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Shania


In den nächsten Tagen bin ich immer wieder dazu gezwungen, mit diesem aufgeblasenen Federkissen zu trainieren. Ich muss zugeben, Revali hat wirklich etwas drauf und wenn er sich mal in Geduld übt, was relativ selten vorkommt, ist er auch gar kein so schlechter Lehrer. Allerdings muss ich mir auch jeden Tag auf's Neue anhören, dass ich für den Orni-Krieger ein Klotz am Bein bin. Aber obwohl ich den dunkelblauen Orni nicht besonders leiden kann, macht mir das Bogenschießen Spaß. Ich werde jeden Tag besser und treffe die Ziele auch öfter.

Außerhalb des Übungsplatzes läuft es ebenfalls prächtig. Saki kocht mir jeden Tag Essen und ich muss wirklich sagen, sie ist eine hervorragende Köchin. Außerdem mag ich sie, sie ist nett und total fürsorglich. Auch Teba und Tulin habe ich voll und ganz ins Herz geschlossen. Tulin ist ein wahrer Sonnenschein und Teba ist so ganz anders als sein Bruder, zuvorkommend, geduldig und so gar nicht arrogant. Auch jeder andere Orni ist freundlicher zu mir, als dieser Revali. Ja, sie behandeln mich wirklich gut! Die ersten Tage, die ich im Dorf verbracht habe, war ich recht schüchtern und habe mich kaum allein aus meiner Hütte getraut. Aber nun...

Gerade jetzt ziehe ich munter meine Runde durch das Dorf. Ich habe mir vorgenommen, einen Bezirk zu betreten, den ich noch nie zuvor hochgestiegen bin. Mutig klettere ich eine Leiter hoch. Schon bald stehe ich vor der hübschen Behausung, die ich von Weitem schon oft betrachtet habe. Die Hütte besitzt eine ovale Form. An den Holzlatten sind schöne Schnitzereien angebracht, die die wildesten Verzierungen aufweisen. Staunend betrachte ich das schmucke Haus und trete dabei immer näher. Verträumt berühre ich das genschnitzte Holz mit den Händen, als ich plötzlich eine Stimme höre und erschrecke.

»Du bist also die Hylianerin, ja?«

Vor mir steht plötzlich ein männlicher Orni mit dunklem Federkleid und einer schwarzen länglichen Haarpracht, die er seitlich über das Gesicht gekämmt hat. Er ist etwas anders gekleidet, da die meisten Orni-Männer in leichten Rüstungen herumlaufen. Dieser hier aber trägt eine Hose aus buntverziertem Stoff und ein hellbraunes Oberteil. Er scheint ungefähr das gleiche Alter wie Teba zu besitzen. Im Flügel hält er einen halbfertigen Bogen.

Langsam tritt der Orni näher.

»Erinnerst du dich noch an ein kleines krankes Mädchen? Sie hatte einen kurzen quietschgelben Schnabel und fliederfarbene Federn?«, fragt mich der Vogelmensch plötzlich.

Augenblicklich lege ich meinen Kopf schief. An dem Tag habe ich zwar viele Orni geheilt, doch ich kann mich tatsächlich an ein Orni-Mädchen mit fliederfarbenem Gefieder und kurzem Schnabel erinnern. So nicke ich wortlos.

Geschockt zucke ich zusammen, als der Orni plötzlich vorprescht und mir mit dem Flügel die Hand schüttelt. Den unvollständigen Bogen hat er achtlos auf den Boden geworfen.

»Sie heißt Molly und dank dir geht es ihr wieder gut. Sie war noch nicht lange erkrankt, aber dafür haben sich die Symptome bei ihr rasend schnell verschlimmert. Schließlich ist sie noch so klein und...« Als er bemerkt, dass ich ihn überfordert anblinzle, zieht er seine Flügel zurück, räuspert sich und kratzt sich verlegen unter dem Schnabel. »Tut mir wirklich leid! Es ist nur so, Molly ist meine Tochter. Sie bedeutet mir einfach alles.«

Langsam nicke ich verständnisvoll. »Schon in Ordnung! Ich habe es gern getan.«

»Molly wird eines Tages meine Werkstatt übernehmen, wenn sie groß ist. Einigen Orni wird das nicht passen, da sie ein Mädchen ist. Auch ich habe mir zu Anfang einen Jungen gewünscht, der mein Handwerk fortführt, aber obwohl sie erst 6 Jahre alt ist, baut sie ganz wunderbare Sachen. Aus ihr wird mal eine wundervolle Bogenbauerin.«

Soulhunter 1 - Buch des Windes (Revali x Shania)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt