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Revali


Es ist mitten in der Nacht. Ich bin müde und gerade meinte ich, eingeschlafen zu sein, als ich von einem immer lauter werdenden Wimmern geweckt werde. Ich öffne die Augen. Der Wind spielt mit den Vorhängen und flutet den Raum mit Mondlicht. Der Vollmond lässt meine Umgebung erstrahlen. Ich kann alles bestens in der Hütte erkennen, die Regale, der Teppich, die Möbel und Shania... die sich in meinem Bett hin- und herwälzt.

»Shania?«, ich klinge besorgt. »Alles in Ordnung?«

Leider wird die Kleine oft von Albträumen geplagt, aber dieser hier scheint es, in sich zu haben. Meine Gefährtin schluchzt. Sie dreht sich auf den Rücken und murmelt etwas mit gequälter Stimme, doch es gelingt mir nicht, sie zu verstehen. Tränen laufen über ihr hübsches Gesicht.

»Shania!« Abrupt lege ich meine Flügel über das Mädchen, das direkt neben mir liegt. »Es ist alles gut, du träumst nur wieder.«

Doch Shania erwacht nicht. Sie weint weiter. Ihre Fingernägel schlägt sie tief in das Laken.

»Um Hylias Willen, was willst du eigentlich von mir!?!«, höre ich die Arme schreien.

Was zu viel ist, ist zu viel. Ich setze mich auf, greife nach Shanias Schultern und schüttle sie wach.

»Shania! Wach auf!«, fordere ich sie mit herrischer Stimme auf.

Im Nu schlägt sie die Augen auf. Ihre Pupillen flackern wild. Die Atmung meiner Geliebten ist rasch und unkontrolliert. Sie beißt die Zähne zusammen und zischt mich wütend an. Ich bin so überrascht, dass es ihr gelingt, mich von sich zu schupsen.

»Es ist alles gut, Shania! Du hast geträumt. Komm wieder zu dir!«, versuche ich sie zu beruhigen.

Meine sanfte Stimme bewirkt Wunder. Erschöpft lässt sich die Hylianerin auf unser Bett zurückfallen. Ich höre sie erleichtert aufatmen. Augenblicklich komme ich ihr wieder näher. Ich nehme sie in den Flügel und ziehe sie an mich. Shania wehrt sich nicht mehr. Sie lässt es auch zu, dass ich ihr mit dem Flügel besänftigend ihre wunderschönen, schwarzen Haare streichle. Trotzdem schluchzt Shania immer wieder. Es fällt ihr richtig schwer, sich zu beruhigen. Mein sorgenvoller Blick ruht auf meiner Partnerin. Sie versucht sich energisch, die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, doch es erscheinen immer wieder neue. Irgendwann kann ich ihr nicht mehr zusehen und halte ihre Hände fest. Der Blick, den sie mir schenkt, wirkt kalt und leblos. Sorgfältig beginne ich, ihre Tränen mit meinem Schnabel weg zu küssen. Shania schließt die Augen, lässt es einfach geschehen. Meine Federn streicheln behutsam ihr Gesicht.

»Es ist alles wieder gut, Shania! Was du auch geträumt haben magst, es ist fort. Mach dir keine Sorgen, du bist bei mir! Dir kann nichts mehr geschehen«, beruhige ich meine Angebetete in der gefühlvollsten Stimme, die ich besitze.

Es folgt ein langer ausgedehnter Seufzer ihrerseits. Ich spüre, wie sich Shanias Körper nach und nach entspannt. Ich nehme mir Zeit, sehe sie an. Ihr trauriger Anblick gefällt mir gar nicht. Eine Weile lasse ich noch verstreichen, dann beginne ich damit, sie vorsichtig in meinen Flügeln zu wiegen. Shania wird ganz still. Sie kuschelt sich in meine Federn. Ihr Herzschlag wird langsamer.

Mitleid mischt sich mit Wut. Doch es wird niemanden geben, den ich für Shanias Leid zur Rechenschaft ziehen kann.

»Das war ein ziemlich heftiger Albtraum, nicht?«, hauche ich ihr ins Ohr und streiche ihr durchs Haar.

»Hmhm!«, antwortet sie mir kurz angebunden.

»Vergiss es, mein Täubchen! Du bist bei mir. Ich werde dich immer beschützen, das verspreche ich dir.«

Soulhunter 1 - Buch des Windes (Revali x Shania)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt