Kapitel ~4

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zwei Wochen später...
Luisa' s Sicht:

Mittlerweile hatte ich eine eigene Wohnung gefunden, die ich an diesem Wochenende bezogen hatte. Dem Gespräch mit Alex bin ich bis jetzt ganz gut ausgewichen, aber jetzt komme ich da nicht mehr drum herum. Ich warte schon seit 5 Minuten auf ihm hier im Park und ich sehe ihn nicht. Also setze ich mich auf die Bank unter einem großen Baum und schaue auf die Wiese. Langsam merkt man schon, dass es Herbst wird, senn der Wind wird immer kälter und langsam verlieren die Bäume auch ihre Blätter.

Plötzlich setzt sich jemand neben mich. Alex. "Hey.", brachte ich leise hervor und sah ich verunsichert an. Ich muss jetzt stark bleiben, auch wenn es schwer ist, aber ich habe ihn verlassen und damit geht es mir gut. "Sag mir einfach, warum du mich verlassen hast." Er schaute mich nicht an, sondern sah geradeaus auf die Wiese und dem Spielplatz, wo viele Kinder noch das einigermaßen schöne Wetter genossen. "Alex... ich habe mir die Ehe ganz anders mit dir vorgestellt. Ich wurde immer unglücklicher und an dem Tag, wo wir bei dem Geschäftsessen waren, wurde mir klar, dass ich das so nicht mehr will. Du hast mir keinen Freiraum gelassen, wir haben uns kaum noch gesehen. Entweder warst du den ganzen Tag arbeiten oder ich hatte Nachtschicht. Das ging so nicht mehr. Wieso soll ich mit jemandem verheiratet sein, den ich sowieso nie sehe?" Er atmete laut aus und brummte irgendetwas, was ich nicht verstehen konnte. "Wieso sagst du mir das dann nicht?" "Ich habe es dir schon oft versucht zu sagen, aber geändert hat sich nie was." "Also liebst du mich auch nicht mehr." Ich schüttelte leicht den Kopf. "Die Gefühle sind mit der Zeit verschwunden. Wie soll ich sie den haben, wenn du nie Zuhause bist." "Halt Stopp, es reicht. Du machst mir die ganze Zeit Vorwürfe, ich wäre Schuld an der Trennung?! Ich dachte immer, unsere Ehe, generell unsere Beziehung wäre ohne große Probleme, aber da habe ich mich vielleicht getäuscht." Alex wurde immer lauter und seine Gesichtszüge immer aggressiver. Ich hatte eigentlich nie Angst vor ihm, aber jetzt gerade fühle ich mich nicht wohl. "Alex beruhigt dich mal." "Nein, werde ich nicht. Meine Ehefrau hat mich nach nur drei Wochen Ehe verlassen. Was soll ich mich da beruhigen?" Das hier bringt eh nichts, also beschloss ich mich auf den Weg nach Hause zu machen. Ich stand auf, wurde aber sofort am Arm festgehalten. So stand Alex mir gegenüber und sah mir genau in die Augen. "Wie stehe ich bei den anderen Leuten, unseren Familien denn jetzt da? Als ein schlechter Ehemann! Ich verstehe dich nicht, ich habe alles für dich getan und finanziell ging es uns nie schlecht." "Darum geht es nicht. Geld ist nicht alles, Alex. Es geht ums glücklich sein und genau das war ich nicht." Ich entriss ihm meinen Arm und wollte zurück gehen und genau in diesem Moment spürte ich, wie meine Wange heiß wurde. Ich war geschockt. Geschlagen von meinem eigenen Ehemann. Meine Hand fand sofort den Weg auf meine Wange und Tränen liefen aus meinen Augen. Sagen konnte ich nicht. "Lassen Sie sofort die Frau in Ruhe und verschwinden Sie. Los! Bevor ich mich vergesse!", schrie eine andere männliche Stimme. Ich konnte sie nicht zuordnen, denn meine Augen waren noch geschlossen. Aber es müssten zwei Personen sein, die eine schien sich darum zu kümmern, dass Alex verschwindet und die andere legte leicht ihren Arm um mich und half mir, mich auf die Bank zu setzten. Ich hatte mittlerweile die Augen geöffnet und sah Alex und den anderen Mann streiten. "Alles okay bei dir?", fragte mich der Mann, der neben mir saß und mich ansah. Ich schüttelte den Kopf. "Kennst du den?" "Mein Ex-Mann." Er nickte. Dann sahen wir beide zu Alex und dem anderen Mann. Mittlerweile hat Alex es eingesehen, dass er doch lieber gehen soll und der Helfer kam auf uns zu. Er war klein, dunkel braune Haare und ziemlich gut trainiert. "Sollen wir die Polizei rufen? Ich meine, dass ist schon eine Staftat. Man schlägt keine Frauen." Wieder schüttelte ich den Kopf. Ich war zu sehr unter Schock, um irgendetwas zu erklären. "Marco, wir müssen ihr irgendwie helfen. So können wir sie nicht hier lassen." Der Mann neben mir, anscheinend Marco, schien zu nicken. "Sollen wir dich nach Hause begleiten, oder sonst zu irgendeiner Freundin oder so?" Ich schluckte einmal. Ich musste jetzt antworten. "Zu meiner Mutter vielleicht?!", fragte ich leise. "Natürlich. Wenn du uns den Weg sagst, fahren wir dich dahin." Ich nickte. Sie halfen mir auf und gingen dann zu deren Auto. Ich sagte ihnen die Straße und sie wussten, wo diese war. "Wie heißt du eigentlich?", fragte mich Marco. Sie hatten mir gerade noch ihre Namen gesagt. Marco und Marcel. "Luisa." "Ist deine Mutter Zuhause?" "Ja, müsste sie eigentlich." "Okay, gut." Ich fühlte mich wie in Trance, ich nahm alles nur halb wahr. Als das Auto zum stehen kam und der Motor ausgeschaltet wurde, stiegen wir aus und ich klingelte. Ich war eindeutig zu schwach, um meinen Schlüssel raus zu holen. "Kind! Was ist denn mit dir passiert?", fragte meine Mutter sofort, als sie die Haustür öffnete. "Hallo. Können wir vielleicht mit rein kommen und Ihnen das erklären?" Meine Mutter nickte und zog mich mit rein. Marcel und Marco gingen uns hinterher. Ich setzte mich auf den Sessel im Wohnzimmer und senkte meinen Kopf. "Also... Wir beide sind durch den Park gelaufen und haben Luisa halt gesehen. Ein anderer Mann hat ihr dann eine Backpfeife gegeben und dann sind wir dazwischen gegangen." Ich merkte die Blicke von meiner Mutter auf mir und mit war es irgendwie peinlich. "Wir gehen zur Polizei." Ich schüttelte den Kopf. "Natürlich Luisa. Da gibt es keine Zweifel, wir müssen Alex anzeigen." Ich schwieg. "Ich muss mich ganz herzlich bei Ihnen beiden bedanken. Wer weiß, was der noch alles gemacht hätte." "Kein Problem. Das ist selbstverständlich." "Nein, ist es nicht. Heutzutage hilft doch niemand mehr, wenn jemand auf offener Straße Hilfe braucht." Da hatte sie Recht. Durch meinen Beruf wusste ich das genau, auch wie viele Männer ihre Frauen schlagen. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich ziemlich hoch. "Können Sie mir vielleicht Ihre Handynummer hier lassen, falls wir Zeugen brauchen." Geschockt sah ich nach oben und blickte jedem Einzelnen ins Gesicht. So genau hatte ich meine "Retter" noch gar nicht betrachtet, aber sie sahen wirklich sehr gut aus. Meine Mutter holte einen Zettel und einen Stift aus der angrenzenden Küche. Marco und Marcel schrieben ihre Nummern auf und verabschiedeten sich dann. Auch ich bedankte mich nochmal bei ihnen und war danach doch fest entschlossen, zur Polizei zu gehen, auch wenn ich das aus einem Grund nicht tun wollte....

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Frohe Weihnachten :)

Wohl doch nicht die große Liebe?! (Marco Reus FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt