Der Weg nach Hause verlief völlig ereignislos. Nichts ließ darauf schließen, was merkwürdiges im Pub vorgefallen war.
Ava betrat gerade die Veranda ihres Hauses als sie hinter sich Scheinwerfer entdeckte. Sie schlüpfte schnell ins Haus und verschloss die Tür. Zwischen den Vorhängen spähte sie die Straße hinunter und sah, die beiden Geländewagen vorbei fahren.
Nun bist du wirklich paranoid schalt sie sich selbst. Sie seufzte und ging die dunkle Treppe hinauf in ihr Zimmer. Eigentlich wollte sie noch eine Runde laufen, aber ihr Gefühl sagte ihr sie solle lieber zu Hause bleiben.
Sie öffnete die Tür und zog sich beim eintreten den Pullover über den Kopf. Ihre Jeans folgte schnell als sie plötzlich ein Atmen hörte. Sie erstarrte.
Langsam drehte sie sich um und sah hinter sich in der Tür eine riesige Gestalt stehen. Rote Augen fixierten sie.
NEIN
Ihre Instinkte übernahmen die Führung. Es blieb keine Zeit mehr sich anzuziehen oder eine Nachricht zu hinterlassen. Sie schaute sich verzweifelt nach einem Ausweg um. Nichts. Sie saß in der Falle.
Das Wesen trat einen Schritt auf sie zu. Sabber tropfte aus seinem Mundwinkel auf den Boden und er streckte die Hand nach ihr aus. Sie stolperte rückwärts und fiel auf ihr Bett.
Rutschend rückte sie immer weiter von ihm ab bis ihr Rücken kühles Glas berührte. Sie brauchte nicht lange zu überlegen. Sie hechtete nach vorne, griff ihre Nachttischlampe und schlug das Fenster ein.
Splitter flogen in alle Richtungen und hinterließen blutige Kratzer auf ihren Händen und ihrer Wange. Sie ignorierte den scharfen Schmerz und sprang.
Der Schnee federte ihren Sprung ab, dennoch trieb es ihr den Atem aus der Lunge. Desorientiert stand sie torkelnd auf und rannte los.
Ihr nackten Füße schmerzten nach wenigen Sekunden und ihre Körper war mit Gänsehaut bedeckt. Aber sie hatte keine Zeit darüber nach zu denken. Ihre Beine kannten den Weg. Jeden Tag übte sie ihre Flucht. Überall auf dem Weg hatte sie Proviant und Kleidung verteilt.
100
200
Jetzt scharf rechts und da lag auch schon ein Rucksack. Ava rutschte aus als sie nach ihm griff. In windeseile zog sie sich einen einteiligen Schneeanzug an, schwere Wanderstiefel und Handschuhe. Nun hatte sie Proviant für 3 Tage und vom Rennen würde ihr schnell wieder warm werden. Sie schulterte den Rucksack und drehte sich um, um ihren Weg abzuscannen. Bisher war noch keine Spur von ihren Verfolgern zu sehen. Doch sie wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie ihren Spuren im Schnee gefolgt waren. Dieser verdammte Schnee.
Für eine Sekunde schoss tiefe Trauer durch ihre Adern. Sie verlor ihr zu Hause, ihr Familie. Wieder.
Aber sie hatte keine Zeit sich diesen Gedanken lange zu widmen. Für Trauer war später noch Zeit. Gedanklich schob sie ihr Leben in eine Schublade und schloss ab.
Dann drehte sie sich um und verschwand in den Wäldern.
Stundenlang wanderte sie, bis der Wald so tief war, dass kaum noch Schnee ihre Spuren verraten konnten. Sie drehte ab und lief an der Schneegrenze entlang, dem Geräusch eines Flusses folgend.
An seinem Ufer entlang zählte sie ihre Schritte und überquerte ihn schließlich in einer seichten Stelle. Eiskaltes Wasser lief in ihre Schuhe, aber sie ignorierte die Kälte und setzte ihren Weg fort.
Der Morgen war schon längst angebrochen. Eigentlich hätte sie ihr Lager schon längst erreichen sollen, aber sie hatte sich verlaufen.
„Ganz toll Ava... das ist so typisch", keuchend blieb sie stehen und sah sich um. Da waren Bäume und Steine und.... Bäume. Sie beschloss eine Pause einzulegen und setzte den Rucksack zwischen zwei Steinen ab. Dann kramte sie ihren Proviant hervor und biss herzhaft in ihren Müsliriegel.
Um sie herum erwachte der Wald. Sie schloss die Augen und genoss für einen Moment die Ruhe. Da hörte sie es plötzlich. Es klang zu rhythmisch, zu künstlich. Murmelnd gesellten sich Stimmen zu dem Geräusch. Ava schlich zu ihrem Rucksack und packte alles möglichst leise ein. Sie verstand nicht, wie sie so schnell hatten einholen können. Aber es war egal wie sie es gemacht hatten, Fakt war, dass sie nicht sicher wussten, wo genau sie gerade war und diesen Vorteil musste sie nutzen.
Sie erhob sich mit ihrem Rucksack auf dem Rücken und drehte sich um, da sah sie einen Schatten. Ihr Herz setzte einen Moment aus um dann im doppelten Tempo aus ihrer Brust springen zu wollen.
„Ich wusste doch, dass du kommst...", sagte die Gestalt. Ava blinzelte gegen die Sonne an und erstarrte.
„Ethan?", sie konnte die Erleichterung in ihrer Stimme kaum verbergen. Da stand der Wolf lässig an einen Baum gelehnt nur in schwarzen Jeans und T-Shirt und grinste sie an.
„Was zum Teufel macht ihr hier draußen?", fragte sie ihn verwundert. Ethan legte den Kopf schief und musterte sie. Dann runzelte er die Stirn. Sein Blick verharrte auf ihrer Wange. Sie legt zitternd ihre Hand auf den Kratzer in ihrem Gesicht. Sie hatte ihre Verletzungen völlig vergessen und spürte erst jetzt, dass ihr halbes Gesicht blutverkrustet war. Auch ihre Hände sahen völlig zerschunden aus, hier hatten allerdings die Handschuhe schon längst das meiste an Blut abgerubbelt.
Ethan kam mit großen Schritten auf sie zu und griff nach ihrem Kinn. Seine Augen waren fast schwarz verfärbt, als er sah wie tief der Schnitt wirklich war. Wieder knurrte er. Dieses Knurren vibrierte direkt durch ihren Körper hindurch. Sie schloss die Augen. Was war bloß los mit ihr?
„Komm", konnte dieser Wolf eigentlich noch mehr sagen als das? Ava trat einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf. Auch wenn sie seltsam glücklich war ihn zu sehen, konnte sie ihm jetzt nicht folgen.
Wieder knurrte Ethan. Dann schnappte er sie und warf sie sich über die Schulter.
„Ey! Lass mich runter! Sofort!" Ava strampelte wie verrückt, trat, kniff und biss alles was sie finden konnte, aber Ethan lies sich nicht beirren. Schnellen Schrittes trug er sie in ihr Lager.
Nico und einer der anderen Wölfe kamen ihnen entgegen gelaufen.
„What the....", murmelte einer von ihnen während Ethan mit Ava auf der Schulter an ihnen vorbei marschierte.
„Lass mich verdammt nochmal runter du Wilder!", schrie Ava. Dann plumpste sie mit einem stumpfen Uff auf dem Boden auf.
„Nico bring mir Verbandszeug! Liam los mach ein Feuer! Jasper kontrolliere den Wald. Ich will verdammt nochmal wissen, was ihr passiert ist!", seine Stimme wurde mit jedem Wort etwas lauter bis er am Ende halb schreiend Befehle brüllte.
Ava zuckte zusammen. Wo war sie da nur wieder reingeraten und viel wichtiger, was war hier bloß los?
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Vom Mond geküsst
FantasyDie 25 jährige Ava ist auf der Flucht. Vor 3 Jahren findet sie in einem kleinen Ort in Alaska Zuflucht vor ihren Verfolgern und versucht ihre übernatürliche Seite zu verbergen. Im örtlichen Diner trifft sie auf eine Gruppe von Werwölfen und wird mag...
