Körpe...
