Jayden hatte sich nochmal umgedreht. Ich ging zu meiner Tasche und setzte mich hin. Oh je, das würde ein anstrengender Tag werden! Ich konnte es schon fast greifbar nah spüren. Ich stand auf, sagte "Ich werde Frühstück machen" und ging aus dem Zimmer.
Wie gesprächig ihr doch schon wieder seid! Unfassbar!
Ich hatte ehrlich gesagt gar keine Lust mit irgendwem zu reden, ich wollte einfach nur diese verdammt Übergabe hinter mir haben. Ich stellte mich an den Herd und machte Frenshtoast, alles was ich brauchte war in den Schränken gewesen und ich hatte Lust darauf gehabt.
Ich drehte mich um, um den ersten Toast auf den Teller zu legen, den ich bereit gestellt hatte und ließ fast die Pfanne fallen, als Jayden schon auf dem Stuhl saß und mich anschaute. "Grundgütiger, was fällt dir ein mich so zu erschrecken???" er schmunzelte. "Tut mir leid." "Jaja du mich auch."
Ich drehte mich wieder zum Herd und machte weiter. Irgendwann kam Marie und setzte sich zu Jayden. Es war komisch, aber ich war überraschend entspannt. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich eben vor dem Spiegel einigermaßen mit meinem Leben abgeschlossen hatte.
Jayden dagegen war komplett abwesend und hörte die Fragen, die seine Mutter ihm stellte, kaum und gab nur kurze, knappe Antworten. Als ich fertig war, setzte ich mich an den Tisch und tat allen was von dem Frenshtoast auf die Teller.
"Nett das du Frühstück gemacht hast liebes." ich lächelte sie an "Kein Problem, hab ich gerne gemacht." Sie lächelte zurück. Alle fingen an zu essen, doch Jayden war nach zwei Toast fertig. So kannte ich ihn ja gar nicht. Ich aß noch mehr und redete mit Marie. Jayden schaute mich schon wieder an, wie kleingehackter Brokkoli, als ich auch noch über einen Witz von Marie lachte.
Als wir fertig waren, konnte ich Marie nicht ausreden, den Tisch abzuräumen. Also stand ich auf und sagte, dass ich noch Sachen packen müsse. Ich ging nach oben und schaute kurz aus dem Zimmerfenster. Keine spektakuläre Aussicht, aber doch sehr schön auf den Garten der Nachbarn.
Ständig fragte ich mich, wie ich so einfach mit meinem Leben abschließen konnte. Ich hatte Lyn, die mich brauchte und die ich nicht alleine lassen wollte und Nate war mir, obwohl ich ihn nur einmal gesehen hatte, auch ans Herz gewachsen mit seinen großen Kugelaugen und dem Teddybär Gen und dann war da noch mein Vater. Er hatte viele Fehler gemacht, aber ich würde ihm mit der Zeit verzeihen können und dann Marie, sie war unheimlich nett und eine Person mit vielen Menschenkenntnissen.
Vergiss den Jungen mit den Schokoladen Augen nicht!!!!
Und dann war da noch Jayden, mein Entführer, der der netteste und tollste Mensch war, den ich kannte. Er hatte viel durchgemacht, genauso wie ich und er war immer für mich da gewesen, hatte mich so akzeptiert wie ich war und ich wusste nicht mal wieso. Und ich war dankbar, für alles was mir passiert und jeden Menschen der mir dumm gekommen war, denn sie hatten mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute war und ich war schon ein wenig stolz auf den Menschen, der aus mir geworden war.
Ich hatte Menschen um mich, um die es sich zu kämpfen lohnte und ich würde nicht im Ansatz aufhören für sie zu kämpfen. "Belle?" ich schrak kurz zusammen. Ich war so in Gedanken gewesen, dass ich nicht gemerkt hatte, wie Jayden das Zimmer betreten hatte. Ich lächelte ihn an "Tut mir leid. Ich war in Gedanken... Was gibt's?"
Er schaute mich ein wenig zurückhaltend und traurig an. "Sag mir bitte das du nicht aufgegeben hast!" er sah mich nicht an. Ich ging, ohne zu überlegen, auf ihn zu und drückte seinen Kopf mit zwei Fingern sachte nach oben. Er schaute aus dem Fenster hinter mir. "Jay, schau mich an." langsam wandte er seinen Blick zu mir. Seine Schokobraunen Augen trafen auf meine blauen.
"Ich hab nicht aufgegeben und das werde ich auch nicht. Ich hab die tollsten Menschen um mich, um die es sich zu kämpfen lohnt und ich werde den Teufel tun, lebend aus der Sache raus zukommen. Ich bin dankbar für alles was mir passiert ist und jeden Menschen, der in meinem Leben ist und mich glücklich macht. Ich komme nur.... Ich hätte kein Problem damit zu sterben, nicht weil ich euch nicht alle liebe und für euch nicht kämpfen würde, sondern einfach weil ich weiß, dass ihr auch ohne mich weiter machen könnt. Natürlich tut es weh zu wissen, dass ihr um mich trauern werdet, um ehrlich zu sein macht es mich ganz schön kaputt, aber ich kenne euch gut genug um zu wissen, dass ihr das auch ohne mich könnt. Ich würde gerne weiterleben, wirklich. Mein Leben ist in letzter Zeit ziemlich schön geworden und ich würde gerne wissen, wie mein Leben weiter geht, aber selbst wenn es nicht so ist, dann würde ich damit klar kommen."
Er schaute mich an. Er war nicht in der Lage dazu etwas zu sagen. Ich sah einen Tränenschleier in seinen Augen und langsam löste sich eine Träne aus seinem Augenwinkel. Meine Hand hatte ich während dem ganzen Gespräch auf seiner Wange liegen gelassen und so fing ich die Träne schnell mit meinem Daumen auf.
Langsam kam er wieder zu sich und sagte leise "Ich könnte nicht ohne dich leben." Er sah mich traurig an. Er versuchte nicht mal sich hinter seiner tapferen Mauer zu verstecken. Eine weitere Träne löste sich und wieder fing ich sie auf. Es machte mich traurig ihn so zu sehen, aber ich lächelte nur traurig.
"Doch Jay. Ich kenne dich und du würdest irgendwann damit leben können. Du würdest ohne mich weiterleben. Für mich ist es nur das Wichtigste, dass du nicht in Trauer untergehst. Ich will das es dir gut geht."
"Wie soll es mir denn gut gehen, wenn du stirbst, weil ich dich entführt habe. Allein das du einfach so gehen und uns hier alleine lassen könntest ist schon schrecklich genug!" weitere Tränen flossen sein Gesicht runter. So langsam wurde ich verzweifelt, könnte er bitte aufhören zu weinen, wegen mir! Ich sah ihn einfach nur an. Oh je, gleich würde ich die Fassung verlieren.
Er denkt du lässt ihn einfach alleine, ohne dich darum zu scheren wie es ihm damit geht! Natürlich weint er! Er hat dich genauso gern, wie du ihn. Du Idiot!
Jetzt war es auch mit meiner Fassung am Ende. Die erste Träne eroberte sich einen Weg meine Wange hinunter. "Hör auf zu weinen! Ich hatte mir vorgenommen nicht zu weinen und jetzt fängst du einfach an zu weinen!" ich boxte ihm spielerisch gegen die Brust. Er schmunzelte kurz.
Mein Verstand sagte mir, dass normale Menschen sich jetzt geküsst hätten, aber ich wollte ihm nicht zu viel Hoffnung machen. Also nahm ich ihn einfach in den Arm. Er drückte mich so fest, ich hätte fast keine Luft mehr bekommen. Ich hörte wie sein Herz schlug und genoss die Wärme die meinen Körper durchströmte.
"Bitte lass mich nie wieder los!" flüsterte ich leise. Er legte sein Kinn auf meinen Kopf und sagte "Nie! Nie im Leben, würde ich dich loslassen!" So standen wir eine gute viertel Stunde. Ich hatte seinen Wecker genau im Blick,aber es hatte sich so angefühlt, als wären es nur zwei Minuten gewesen. Meine Tränen waren versiegt und ich hatte mir geschworen, dass letzte mal für diesen Tag geweint zu haben.
Langsam drückte ich mich von ihm weg, ließ meine Arme aber um seine Mitte liegen. Er hatte auch aufgehört zu weinen und sah mich nun traurig lächelnd an. Heilige scheiße, wie sehr konnte ich diesen jungen vor mir bitte lieben?!
Boah du bist so widerlich!
Dich brauch hier keiner, also verschwinde einfach!
Ok, ok! Bin ja schon still.
Ich lächelte ihn noch ein letztes Mal an und trennte mich dann ganz von ihm. "Die Uhr zeigt, dass wir erst halb zwölf haben, also können wir noch ganz entspannt etwas machen." meinte Jayden. Dann schaute ich an ihm runter, er tat es mir nach. Ich fing an zu lachen "So machen wir gar nix! Zieh dir was Ordentliches an und dann können noch irgendwas machen." er lachte auch und machte sich dann auf den Weg ins Bad.
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Entführt!
Aventura"Ich holte meine Hausaufgaben raus und war so in Gedanken versunken, dass ich das Tuch vor meiner Nase erst bemerkte, als mir ein stechender Geruch in die Nase stieg. Ich schlug mit den Armen um mich und versuchte mich zu wehren, doch es war schon z...
