Nevraiel
Letzte Nacht hatte ich die weisse Stadt im Mondlicht glitzern sehen. Nun stand ich direkt vor der weissen Mauer, die die Stadt umgab. Es war wahrlich ein Meisterwerk, alles war aus weissem Stein und sah wie frisch gewaschen aus. Grasflächen teilten den weissen Boden, bildeten einen Kontrast. Auch Blumen in kräftigen Farben schmückten die Häuser und Gärten. Und alles wurde überragt von dem höchsten Turm der Stadt, Mindon Eldaliéva. Einst war diese Stadt sehr belebt nun war es für viele nur noch eine Haltestelle auf der Durchreise. Elben und auch ein paar Hobbits sah ich. Sie sassen zusammen, redeten, tranken und rauchten. Die Stadt war friedlich und ruhig. Ich lehnte an einem Geländer und schaute auf den Platz, unter mir, hinab. Beobachtete das Treiben. Eine Elbe zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ihr langes, schwarzes Haar umrahmte ein bleiches Gesicht mit dunkelroten Lippen. Ein blauschwarzer, glänzender Umhang verhüllte ihre Gestalt. Mit zielstrebigen Schritten schritt sie über den Platz. Plötzlich hielt sie inne, blickte zu mir. Ihre blauen Augen musterten mich und ich tat dasselbe. Ich fühlte mich eigenartig und wandte den Blick ab.
Besser ich verschwinde. Ich machte auf dem Absatz kehrt und eilte davon. Wieso ist Liv nicht da? Sie hätte mir bestimmt sagen können wer die Frau ist.
Durch Zufall fand ich das Gasthaus zum Weissen Zweig und trat ein. Wärme und eine heimelige Atmosphäre umgab mich, kaum hatte sich die Tür hinter mir geschlossen. Tische und Stühle aus Holz und einfache Laternen gehörten zur Einrichtung. In der ganzen Pracht der Elben, die zwar wunderschön aber auch sehr kalt und distanziert sein konnte, fühlte ich mich hier auf Anhieb geborgen. Halbelben und Hobbits hockten an den Tischen, spielten Karten oder Würfeln. Es roch nach Bier, Schweiss und frischem Brot. Und mir wurde klar wie sehr ich dieses Leben vermisst hatte. Kaum an der Theke spürte ich die Blicke der anderen in meinem Rücken. Der Wirt, ein dicker Elb oder eher Halbelb, denn ich habe noch nie einen dicken Elben gesehen, schenkte mir ein freundliches Lächeln.
„Was darf’s den sein?“, fragte er mich.
„Ich suche Legolas, hast du ihn gesehen?“
„Ja, der war hier. Gestern und heute Morgen ist er wieder gegangen. Wollt noch irgendetwas erledigen.“
„In der Stadt?“
„Das weiss ich nicht. Aber gut möglich, er kennt ihr so Einige.“
Ich bedankte mich bei dem Wirt und ging wieder hinaus. Immer noch hungrig. Doch ich hatte kein Geld und ohne Geld gab es auch kein Essen. Vorerst. Ich schlenderte durch die Gassen und über die Terrassen der Stadt. Ich stahl das Sandwich eines Hobbits, der in sein Buch vertieft war. Ich achtete nicht auf den Weg und schliesslich trugen mich meine Füsse zum Palast. Ein Garten erstreckte sich davor, unzählige Blumen und Gräser, in perfekt geschnittener und gestutzter Form zierten ihn. Der Palast, ebenfalls aus dem weisen Stein, folgte direkt dahinter und hinter ihm, befand sich der Turm. Aber nicht der Turm oder der Palast fesselten mich. Nein. Es war etwas anders. Das Abbild des Baumes Telperion. Der Lichtbaum. Galathilion hiess sein Abbild und genau vor dem stand ich. Staunend, den Kopf in den Nacken gelegt. Seine Blätter, in einem dunklen Grün auf der Oberseite und auf der Unterseite aus einem Silbergrau, faszinierten mich. Obwohl sie nicht leuchteten, wie die von Telperion.
So vertieft wie ich war, hörte ich die Stimmen und Schritte der näher kommenden Elben sehr spät. Erschrocken drehte ich mich um. Noch hatte sie mich nicht gesehen. Gerade als ich mich vom Acker machen wollte, wurde mir bewusst um wen es sich handelt. Legolas, in grün brauner Kleidung unterhielt sich mit einem grossen, hageren Elb in einem gelblichen Gewand. Eine Frau kam auf sie zu geeilt.
„Vater da bist du ja“, rief sie erleichtert.
„Arwen, meine Liebe. Was führt dich zu mir?“, die Stimme des Mannes war sanft. Mein Hirn arbeitete.
Arwen, der Name kommt mir bekannt vor. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich keuchte auf. Drei Köpfe drehten sich in meine Richtung. Legolas schien glücklich zu sein, Arwen beäugte mich neugierig und mein Vater starrte ungläubig.
„Nev ich habe schon gedacht wir hätten dich verloren“, sagte Legolas.
Ich gab ihm keine Antwort, ich stand da wie betäubt.
„Das kann nicht sein. Einbildung. Ja nichts als Einbildung“, redete ich mir ein. Dann drehte ich mich um und rannte. So schnell wie ich schon sehr lange nicht mehr gerannt war. Weg von meiner Vergangenheit, die mich einzuholen drohte. Weg von dem Vater, der mich verriet. Einfach weg.
Legolas
Ich hatte nicht daran geglaubt das Nev ganz in der Nähe war, obwohl mir meine Gefühle dies gesagt hatten. Und so hatte ich auch der Gestalt unter dem Baum keine Beachtung geschenkt. Erst als sie auf keuchte und ich in ihr verwundertes Gesicht blickte wurde es mir klar. Nev stand keine fünf Schritt von uns entfernt und hatte wohl gerade erkannt um wen es sich bei dem Elb neben mir handelte. Ich hatte damit gerechnet, dass sie wütend wäre, dass sie ihn anschrie oder sogar angriff, doch das sie davon rannte, das war was ganz Neues. Ohne lange zu warten, setzte ich ihr nach. Sie war schnell, verdammt schnell. Doch schliesslich landete sie in einer Sackgasse und ich holte sie ein.
„Nev?“, fragte ich zögerlich.
„Was!“, erwiderte sie gereizt.
„Was ist los?“
„Was los ist? Erstens bin ich in deiner verdammten Welt. Zweitens habe ich zwei Tage nach dir gesucht, um festzustellen das es dir blendend geht und du dich in einer Stadt vergnügst und drittens bist du wohl ein guter Freund meines Vaters, der mich vertrieben hat!“
Ich kannte Nev gut genug um zu wissen, dass die Aufregung nur von kurzer Dauer war. Also trat ich zu ihr hin, nahm sie in die Arme.
„Ich habe ihm nur gesagt, dass du zurück bist. Er freut sich und möchte dich gerne kennen lernen. Glaub mir er hatte keine Wahl damals.“
„Man hat immer eine Wahl“, kam es gedämpft zurück.
„Nein, nicht immer, aber meistens.“
„Arwen ist sie meine Schwester?“
„Halbschwester. Willst du sie kennenlernen?“
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Love me till the End
RandomSo das ist eine Herr der Ringe/ Hobbit FF. Sie spielt nach der Herr der Ringe. Die Rückblicke jedoch vor dem Hobbit. Seraphia ist 19. Was sie nicht weiss, sie wurde wiedergeboren. Ihr Leben verläuft ihn normalen Bahnen, sie macht eine Lehre, besucht...
