Kapitel 21.

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Ich schaute hoch zu Nate. Er sah mich traurig an. "Er wird es schaffen! Er ist stark." Er versuchte zu lächeln. Doch eine Träne lief seine Wange runter, er schaute weg und versuchte sie schnell wegzuwischen. Ich hielt ihn auf "Es ist nicht schlimm zu weinen, okay?" er nickte und sagte dann "Das ist als würde mein Bruder sterben. Ich weiß gar nicht, wie ich mein Leben auf die Reihe bekommen soll, wenn er jetzt einfach..." Er ließ das letzte Wort einfach unausgesprochen. Ich nickte und versuchte mich zu sammeln.

Ich wischte meine Tränen weg und sah kurz zu meinem Dad. Er sah komplett verwirrt aus. Ich schaute kurz zu Nate, der nur nickte. Ich ging auf meinen Vater zu und nahm ihn leicht in die Arme "Ich danke dir Dad! Für das was du heute getan hast! Wir reden später über alles, aber ich wäre dir unendlich dankbar, wenn du uns jetzt schnell ins Krankenhaus bringen könntest." am Anfang war er noch verwirrt von der Umarmung, fasste sich aber wieder und sagte "Natürlich, kommt mit. Wie ist eigentlich dein Name Junge?"

Nate hielt ihm die Hand hin "Nathaniel Sir, freut mich Sie kennen zu lernen. Die meisten nennen mich einfach nur Nate." mein Vater nahm seine Hand. "Ich bin Stefan, die Freude ist ganz auf meiner Seite." Was war denn bitte mit ihm los?

Wir stiegen in den großen Kombi und fuhren los. Ich saß hinten bei Nate und schaute aus dem Fenster. Es war unglaublich viel passiert in nur ein paar Minuten und ich war noch nicht bereit, alles als wahr anzusehen. Ich dachte an Jayden und das er auf keinen Fall sterben durfte.

Wieder bildeten sich Tränen in meinen Augen. Ich spürte den Blick von Nate auf mir und dann nahm er meine Hand und drückte sie fest. Ich sah ihn dankbar an rutschte an ihn ran, um meinen Kopf auf seine Schulter zu legen. "Wenn er dir nur ansatzweise so viel bedeutet, wie du ihm, dann weiß ich nicht im Ansatz, was du grade durchmachst, aber glaub mir bitte, dass er stark ist und nicht aufhören wird zu kämpfen." ich lächelte durch die Tränen in meinen Augen. "Danke!" flüsterte ich leise.

Wir fuhren vor das Krankenhaus. Nate und ich sprangen aus dem Auto. Ich drehte mich nochmal zu meinem Vater "Danke! Du wärst der Beste, wenn du Lyn anrufst und ihr sagst wo ich bin, aber das es mir gut geht! Hast du ihre Nummer?" er nickte "Natürlich mache ich das, ich werde einfach zu ihr fahren und sie hier her bringen, okay?" ich sah ihn dankbar an. Er gab mir noch mein Handy, damit ich anrufen konnte. Dann drehte ich mich zu Nate und nickte. Wir gingen rein.

Es gab so unglaublich viel über das ich nachdenken musste! Meine Gefühle für Jayden, das Verhalten meines Vaters, Jaydens Verhalten, mein Verhalten, Nates Verhalten, Lyn. Ich hatte das Gefühl, jeder Zeit explodieren zu können. Am Empfang fragten wir nach Jayden und die Dame sagte uns, dass er gerade in einer OP wäre und dass das noch eine Stunde dauern könnte. Also entschieden wir uns erstmal hinzusetzen.

Nate stützte müde seinen Kopf in seine Hände, ich legte eine Hand auf seine Schulter und sagte "Du kannst auch nach Hause gehen und schlafen. Ich rufe Dich auch sofort an, wenn etwas ist!" Er sah mich nachdenklich an "Ich will Dich aber nicht alleine lassen..." ich lächelte. "Ich muss über so viel nachdenken, es wird mir nicht auffallen ob du da bist oder nicht, nicht böse gemeint! Und außerdem wird spätestens in einer halben Stunde eine kreischende Lyn auftauchen, dann bin ich erstmal beschäftigt und außerdem siehst du so aus als könntest du dringend Schlaf gebrauchen!" er sah mich dankbar an, gab mir seine Nummer und umarmte mich lange. "Ruf mich sofort an, wenn was ist okay?" ich nickte, dann drehte er sich um und ging zum Ausgang. Ich setzte mich wieder hin.

Ich machte eine Liste auf einer Zeitung die auf einem Tisch neben mir lag, die unwichtigen Sachen zuerst:
1. Ich würde Lyn gleich nicht weg schicken, wenn sie kam
2. Ich musste dringend schlafen
3. Ich musste die Bilder meiner Mutter, die auf die selbe Art erschossen wurde, wieder aus meinem Kopf bekommen
4. Ich musste einen Arzt nach Jay fragen
5. Ich muss mit meinem Vater reden
6. (Und das war das Wichtigste) ich musste, wenn es ihm besser ging, dringend mit Jayden sprechen. Ich wusste einfach nicht was ich fühlen soll.

Am liebsten hätte ich durch die ganze Gegend geschrien. Es ging mir einfach nicht gut und ich war komplett überfordert mit meiner Situation. Ich schlug leicht meinen Kopf gegen die Wand hinter mir. Immer und immer wieder, aber es half nichts. Ich stütze meinen Kopf in meine Hände und blieb eine Weile so sitzen.

Auf einmal kreischte jemand und ich schaute auf. Lyn kam auf mich zugerannt. Heilige scheiße war ich froh sie zu sehen! Ich stand auf und nahm sie in den Arm. "Geht's dir gut? Ist noch alles dran? Kannst du bitte mit mir reden, damit ich weiß, dass es dir gut geht?!" ich drückte sie von mir weg "Ja, ja es geht mir gut!" sie schaute mich traurig an "Lüg mich nicht an!"

Ich schaute zu Boden "Tut mir leid! Ich... Ehm..." Lyn schaute mich mitleidig an "Hey, ist schon okay. Lass uns kurz raus gehen und in Ruhe über alles reden." ich sah sie dankbar an "Ich muss nur vorher noch einen Arzt nach Jayden fragen okay?" sie nickte. Ich schaute mich nach einem Arzt um. Ich sah einen auf uns zu kommen.

"Sind sie die Bekannten von Jayden Slater?" ich nickte "Gut, also er ist stabil und wird durch kommen, aber er wird jetzt noch eine halbe Stunde in der OP sein, dann kommt er raus. Erstmal auf die Intensivstation, aber ich denke da wird er nicht lange dort bleiben müssen." ich nickte dankbar und wandte mich an Lyn.

Sie schaute mich etwas glücklicher an. "Lyn, ich bin unfassbar dankbar, dass du hier bist. Ich weiß gar nicht mehr was ich machen soll..." Sie hagte sich bei mir ein und dirigierte mich nach draußen auf eine Bank zu. "Also was ist los?"

"Ich bekomme meine Mutter nicht aus dem Kopf..." sie sah mich mitleidig an "Das ist okay! Das ist normal, lass sie einfach in deinem Kopf rumspuken und erfreue dich daran, dass sie immer bei dir ist." ich nickte.

"Mein Vater... Er hat mir geholfen, versucht mich lebend da raus zu holen, hat mir blind vertraut und sich entschuldigt. Ich weiß gar nicht was das soll und ich will mir nicht die Hoffnung machen und dann merken, dass er sich doch nicht ändert!" Lyn überlegte kurz "Sprich einfach mit ihm, ich glaube er will wirklich einiges wieder gut machen und gibt sich Mühe." kurz entstand eine Pause.

"So und jetzt los! Erzähl mir von Jayden!" sie strahlte über das ganze Gesicht. Ich lächelte kurz bei dem Gedanken an ihn. "Ich weiß nicht... Ich hab ihn mehr als nur gern, aber ich weiß nicht... Ob er das Selbe fühlt. Nate hat einige Dinge gesagt die darauf hindeuten, dass er sich vor mich geworfen hat spricht dafür und das er geweint hat, als ich gesagt hab, dass ich mit meinem Leben einfach abschließen könnte, deutet darauf hin, aber ich wollte nicht vor der Übergabe ihm die Hoffnung machen und ihm sagen was ich fühle, wenn ich nicht mal wusste ob ich lebend raus komme. Und jetzt ist er fast gestorben, wegen mir..." sie schaute mich lange an.

"Ich finde deine Entscheidung sehr selbstlos. Du wolltest ihn vor dem Schmerz beschützen, den ihn überkommen hätte, wenn dir etwas passiert wäre und jetzt leidest du darunter. Ich finde das nichts anderes als selbstlos und ziemlich tapfer. Also sprich später einfach mit ihm darüber und sag ihm was du fühlst. Ich denke er fühlt das Gleiche." wir lächelten beide.

"Ich danke dir Lyn!" "Kein Problem!" ich stand auf und umarmte sie. Wir verabschiedeten uns und sie versprach mir, morgen nochmal zu kommen. Dann ging ich wieder rein und setzte mich wieder auf den Stuhl. Ein paar Minuten später ging der Fahrstuhl auf und ein Ärzte Team kam heraus, auf mich zu. Ich stand auf. "Er ist jetzt auf der Station, sie können jetzt zu ihm. Er liegt im dritten Stock, Zimmer 386"

Entführt!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt