Die Party fand bei Jess statt. Sie besaßen ein normales Familienhaus, mit weißer Fassade und Blumenkästen vor den Fenstern. Wir gingen die Auffahrt hoch und ich wollte gerade rein, als mich Jack am Arm zurück hielt.
„Mach bitte nichts Dummes."
„Keine Angst, ich muss doch auf Lindsay aufpassen."
Er bedachte mich mit einem besorgten Blick und strich abwesend über meinen Rücken, bevor er nach drinnen ging.
Lindsay hatte uns die ganze Zeit über mit Adleraugen beobachtet und sah mich jetzt ganz komisch an. Haha, wenn sie dachte, sie kam ganz leicht an meinen Bruder ran, hatte sie sich geschnitten.
Wir gesellten uns zu der tanzenden Meute und ich stellte ihr meine Freunde vor. Und zu allem Überfluss entdeckte ich dann noch Mike er. Er hatte sich ja schnell nach einem anderen Mädchen umgesehen! Oh je, ich wandte schnell den Blick ab und versuchte zu lächeln. Es blieb bei dem Versuch, da sich plötzlich zwei Arme um meine Mitte schlangen, Mike ers Arme.
Überrascht drehte ich meinen Kopf zu ihm und sah ihn fragend an.
„Weißt du, Mae. Ich finde wir sollten das klären oder du stellst mir deine scharfe Freundin vor?"
„Wie viel hast du getrunken, Mike er?"
„Ein wenig... kann dir doch egal sein."
„Mike , du bist mir nicht egal, aber dein Verhalten war einfach mies."
„Das sagst du doch nur so. Du liebst mich gar nicht."
„Wundert es dich, dass ich nicht mit dir zusammen sein will, nachdem du deutlich gemacht hast, was für Besitzansprüche du hast?!"
„Es tut mir leid, du bist doch meine Süße."
„Ich weiß. Lass uns Freunde sein, okay?"
Wie bescheuert hörte sich das eigentlich an???? Himmel, ich wollte ihn immer noch, wenn ich allein an die Nacht in dem Zelt dachte...!
Aber irgendwie hatte ich ein schlechtes Gefühl dabei, wenn ich ihm noch eine Chance geben würde, als mein Freund. Lieber wollte ich mein besten Freund zurück!!
„Krieg ich wenigstens noch einen allerletzten Kuss?"
Seine Augen bohrten sich in meine und ich konnte einfach nicht anders, als zu nicken. In diesem Moment sah er einfach so traurig aus...
Er drehte mich zu sich und nahm mein Gesicht in seine Hände.
„Das werde ich vermissen."
Er säuselte es leise an mein Ohr und unsere Lippen streiften sich, bevor er seine sanft auf meine presste. Wie von selbst öffnete ich meine Lippen ein wenig, um seiner Zunge Einlass zu gewähren. Ich vergrub meine Hände in seinem Hemd und verlor den Verstand!!! Was zur Hölle machte ich da! Meine Gedanken schrien, dass ich mich sofort zurückziehen sollte, aber mein Herz sagte mir, dass ich genau das hier wollte. Mike er küssen.
Er löste sich und brachte ein wenig Abstand zwischen uns. Fast schon wehmütig strich er mir eine Strähne hinters Ohr und wandte sich dann ab. Wow! Mehr fiel mir in diesem Augenblick nicht ein.
Aber Lindsay, die mich mit einem abschätzigen Lächeln musterte, brachte mich in die Realität zurück.
„Dein Freund?"
„Nein, Exfreund."
„Das sah eben ja anders aus."
„Manchmal kann man seine Gefühle eben nicht kontrollieren."
Obwohl Mike er und ich nicht weiter miteinander geredet hatten, wusste ich irgendwie, dass zwischen uns nichts mehr wie früher sein würde.
„Hm. Hat dein Bruder eigentlich eine Freundin?"
„Mal abgesehen von seinen Betthäschen, die er manchmal mit nach Hause bringt, nein. Warum?"
„Nur so."
Sie schaute verlegen auf den Boden und wurde rot. Wie niedlich!! Aber meinen Bruder würde sie trotzdem nicht bekommen.
Es war spät, als wir wieder gingen. Zumindest als ich mir ein Taxi bestellte, da ich Jack nirgends finden konnte. Genauso wenig wie Lindsay. Zu Hause stand sein Auto bereits in der Auffahrt. Komisch, sonst sagte er mir doch immer bescheid...
Ich machte mir keine weiteren Gedanken und betrat gerade den Flur, als ich es hörte. Das Gekicher erkannte ich sofort. Dieses kleine Miststück!! Vorsichtig spähte ich in die Küche, in der Lindsay und Jack saßen und zwar ziemlich nah beieinander. Gott! Wie sie ihn anhimmelte. Stopp! Was ich da sah, wollte ich nicht sehen. Mein Bruder beugte sich vor und küsste sie. Dabei wanderten seine Hände an ihren Oberschenkeln hoch... immer weiter.
Ich löste mich aus meiner Starre und schlich leise nach oben in mein Zimmer. Warum auch immer, aber ich wollte Jack nicht teilen! Nicht mit ihr! Er war immerhin MEIN Jack.
In meiner Magengegend breitete sich ein komisches Gefühl aus, äußerst unangenehm. Ich streifte mein Kleid ab und ging unter die Dusche. Das warme Wasser beruhigte mich wieder ein wenig, aber meine Gedanken hatten trotzdem ihr Eigenleben. Ich merkte gar nicht, dass ich die Dusche abstellte, mich in ein Handtuch wickelte und in mein Bett kuschelte. Das alles war wie in einem schlechten Alptraum. Ich fühlte mich verraten und irgendwie im Stich gelassen, von meinem eigenen Bruder. Ach, stimmt ja. Er war ja nicht mal mein richtiger Bruder! Wahrscheinlich war ihm das bewusst geworden und jetzt ließ er mich einfach fallen, wie eine heiße Kartoffel.
Als die beiden die Treppe hoch stolperten und ich ihr Gestöhne überdeutlich vernahm, wurde mir das zu viel. Ich zog mir eine Hose und ein Pulli über und verschwand, aber nicht, ohne die Tür laut krachen zu lassen.
Die Nacht war kühl und deshalb tat ich etwas, was ich unter normalen Umständen nicht gemacht hätte. Ich ging in die Garage du setzte mich in den Sportwagen, der später einmal mir gehören sollte und fuhr los.
Ich hatte zwar noch keinen Führerschein, aber Jack hatte mit mir schon ein bisschen fahren geübt. Ups, da kamen Erinnerungen hoch. Tränen liefen mir unaufhaltsam an den Wangen hinab und verschwammen meine Sicht.
Ich drehte die Musik lauter, um mich abzulenken. Fehlschlag. Die Straße lag ruhig und verlassen vor mir, also gab ich noch ein wenig mehr Gas, was im Nachhinein ziemlich leichtsinnig war. Die Kurve sah ich zu spät, genauso wie das Auto, das mich mit seinen Scheinwerfern blendete. Erschrocken riss ich das Lenkrad rum und fuhr unaufhaltsam auf den Baum zu. Mit weit aufgerissenen Augen, sah ich ihn auf mich zukommen. Ich konnte nicht mal schreien. Ich merkte nur, wie es einen Ruck tat und ich nach vorne geschleudert wurde, dann wurde alles schwarz.
Das nächste was ich sah, war der leicht rötliche Himmel und ein Mann, der geschäftig mit anderen redete. Ich verspürte die Hektik, die hier herrschte und fragte mich, was passiert war.
Ich wollte meinen Kopf drehen, doch ein stechender Schmerz, ließ mich auf keuchen.
„Sie ist wach! Schnell, wir müssen sie ins Krankenhaus bringen."
Dann wurde seine Stimme ruhiger und er wandte sich mir zu. Seine grünbraunen Augen sahen mich sanft an.
„Keine Sorge, wir sind da."
Ich räusperte mich und versuchte zu sprechen. Es klappte, aber ich hörte mich ziemlich heiser an und mein Hals fühlte sich ziemlich trocken an.
„Was ist passiert?"
„Du hattest einen Autounfall."
Ich schloss die Augen, die auf einmal ziemlich schwer waren und erinnerte mich.
„Hey, du musst wach bleiben! Hörst du mich??"
Ich spürte eine Hand an meiner Schulter, die mich zögernd berührte.
„Ich bin müde."
„Nicht einschlafen. Wie heißt du?"
„Mae."
„Ein seltener Name. Ich bin Nickolas. Aber nenn mich ruhig Nick."
Ich öffnete noch einmal meine Augen, um ihn anzusehen. Das was ich erkennen konnte, brachte mich zum Lächeln. Er war ein Stück größer als ich und besaß ein Sixpack. Das war es auch schon. Sein Gesicht hatte klare Züge und er sah einfach gut aus. Nicht mehr und nicht weniger.
„Danke, Nick."
Damit schloss ich meine Augen erschöpft und driftete in einen seichten Schlaf.
Piep. Piep. Piep...! Genervt verzog ich den Mund und drehte meinen Kopf in die Richtung, aus der diese schrillen Töne kamen. Hätte ich das mal lieber gelassen. Ich stöhnte, da mir alles weh tat und traute mich nicht, meine Augen auf zu machen. Wer konnte mir sagen, was mich erwartete? Niemand. Besser ich verkroch mich einfach wieder in der Dunkelheit, die mich zuvor überkommen hatte.
„Maelle, bist du wach?"
Die Stimme meiner Mutter ließ mich aufhorchen. Es war ziemlich schwer, aber ich machte meine Augen auf und sah in ihr besorgtes Gesicht. Ihre Gesicht hellte sich sofort auf und strich mir sanft über die Wange.
„Oh mein Schatz. Du lebst!"
„Ist gut, Mama."
Ich hatte sie noch nie weinen sehen und das Bild, das sich mir jetzt bot, war verstörend. Mein Vater trat zu uns und legte beruhigend seine Arme um sie. Dabei lächelte er mich an.
„Dein Bruder ist gerade Kaffee holen, er kommt gleich."
Ich sah betreten weg und konnte wohl schlecht sagen, dass ich ihn nicht sehen wollte.
„Wir holen schnell eine Krankenschwester."
Kaum eine Sekunde später, überprüfte eine ältere Frau in Kittel meine Werte und gab mir dann etwas gegen die Schmerzen. Ich konnte gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich ihr war, denn ich schlief wieder ein, noch bevor Jack wieder kam.
Nach zwei Wochen, ging es mir wieder einigermaßen gut. Der Arzt sagte mir, ich könnte wahrscheinlich bald wieder nach Hause. Um es zusammen zufassen, ich hatte mehrere Rippen gebrochen, eine Platzwunde am Kopf, eine Gehirnerschütterung, viele Prellungen und zu allem Überfluss musste ich innere Blutungen gehabt haben. Meine Mutter meinte, ich hätte sogar kurzzeitig im Koma gelegen, was mich schockte.
Bis jetzt hatte ich es erfolgreich gemieden, mit meinen Bruder zu reden. Meistens gab ich vor, zu schlafen, wenn er mich besuchte. Ich wusste, dass er bemerkte, dass ich nicht mit ihm reden wollte und trotzdem kam er immer wieder vorbei. Mike er und meine Mädels besuchten mich übrigens auch, wenn letztere auch nur kurz und selten.
In Gedanken, bemerkte ich ihn nicht. Jack stand in der Tür und beobachtete mich. Erst als er meinen Namen sagte, schreckte ich hoch und riss ertappt die Augen auf. Scheiße! Da passte man einen Moment lang nicht auf.
Er trat zu mir ans Bett und sah mich an. Sehr lange sagte er nichts...
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Leidenschaft verboten!
FanfictionMittlerweile hatte sich die Klasse gefüllt und auch unser Lehrer bereitete sich vorne am Pult vor. Daniel Brown . Noch ein Referendar, aber bald ein ausgebildeter Lehrer, dem jetzt schon alle Mädchenherzen gehörten. Mit seinem braun gebrannten Körpe...
