Kapitel 38

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Lian

„Wo ist sie?!", frage ich gleich, als ich den Gang entlanglaufe. „Kommen Sie Frau Schütz. Ich bringe Sie zu Ihrer Tochter. Frau Bürki hat erfahren, dass nach Ihnen gefahndet wird und hat dann bei der Polizei in Spanien sich gestellt und verraten wo sie sind.", erklärt der Kommissar, der eine Tür öffnet.

Mein Kind sitzt mit einer Polizistin auf den Boden, dabei erzählt sie ihr etwas über Blumen. „Maxie!", sage ich laut und schnell dreht sie sich um. „Maamiiii!", kreischt sie und rennt auf mich zu. Ich knie mich auf den Boden und drücke sie in meine Arme, dann küsse ich sie auf den Kopf. „Gott ich hatte solche Angst.", murmle ich leise. „Papa öse.", murmelt sie leise. „Wie Papa böse? Was hat Papa gemacht?", frage ich sie und lege meine Hände an ihre Wangen.

„Papa war öse zu Marlen...", murmelt sie und ich schaue zu der Polizistin, die darauf nur mit den Schultern zuckt. „Ich möchte mit Herr Bürki reden.", sage ich nun streng. „Herr Bürki ist im Verhör. Ich denke Mal, dass Sie sich erst wieder vor Gericht sehen werden.", antwortet der Kommissar hinter mir. „Nun auch gut. Komm Schatz, wir beide gehen nachhause.", sage ich und hebe sie hoch. Ich verlasse den Raum mit ihr, dann gehe ich hinaus zu Deris, der am Auto steht. „Der Himmel sei Dank! Maxie!", sagt er erleichtert und kommt auf uns zu. „Deriiii!", quiekt sie und streckt ihre Arme aus, sodass ich ihm die Kleine gebe.

Er drückt sie fest an sich und atmet erleichtert auf, dann setzt er sie in den Kindersitz. „Deri?", fragt sie nun leise. „Ja Maxie?" „Orlesen?", murmelt sie leise. „Ja klar kann ich dir etwas vorlesen. Was soll es denn heute sein? Drachen? Feen?", fragt er weiter, während er auf der Fahrerseite einsteigt und langsam losfährt. „Dino!", ruft Maxie laut und begeistert. „Dino?", harkt Deris nach und verzieht die Augenbrauen. „Ja, Dino!!", antwortet sie wieder begeistert und singt dann leise Dino vor sich her. Ich muss schmunzeln, welches Deris gleich erwidert.

*Gerichtsverhandlung*

„Herr Bürki, Sie haben angegeben, dass Sie mit Ihrer Tochter abgehauen sind, weil sie Angst hatten, dass Frau Schütz Ihnen das Kind wegnehmen wird, indem Sie nach Singapur auswandern wird. Ist das richtig?", fragt die Richterin. „Mein Mandant hat doch schon gestanden, dass es eine Kurzschlussreaktion gewesen ist. Es ist doch völlig verständlich, dass er zu so einer Tat geht.", sagt sein Anwalt. „Tja, bloß hat Ihr Mandant das Kind ohne Erlaubnis der Mutter ins Ausland gebracht und hätte Herr Bürki mal ein GESPRÄCH aufgesucht mit Frau Schütz, wäre es nie so weit gekommen.", äußert Mike, der wieder Feuer und Flamme ist. „Wie meinen Sie das?", fragt nun die Richterin.

„Es ist wahr, dass meine Mandantin mit ihrem neuen Lebensgefährten eventuell mal nach Singapur auswandern wird. JEDOCH wird das nicht passiert, bevor Maxie Schütz keine 18 Jahre alt. Es war extra so geplant von meiner Mandantin, dass Maxie Schütz dann selber entscheiden kann, ob sie mit nach Singapur will oder lieber hier in Deutschland oder vielleicht sogar in die Schweiz möchte. Hätte Herr Bürki also nicht nur gelauscht bei dem Telefonat, sondern Klartext geredet, wären wir jetzt alle nicht hier.", fasst mein Anwalt zusammen. Die Richterin notiert sich alles und schaut nun zu Roman rüber, der aussieht wie ein Haufenelend.

Jedoch kann ich einfach kein Mitleid mehr mit ihm haben. Er hat einfach geglaubt, dass ich so eine Scheiße abziehen würde und ihm sein Kind wegnehme. Jetzt werde ich es tun, denn jetzt hat er den letzten Funken Vertrauen zerstört.

„Haben Sie ein Gespräch aufgesucht, bevor sie abgehauen sind Herr Bürki?", fragt die Richterin ihn streng und alle Blicke auf Roman. Dieser seufzt und schüttelt ehrlich den Kopf.

Die Richterin atmet laut aus und schaut wieder zu mir. „Nun gut. Eine Frage habe ich noch an Frau Schütz. Wieso klagen Sie erst jetzt das alleinige Sorgerecht? Herr Bürki hatte zum wiederholten Male Ihr Kind mitgenommen ins Ausland ohne sie zu informieren." Ich setze mich steif hin und antworte gleich: „Ich habe ihm zu sehr vertraut. Ich habe geglaubt, dass es diese kurzfristige Sache war, die es trotzdem nicht entschuldigt mir nicht Bescheid zu sagen. Außerdem wollte ich nicht, dass Maxie ihren Vater verliert. Es ist schon schwer genug beide sehen zu können, wenn die Eltern nicht zusammen sind. Nicht ich wollte entscheiden, ob sie ihren Vater verliert. Aber jetzt, jetzt ist er zu weit gegangen und das nur wegen einem Missverständnisses. Ich hätte Angst, wenn ich Maxie ihm wieder geben müsste, dass er wieder mit ihr abhaut."

„Nun gut. Vielen Dank Frau Schütz. Ich rufe Frau Marlen Bürki in die Verhandlung.", sagt sie auf einmal und alle schauen schockiert zu ihr. Langsam setzt sich Marlen vorne an den Tisch, dann wird sie aufgeklärt, dass sie ihre Aussage verweigern kann, da sie mit Roman verheiratet ist.

„So Frau Bürki, da Sie Aussagen wollen möchte ich Sie gleich fragen, wie es dazu kam, dass Herr Bürki sein Kind und Sie mit in das Ausland genommen hat.", fängt die Richterin an. „Es ist so gewesen, dass Roman sehr fassungslos und wütend nachhause gekommen ist, dann hat er sich an den Computer gesetzt und angefangen Tickets zu buchen. Ich habe auf ihn eingeredet, dass er erstmal runterkommen soll und vor allem mit Frau Schütz reden soll. Er war jedoch nicht davon abzubringen.", sagt Marlen und zittert etwas.

„Verstehe. Wieso haben Sie sich dann gestellt bei der Polizei in Spanien.?", fragt die Richterin wieder. „Meine Karriere als Influencerin stand auf dem Spiel. Die ersten Firmen haben mitbekommen, dass ich mit Herr Bürki und Maxie unterwegs bin und das öffentlich gefahndet wird, das war ja eine Schlagzeile in Spanien und dann in Deutschland. Ich hatte einfach Angst meinen Job zu verlieren."

Na wenn du keine anderen Sorgen hast, außer deinen Job zu verlieren, dann bin ich ja beruhigt...Nicht!

Die Richterin schreibt wieder alles auf, dann schaut sie zu den Anwälten, da setzt Mike auch schon zu Wort an. „Eine Frage habe ich Frau Bürki. Würden Sie sagen, dass das eine Kurzschlussreaktion war oder geplant? Denn sie sagten eben, er kam nachhause und buchte die Tickets. Eine Kurzschlussreaktion für mich ist es eher, dass man sich Kind nimmt und sofort zum Flughafen fährt, egal welche Plätze, wie viel Uhr oder sonst was.", sagt Mike und durchlöchert Marlen mit seinem Blick.

Marlen wird kreidebleich und alle schauen diesmal auf sie, denn wenn sie jetzt sagt, dass es geplant gewesen ist, könnte es irgendwie alles nochmal ändern.

„Für Herr Bürki war es wahrscheinlich eine Kurzschlussreaktion, aber für mich war es geplant.", murmelt sie nun und Roman lässt fassungslos seine Hände auf den Tisch fallen und japst nach Luft.

„Keine weiteren Fragen mehr. Ich habe genug gehört.", brummt Martin und lehnt sich zurück.

Die Richterin nickt und schreibt sich alles auf, dann steht sie auf. „Ich werde mich zurückziehen für ein Urteil. Die Verhandlung ist solange unterbrochen.", sagt sie und verlässt dann den Saal.

Eine Freundschaft mit etwas mehr? (Roman Bürki FF) Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt