11 - Sun Is Shining

127 19 28
                                        

"Und wir werden munter sein.
Trockne deine Tränen und halt dich fest.
Weißt dus nicht? Ich habe Neuigkeiten für dich.
Die Sonne scheint genau wie du."
(Axwell Λ Ingrosso - Sun is Shining)

_________________________


Als wir am nächsten Morgen aufstanden und die Vorhänge vorm Fenster aufgezogen strahlte uns die Sonne Neapels entgegen.

„Sehr gut."
Ennie strahlte mit der Sonne um die Wette nachdem sie gesehen hatte, dass das Wetter gut war. Sie freute sich wie ein Kleinkind als sie eine Shorts und ein Top aus dem Schrank holte.

„Kommen die Jungs heute eigentlich auch zum Strand?"
Auch wenn Finja die Frage in den gesamten Raum warf wusste ich, dass sie eigentlich von mir eine Antwort wollte. Ich beantwortete ihre Frage indem ich mit den Schultern zuckte.

„Wie, du weißt das nicht? Du müsstest doch wissen was Robin heute macht, immerhin hattet ihr euch gestern geküsst!"
Die Aussage war typisch für Ennie. Sie schwärmte schon die ganze Zeit davon, seitdem sie gestern in den Raum gekommen war.

„Unsere Lippen hatten sich für den Bruchteil einer Sekunde berührt, bevor du in den Raum stürmtest. Ich weiß nicht mal, ob das wirklich als Kuss zählt."
Ennie schaute mich an und es sah so aus, als wüsste sie zum ersten Mal nicht was sie sagen sollte.

„Aber wenn ihr euch heute seht, könntet ihr sowas nachholen."
Finja zwinkerte mir zu.
Dass Robin mir heute Morgen direkt geschrieben hatte, dass sie auch zum Strand kommen, weil sie nachmittags nichts vorhaben, hatte ich in der Situation für mich behalten.

Wir zogen uns weiter um und zogen den Bikini drunter.
Mit Frau Jehner hatten wir vereinbart, dass wir den Vormittag am Strand für Gemeinschaftsspiele nutzen würden und nachmittags hatten wir dann frei.
Heute Abend wollten wir uns mit dem Kurs zusammen an einem Lagerfeuer treffen und ein bisschen feiern, immerhin war die Fahrt dann schon halb vorbei. Natürlich ohne Alkohol, aber dafür mit Marshmallows und Stockbrot.

-

Der Strand war nicht weit entfernt, sodass wir mit unseren Strandtüchern unterm Arm zum Strand wanderten.
Die Sonne schien immer noch am strahlend blauen Himmel und für Mitte September war es erstaunlich warm. Aber mir war das warme Wetter deutlich lieber, als ein verregnetes London in welchem der Englischkurs sich gerade aufhielt.

Am Strand angekommen breiteten wir uns aus. Zwar lag jeder in kleinen Gruppen verteilt, aber doch lagen wir als Kurs nahe zusammen.
Am Ende des weißen Sandstrandes rauschten die Wellen des himmelblauen Mittelmeeres. Die Sonne ließ das Meer, welches heute ziemlich ruhig war, blau glitzern. In regelmäßigen Abständen brachen kleine Wellchen am Strand und das Meer rauschte beruhigend.

Als wir alle unsere Sachen ausgebreitet hatten kamen Elena, Sophia und Klara auf uns zu. Klara war früher ebenfalls in unserer Klasse und auch wenn sie nicht unbedingt zu meinen besten Freunden zählte, verstand ich mich doch recht gut mit ihr.
„Wir wollen etwas Beachvolleyball spielen, habt ihr Lust mitzuspielen? Wir brauchen noch ein zweites Team."

Ich schaute zu Ennie und Finja rüber und beide nickten, also bejahte ich Klaras Frage und wir gingen zu einem der Volleyballnetze, die am Strand aufgespannt waren.
Ich war nicht besonders gut in Volleyball, aber das Wichtigste war, dass es Spaß machte.
Die Teams waren relativ ausgeglichen und wir spielten ordentliche Pässe, auch wenn die aus dem Sportleistungskurs bestimmt etwas zu meckern hätten. Die Teams waren recht ausgeglichen, so dass es jedem von uns möglich war ein Spiel zu gewinnen.

Irgendwann jedoch rief Frau Jehner den ganzen Kurs zu sich und wir begaben uns zurück zum Platz unserer Strandtücher.
Frau Maisen übernahm nun das Wort. Es war das erste Mal, dass wir von ihr etwas mitbekamen, denn die letzten Tage war sie eher der Schatten von Frau Jehner gewesen. Meistens hatte sie nur stumm neben Frau Jehner gestanden.

Wir spielten dann mit dem ganzen Kurs zusammen irgendwelche Spiele. Frau Jehner sprach etwas davon, dass sie die Gemeinschaft stärken würden, wobei das meiner Meinung nach nicht nötig war. Es gab noch nie irgendwelche Streitereien im Kurs und wir waren eine sehr harmonische Gruppe.
Die Spiele machten trotzdem Spaß und waren ein guter Zeitvertreib.
Wir beendeten die Spiele mit einem großen, gemeinschaftlichen Picknick. Jeder hatte irgendwas gekauft und so ergab sich eine große, vielseitige Tafel mit viel Auswahl an Essen und Trinken.
Ich machte mir ein Sandwich und nahm mir zum Nachtisch ein paar Erdbeeren.

Je mehr Zeit wir hier am Strand verbrachten, umso mehr fühlte ich mich wie mitten im Hochsommer. Die Wellen, die am Strand brachen und das Meer, das im Hintergrund rauschte, verstärkten das Gefühl. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne schien auf uns hinab und wärmte uns.
Ohne nachzudenken würde ich uns irgendwo im Juli einschätzen, aber nicht mitten im September.

Nach dem Picknick spielten wir weiter bis Frau Maisen meinte, dass wir nun Freizeit hätten.
Ein paar entschieden sich am Nachmittag etwas anderes zu machen, aber einige blieben noch am Strand. Frau Jehner war zurück zum Strand gegangen, während Frau Maisen am Strand blieb und von einer Gruppe eingeladen wurde Volleyball mitzuspielen. Sie nahm dankend an und ging mit der Gruppe zu den Volleyballplätzen.

Ennie, Finja und ich packten unsere Sachen zusammen und wanderten den Strand ein bisschen entlang bis wir ein etwas weiter abseits vom Rest der Gruppe waren.
In der Nähe, wo wir nun unsere Strandtücher ausbreiteten stand eine Schaukel nahe am Wasser und der Strand war etwas schmaler als an der Stelle an der wir vorher waren. Hinter uns wuchsen zwei Bäume, die uns ein wenig Schatten spendeten.
Ich holte mein Handy raus und schickte Robin den aktuellen Standort.
Irgendwann gleich müssten die Jungs Freizeit haben und würden dann zu uns kommen.

Meine Magengegend kribbelte bei dem Gedanken Robin gleich wiederzusehen.
Seit gestern war das Kribbeln mehr geworden und ich freute mich schon den ganzen Tag darauf, ihn heute zu sehen, besonders nachdem was gestern zwischen uns passiert war.
Ehe ich das Handy wieder wegpackte machte ich schnell noch ein Foto vom Strand mit dem Meer im Hintergrund und schickte es meiner Familie.

„Wie lange wollen wir denn hierbleiben?"
Ich drehte mich zu Finja um und zuckte mit den Schultern.
„Ich find es schön hier, von mir aus können wir noch was hierbleiben."
Ennie ergänzte meine Antwort.
„Naja, also theoretisch haben wir bis halb zehn Uhr Zeit. Wir treffen uns um zehn am Hotel zum Lagerfeuer im Hotelgarten."

„Sehr gut, ich finde es hier nämlich super schön und würde gerne noch etwas hierbleiben!"
Finja lächelte uns an.

Ich genoss den Moment gerade sehr.
Ich war glücklich darüber, dass ich die letzten Tage mit Ennie und Finja verbringen konnte. Wir hatten großes Glück, dass die Abschlussfahrt bisher so schön war und wir sie so zu dritt genießen konnten. Wären wir mit dem anderen Leistungskurs gefahren, wären wir alle drei an drei verschiedene Orte gefahren, aber scheinbar lag das Glück auf unserer Seite.
Und noch war die Fahrt ja nicht zu ende, wer wusste schon was wir noch alles erleben würden? Heute war ja immerhin erst die Hälfte um.
Ich lächelte.

„Und Svenja schwelgt wieder in Tagträumen von Robin."

Ennie wendete sich zu Finja welche nur leise lachte.
„Ne, eigentlich nicht."

„Nein?"
Ennie wirkte verwirrt und auch Finja sah mich fragend an.
„Ihr tut so, als würde ich nur lächeln, wenn ich an Robin denke."

„Naja in letzter Zeit ist das auch so."
Ennie lachte und ich beschwerte mich leicht indem ich ihr neckend mit dem Ellenbogen in die Seite stupste.
„Nein, um tatsächlich hatte ich gerade daran gedacht, wie froh ich bin, dass ich diese Reise hier mit euch machen kann. Also ich finde bisher war die Fahrt ziemlich perfekt und dabei spielt ihr eine ziemlich wichtige Rolle."

„Ach Svenja, das ist echt süß. Aber du hast schon Recht, ohne euch beide wäre die Fahrt maximal halb so toll."
Ennie nahm mich in den Arm während sie das sagte und auch Finja schloss sich lächelnd unserer Umarmung an.

Dadurch, dass mich Ennie aber nun wieder an Robin erinnert hatte schaute ich auf mein Handy, sobald wir uns aus der Umarmung lösten. Eigentlich müssten die Jungs bald hier sein.
Neben der Vorfreude auf Robin war ich sehr gespannt darauf, wie Ennie und Finja gleich reagieren würden, wenn die Jungs auftauchten. Immerhin wusste keiner von den beiden etwas davon.

dieci giorniGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt