Thranduils Hallen

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Nev

Die Pferde der Elben sind wirklich um einiges schneller und vor allem mit einer beinahe unendlichen Ausdauer gesegnet. Nachdem ich mich umgezogen und die Waffen ausgesucht hatte, habe ich mich von meinem Vater und Aragorn verabschiedet. Ein kurzer Abschied, eine schnelle Umarmung mehr nicht. So ist es leichter zu gehen. Ich habe mich an den Ratschlag meines Vaters gehalten und leichte Kleidung gewählt. Ein schwarzer Waffenrock und ein Korsett aus braunem Leder. Dazu die passenden braunen Stiefel und Armschützen. Ein schwarzer Umhang gegen den Regen und die Kälte habe ich mir übergeworfen. Als Waffen trage ich neben Pfeil und Bogen zwei Kurzschwerter, so wie zahlreiche Dolche. Mein Pferd treibe ich unerbittlich voran. Ich muss mich beeilen, wer weiss, was die anderen bereits aushecken. Die Strassen bleiben hinter mir zurück und unbewohntes Land liegt vor mir. Keine Häuser, keine Elben nichts ausser die Natur. Den weitsichtigen Ebenen, wo ich die Sonne im Gesicht spüre und ein leichter Wind die Halme tanzen lässt, wo Vögel noch singen und ab und zu ein Hirsch zu sehen ist, das liegt nun hinter mir. Ein Wald erhebt sich dunkel und bedrohlich. Ein krasser Gegensatz zur hellen und warmen Ebene. Ich stoppe mein Pferd am Waldrand, lege den Kopf in den Nacken, blicke hoch in die Baumkronen. Ein mulmiges Gefühl breitet sich in mir aus. Trotzdem lenke ich mein Pferd in den Wald hinein. Es ist unruhig; spürt es die Bosheit, welche in diesem Wald schlummert doch ebenso wie ich. Die Bäume ragen wie dunkle Schatten hoch in den Himmel, der nicht mehr zu sehen ist. Der Boden ist matschig von den aufgeweichten Blättern und der feuchten Erde. Die gedämpften Schritte meines Pferdes und meine Atmung sind die einzigen Geräusche. Je weiter ich reite, desto düsterer und kälter wird es. Eine Kälte, die tief in meinen Körper eindringt. Ich reite so schnell es geht, wollen wir beide doch so rasch wie möglich diesen Wald verlassen. Jegliches Zeitgefühl habe ich verloren. Doch endlich sehe ich das Ende des Waldes. Ich schwinge mich aus dem Sattel und binde das Pferd an einen Baum. Zu Fuss schleiche ich näher. Die grossen Netze sind mir nicht entgangen und ich habe nicht vor, die Spinnen anzulocken, welche hier leben. Ich staune nicht schlecht, als ich aus dem Wald heraustrete. Eine kunstvoll, von Elben- oder Zwergenhänden in den Felsen eingehauene Festung erhebt sich stark und stolz. Da es so gut wie keine Zwerge in Aman gibt, müssen es wohl die Elben gewesen sein. Welche Elben leben in den Wäldern? Ich kenne die Geschichte von Thorin Eichenschild und seiner Gemeinschaft. Nur ein Elbenkönig mag diese Finsternis. Ich bin am richtigen Ort, dies ist Thranduils neues Heim. Ziemlich imposant. Ich suche mir einen geeigneten Platz und beobachte. Da von meinen Freunden nichts zu sehen ist, sind sie bestimmt schon hineingegangen. Für mich bedeutet das abwarten. Hoffen, dass alles gut geht und wenn nicht? Alles zum Guten wenden.

Legolas

Bevor wir die Festung meines Vaters betreten können, brauchen wir die passende Kleidung. Hierzu locken Liv und Tauriel, die so tun, als wären sie ahnungs- und hilflose Frauen, zwei Patrouillen, die je paarweise umhergehen, in eine Falle. Kurz drauf, die Wachen haben wir verschwinden lassen, machen wir uns auf den Weg in die Hallen. In Reih und Glied gehen wir über die Steinbrücke, ohne Probleme kommen wir an den Wachen vorbei. Die Helme tief in die Stirn gezogen und möglichst anmutig bewegen wir uns durch die Gänge. Tarek, dessen Rüstung ziemlich eng sitzt, da er um einiges breiter gebaut ist als die meisten Elben, flucht leise vor sich hin. Liv ist sehr schweigsam und sichtlich angespannt. Nur Tauriel wirkt völlig entspannt und zuversichtlich. An einer Kreuzung bleiben wir stehen. Liv und ich würden gemeinsam durch das Reich meines Vaters spazieren, während Tauriel und Tarek direkt zu den Kerkern gehen würden. Sie sind gerade um die nächste Ecke verschwunden als zwei Krieger auf uns zu kommen.„Der König erwartet alle seines Volkes, die keiner wichtigen Aufgabe nachgehen, in der grossen Halle", sagt der eine. „Natürlich wir machen uns gleich auf den Weg", erwidere ich. Das unterirdische Reich meines Vaters ist in mehrere Hallen unterteilt, die sich über die verschiedenen Stockwerke erstrecken. Gestützt werden sie von hohen, prächtigen Säulen. Es ist ein Meisterwerk, das muss man ihm lassen. Ganz nach den Hallen des Düsterwaldes nachempfunden.Ich führe Liv über die Treppen aus Stein hoch in die oberen Stockwerke. Die grosse Halle ist bereits gut gefüllt mit Elben. Frauen und Männer, ja sogar ein paar Kinder sind zugegen. Gespannt warten sie alle und blicken hoch zum Balkon. Noch ist der König nicht erschienen. Wir mischen uns unter die Elben. Lauschen. Warten. Schliesslich ertönt Horngebläse und Thranduil schreitet auf den Balkon. Stolz bleibt er stehen, blickt hinab, hebt die Hände und jegliches Gemurmel verstummt.„Söhne und Töchter des Waldes heute ist ein grosser Tag. Bald schon werden wir frei sein. Niemand wird uns mehr verachten oder es auch nur wagen über uns zu spotten! Wir werden dieses eingebildeten Kreaturen, die sich Elben nennen, ein für allemal zeigen wo ihr Platz ist!", spricht er laut und überdeutlich. Zu meinem Schock jubeln ihm seine Untergebenen zu. Als würden sie sich freuen über die Grausamkeit. Vorsichtig schiebe ich Liv vor mir her, es ist an der Zeit zu gehen.

Thranduil

Einer meiner Diener kehrt zurück, verneigt sich. Ich sehe lächelnd auf ihn hinab. Was für eine niedrige Kreatur, unfähig, hässlich.„Mein König, sie sind hier. Soeben haben vier Personen euer Reich betreten."„Gut, bringt mir eine von ihnen. Es spielt keine Rolle wer, aber bringt mir eine!"„Wie ihr wünscht, mein König." Der Diener eilt wieder davon, ich erhebe mich, schreite die Stufen hinab. Bald schon würde ich der unangefochtene Herrscher über Aman sein und danach würde der Rest von Arda folgen. Bevor ich auf den Balkon trete, streiche ich noch einmal mein silbernes Gewand glatt, richte den blutroten Umhang und die Krone. Schliesslich nehme ich den Platz auf dem Balkon ein. Mein Volk schaut erwartungsvoll zu mir empor. Ich lasse den Blick über sie gleiten. Sie verstummen. Ich halte die vorbereitete Rede. Überzeuge auch noch den Letzten von meinem Plan. Am Ende bricht grosser Jubel aus, ich hebe zufrieden den Kopf.Eine Bewegung lässt mich noch einen Moment länger verharren. Zwei Personen schleichen sich aus der Halle. Eine grosse, anmutige Gestalt und eine kleinere. Gut. Der Diener hat also recht gehabt. Sie sind hier. Und wenn sie hier sind, ist auch SIE nicht weit. Schwungvoll drehe ich mich um, schreite von dannen. Nehme wieder auf meinem Thron platz. Nun heisst es warten. Geduld ist eine Schwäche, die mit der Anzahl an Jahren sich in eine Stärke verwandelt.

Tarek

Tauriel führt mich zielsicher hinab zu den Kerkern. Wo sie sich mit dem Wachmann unterhält und kurz darauf kommt sie mit den Schlüsseln zurück. Sie drückt ihn mir in die Hand.„Na los, Gimlis Zelle ist die Zehnte. Ich halte hier Wache."Schnelle eile ich auf dem schmalen Steinpfad entlang. Die meisten der Zellen sind leer. Nur ein Mann der völlig entkräftet wirkt und mich nicht einmal wahrnimmt, liegt in einer. Vor der Zehnten bleibe ich stehen. Gerade als ich sie öffnen will, vernehme ich Schritte. Sofort stelle ich mich neben den Kerker und warte. Ein Elb kommt die Treppen vom Keller hoch. Er sieht mich an. Bleibt stehen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.„Du bist ganz schön breit", stellt der Elb fest.„Hartes Training", gebe ich zurück und bin froh das meine Stimme stark klingt.Er mustert mich nochmals eingehend, dann geht er davon. Ich atme erleichtert auf.„Hartes Training, soso."Ich erschrecke und ernte dafür ein tiefes Lachen. Ich werfe Gimli einen bösen Blick zu.„Ich kann auch wieder gehen."„Nein nein."Also schliesse ich die Tür auf, Gimli drängt sich an mir vorbei. Ich folge ihm. Neben Tauriel liegt ein bewusstloser Elb. Ich blicke von ihm zu ihr und wieder zurück. Schüttle den Kopf. „Na los, sehen wir zu, dass wir verschwinden."Wir laufen durch die Gänge, verstecken Gimli hinter uns, wenn wir Elben begegnen. Niemand haltet hält uns auf. Doch es wäre auch zu schön gewesen, wenn der Plan ganz aufgegangen wäre. Kurz bevor wir das Tor erreichen, sehen wir die Wachen. Sofort machen wir kehrt. Aber wir sitzen in der Falle. Die Hallen des Waldrandreiches sind bekannt für ihre Sicherheit. Es gibt nur einen Weg hinaus, durch das Tor und über die Brücke. Aber dieser (Weg) ist versperrt.

Tauriel

Es hat alles gut geklappt. Zu gut. Ohne grosse Probleme haben wir Gimli befreit. Nun jedoch, dreht sich der Spiess. Rennend und den anderen Anweisungen zurufend, suche ich einen Weg nach draussen, ohne dabei von den Kriegern geschnappt zu werden. Bei der nächsten Abzweigung stossen wir auf Legolas und Liv, auch sie werden verfolgt. „Gibt es hier keine Fenster?", fragt Liv schwer atmend.„Natürlich", antworte ich, mir kommt da gerade so eine Idee. Ich führe sie hoch in mein altes Zimmer, barrikadiere die Tür. „Vom Balkon aus könnt ihr runter klettern. Los schnell. Liv, Tarek und Gimli ihr geht zuerst. Dank den Verzierungen und Kletterpflanzen kommt man nach unten. Doch es ist ein Weg, der Zeit braucht. Und Zeit haben wir keine. Liv, Tarek und Gimli klettern bereits.„Jemand muss die Elben ablenken", sage ich.„Ja, ich tue das."„Was nein! Legolas du gehörst nicht hierher, geh zu Nevraiel."„Thranduil ist mein Vater. Tauriel, er wird mir nichts antun, aber dir schon. Geh du mit den anderen, führe sie hier weg. Bring sie in Sicherheit."Legolas drückt mir einen sanften Kuss auf die Stirn, dann dreht er sich um. Stellt sich den Männern seines Vaters. Ich wende mich ab. Klettere. Das Einzige, was ich nun tun kann, ist Legolas Wunsch zu erfüllen und hoffen das Nevraiel noch keine Dummheiten gemacht hat. Ich erreiche den Boden, Liv und Tarek ebenfalls. Gimli lässt sich fallen und wird von Tarek aufgefangen. Schnell suchen wir das Weite, flüchten in den Wald. Keiner folgt uns. Es bleibt still. Gespenstisch. Im Wald halten wir an. Lauschen. Warten. Alles ist ruhig. Und doch sind wir nicht allein. Sie steht da, ruhig und anmutig. Ihre Miene verrät nichts.„So ist er also geblieben, damit ihr fliehen konntet", es ist keine Frage sondern eine Feststellung. Sie wendet sich zum Gehen, doch Liv ruft ihr nach: „Was hast du vor?"Nev dreht sich um, lächelt schwach.„Das weisst du. Er will nicht ihn und auch keinen von euch. Nur mich. Wartet nur ab, schon sehr bald wird er mir einen Handel vorschlagen."Natürlich. Sie hat recht. Und doch hofft ein naiver Teil von mir, dass sie sich irrt.

Love me till the EndWo Geschichten leben. Entdecke jetzt