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Shania


Zusammen mit Saki sitze ich auf einem gemütlichen Sitzkissen neben der Feuerstelle in der Küche. Unser Augenmerk ist auf den kleinen Tulin gerichtet, der in den Armen seiner Mama eingeschlafen ist. Lächelnd steht Tebas Frau vom Boden auf und trägt ihren Sohn zu seiner kleinen, bunten Hängematte. Dort legt sie ihn hinein. Zuletzt gibt sie ihn noch einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn. Schließlich kehrt sie zurück zu mir und setzt sich wieder hin.

»Er sieht seinem Vater so ähnlich...«, höre ich die rosafarbene Orni-Dame flüstern.

»Ja, das finde ich auch!«, stimme ich meiner Freundin in demselben Flüsterton zu.

Doch plötzlich weicht der mütterliche Stolz aus ihrem Gesicht und ich sehe nur Kummer. »Teba will unbedingt, dass er Krieger wird, so wie er und Revali. Tulin will seinem Vater natürlich stolz machen und tut alles, was er von ihm verlangt. Sogar zum Übungsplatz hat er ihn letztens wieder mitgenommen. Doch Tulin ist doch noch so klein...«

Mitfühlend beobachte ich Saki dabei, wie sie den Kopf hängen lässt. Ich kann sie verstehen. Welche Mutter will schon, dass sich ihr Kind in Gefahr bringt. Außerdem soll Tulin gerade erst fünf Jahre alt sein.

»Doch es ist nicht nur Tulin, der mir Sorgen macht. Der Pfad, den Teba beschritten hat, birgt große Gefahren. Ich weiß nicht, was sie heute vorhaben. Aber ich befürchte, sie suchen wieder nach dem Drachen. Was wenn sie ihn finden? Was wenn er Teba verletzt? Ich will nicht, dass sich Tulin eines Tages so aufopfert, wie Revali, nur weil er seinen toten Vater stolz machen will«, spricht die Orni-Frau offen über ihre Gefühle.

Durch Teba weiß ich von dem verstorbenen Vater der beiden Brüder, doch Näheres hat mir der silbergraue Orni nie gesagt. Vielleicht habe ich jetzt die Chance, die wahre Geschichte zu erfahren.

»Teba hat einmal erwähnt, Revali gäbe sich die Schuld an dem Tod seines Vaters. Wieso?«

Ich schaue meiner Freundin fest in die Augen. Unsicher wechselt sie ihren Blick von mir zur Tür.

»Ich würde es dir gerne sagen, Shania, aber...«

»Ja, ja!«, murmle ich und seufze entnervt auf. »Revali könnte es erfahren und wäre dann tierisch sauer. Das weiß ich. Das hat mir Teba letztens auch gesagt.«

Einen Moment lang wirkt Shania noch etwas verunsichert, doch dann hellt sich ihre Miene auf. »Ach, weiß du was? Revali ist ja sowieso nicht da und von wem soll er es denn erfahren, wenn du ihn nicht darauf ansprichst.«

Hektisch nicke ich und werfe ihr einen erwartungsvollen Blick zu.

»Also...«, beginnt Saki. »Eigentlich wollte Argus nur mit seinen beiden Jungs üben gehen. Teba war noch recht klein und hat nichts anderes gemacht, als zu zusehen, doch Rivali hat sich wieder einmal in das Training hineingesteigert, um seinem Vater zu imponieren.« Die Orni-Frau blickt ins Feuer, als würde sich dort die erzählte Szene abspielen. »Doch plötzlich wurde das Dorf angegriffen. Es war die Zeit der Schattenwesen musst du wissen. Sie haben ganz Hyrule heimgesucht und schließlich haben sie auch unser Dorf ins Visier genommen. Ich kann mich noch recht gut an den Tag erinnern, obwohl auch ich noch klein war.«

Gespannt lege ich meine Hände auf meine Knie und beuge mich etwas vor, um besser zuhören zu können, denn Saki flüstert immer noch wegen ihres schlafenden Sohnes.

»Es waren grauenhafte Wesen, doppelt so groß wie wir, mit hässlichen Fratzen und roten Augen«, fährt die pinke Orni fort, an ihrer Stimme merkt man, dass sie sich immer noch fürchtet. »Argus war ein guter Krieger und ein höchstbegabter Bogenschütze. Er bat seine beiden Söhne beim Übungsplatz zu bleiben, damit er sein Dorf beschützen kann.«

Soulhunter 1 - Buch des Windes (Revali x Shania)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt