Eine Woche verging. Eine wie jede andere, beinahe konnte ich Alvarsson vergessen und Tarek versuchte ich so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen, was gar nicht so einfach gewesen war.
In meinen Gedanken versunken, sass ich auf der Treppe und streichelte unsere Katze. Tini liebte es, wenn man sie rund um den Kopf und am Hals kraulte. Mein Kopf lehnte an der Wand, die Augen hielt ich geschlossen. Das Schnurren von Tini, die sich wohlig ausgestreckt hatte, klang wie das Brummen eines Mofas. Von rechts drangen Vogelstimmen an mein Ohr, die durch die offene Terrassentür hinein geweht wurden. Es gab tiefe, wie das Krächzen eines Raben. Ich stellte mir vor, wie der Rabe auf dem obersten Ast der Birke hockte. Sein Schnabel leicht geöffnet, seine Augen misstrauisch auf das Haus gerichtet und sein schwarzes Federkleid, das in der Sonne glitzerte. Ebenfalls hörte ich den einsamen Schrei, eines Milans, der über den Feldern seine Runden drehte. In dieser Gegend war er ein König der Lüfte, auffallend waren seine ausgesprochen langen Flügel. Sein Gefieder enthielt die unterschiedlichsten Farben. Von weiss über rotbraun bis hin zu schwarz. Natürlich zwitscherten noch unzählige andere Vogelarten, aber die konnte ich nicht auseinander halten. Es war ein Gewirr von Stimmen, hohe, tiefe und schrille, die sich vereinten. Neben den Vögel hörte ich meine Oma im Garten werken und manchmal leise Fluchen. Auch der Bach, der unseren Garten vom Feld trennte plätscherte und gurgelte vor sich hin. Es herrschte eine sehr friedliche Stimmung und ich schwelgte darin. In dem Moment kam es mir nicht eigenartig vor, all diese Geräusche so gut wahrzunehmen. Bis meine Oma, mich hart aus meinen Tagträumen riss. Vielleicht war es auch besser so, am Ende drehten sich meine Gedanken doch immer wider um dasselbe. Besser gesagt, denselben.
„Hör auf Tini zu streicheln, sonst hat sie am Ende kein Fell mehr.“
Ich lächelte. „Ich befrei sie nur von zu viel Fell. Wenn ich das nicht tue, erleidet sie womöglich noch einen Hitzeschlag.“
Nun lächelte auch meine Oma. Albereien gehörten bei uns zum Alltag.
„Du solltest dich umziehen. Oder willst du in diesem Aufzug Tarek gegenübertreten?“
Keine Ahnung was meine Oma an meiner Kleiderwahl aussetzte hatte. Ich trug ein T-Shirt mit dem Umriss einer Eule darauf und dazu Jeans. Meine Oma schien mir im Gesicht ablesen zu können, was ich dachte.
„Du solltest was Schönes anziehen, ein Sommerkleid. Es wird Tarek bestimmt besser gefallen als das.“ Und damit deutet sie auf mich. Ich hatte meiner Oma schon tausendmal erklärt, dass Tarek nichts weiter als ein guter Freund war und ich auch nicht mehr von ihm wollte. Ihre Antwort war immer in etwa dieselbe.
„Schade, er ist so ein guter Junge.“ Dann folgte eine bedeutungsvolle Pause. „Du solltest es ihm sagen.“
Da ich keine Lust hatte mir ihre Predigt anzuhören, sagte ich nichts darauf. Ich stand einfach auf und ging die Treppe hoch.
„Beeil dich, sie kommen in 10 Minuten“, rief meine Oma noch hinterher.
Da ich selten Kleider trug, war die Auswahl auch nicht gerade gross und ich hatte mich schnell entschieden. Es war ein Kleid mit einem feinen Blumenmuster. Am Oberkörper lag es eng an, ab der Taille wurde es breiter und fiel somit locker über die Hüfte. Es reichte bis etwa in die Mitte des Oberschenkels. Dazu hatte es einen schmalen Gürtel um die Taille. Meine Haare band ich zu einem lockeren Zopf der mir über die Schulter nach vorne fiel.
Als ich nach unten ging, waren Tarek und seine Mutter, Lina, schon da. Herzlich begrüsste ich die beiden. Heute war Tareks Geburtstag. Da seine Mutter und er alleine wohnten, luden wir sie seit ein paar Jahren regelmässig ein. Ich wusste nicht viel über Tareks Familie. Seit ich ihn kannte gab es nur ihn und Lina. Ausserdem mochte er das Thema Familie überhaupt nicht und so fragte ich auch nicht danach. Klar war, dass er ganz nach seinem Vater kommen musste, bis auf die Augen und die Lippen, die hatte er von seiner Mutter. Lina war sehr fein und schmal gebaut, ihre Haare waren eine dunkelbraune Wellenpracht, die ihr bis in die Mitte des Rückens reichte. Neben Tarek wirkte sie eher wie ein Kind, als wie seine Mutter. Genau wie Tarek war sie überaus freundlich und begegnete jedem stets mit einem Lächeln. Nun sassen wir alle auf der Terrasse, assen, tranken und plauderten durcheinander. Es war ein fröhliches Zusammensein. Nur Tareks Blick machte mich manchmal nervös. Nach dem Essen half Lina meiner Oma und ich und Tarek setzten uns auf die Bank am Bach. Wir schwiegen lange, bis ich es nicht mehr aushielt. „Also los, spuck’s schon aus!“ Ein fragender Blick seinerseits. „Beim Essen, da hast du mich so komisch angesehen.“
Sein Blick glitt über die Felder in die Ferne, er schien plötzlich weit weg zu sein. An einem anderen Ort. Das dauerte nur wenige Sekunden, dann wandte er sich wieder mir zu. Er strich sich durchs Haar, was er immer tat, wenn er unsicher war.
„Du veränderst dich, mehr als du selbst ahnst. Ich weiss du glaubst nicht an, na ja, Fantasiewesen. Für dich existiert nur diese reale Welt, aber es gibt so viel mehr. Du bist viel mehr als einfach nur ein Mensch. Ich war mir nie sicher, aber je länger ich dich kenne desto sicherer werde ich.“
„Kein Mensch! Was soll ich dann sein!“
Er zuckte mit den Achseln. „Ich weiss nicht was du bist. Aber ich weiss dass es übernatürliche Dinge gibt. Versuch dich darauf einzulassen.“
„Auf was?“
„Auf das was mit dir passiert, auf die Veränderung. Nimm sie an, es wird leichter gehen.“
Wir schwiegen erneut, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken. Bis es den Nachtisch gab und wir uns wieder an den Tisch setzten. Trotzdem fiel es mir nicht leicht, unbeschwert zu wirken. Was er mir gesagt hatte, verwirrte mich.
Es war etwas nach elf Uhr als Tarek und Lina sich auf den Heimweg machten. Was ich jetzt wollte war eine kalte Dusche. Die Kälte verschaffe mir wieder einen klaren Kopf und den brauchte ich dringend. Ich duschte ausgiebig, dann schlüpfte ich in mein Pyjama. Im Zimmer setzte ich mich an meinen Schreibtisch und startete meinen Laptop. Er brauchte eine halbe Ewigkeit. Alter Schrotthaufen. Endlich erschien mein Desktop und Tarek, Liv und ich lachen mir entgegen. Das Foto stammte von unseren Campingferien vor zwei Jahren. Automatisch musste ich lächeln, wurde aber schnell wieder ernst als mir einfiel, warum ich den Laptop gestartet hatte. Bevor ich es mir anders überlegen konnte, öffnete ich Google und gab *Elben* ein. Es kamen verschiedene Ergebnisse, ich wählte das erste und kam auf den Wikipediaeintrag Elben (Mittelerde). Ich las die ersten Zeilen. So erfuhr ich einiges über die Elben, die von J.R.R Tolkien für seine Bücher erschaffen wurden. Wie zum Beispiel für der Hobbit und der Herr der Ringe. Diese Namen sagten mir etwas, Liv war Fan davon und wollte mich schon seit Jahren dazu bringen, mir die Filme anzusehen. Bis jetzt hatte sie keinen Erfolg. Ich klickte auf den Zurück-Button und dann auf Bilder. Ich erschrak so sehr, dass ich mit dem Stuhl nach hinten fiel, da ich zu schnell aufgestanden war. Fluchend stehe ich auf und sehe mir die Bilder nochmals an. Das konnte einfach nicht wahr sein. Der eine Elb sah eindeutig genau so aus wie Sten Alvarsson. Ich wählte ein Bild aus, um es mir genauer anzusehen. Darauf sah man Alvarsson, der einen Bogen spannte, neben ihm auf der linken Seite stand eine Elbe mit roten, sehr langen Haaren und rechts von ihm ein Elb mit ebenfalls langen, blonden Haaren. Die Überschrift das Bildes lautete, “Die Elben aus der Hobbit“. Ich starrte noch eine ganze Weile auf das Bild, oder besser gesagt auf den Elb der aussah wie Alvarssons Zwilling. Schliesslich riss ich mich vom Bild los, fluchte über mich selbst, fuhr den Computer hinunter und legte mich ins Bett. Ich hatte heute genug gehört und gesehen. Jetzt wollte ich nur noch Ruhe. Und die sollte ich bekommen. Schneller als gedacht schlief ich ein. Bald träumte ich von Elben, in langen silbernen Gewändern, alle hatten sie blonde Haare und zu meinem Pech das Gesicht von Alvarsson.
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Love me till the End
SonstigesSo das ist eine Herr der Ringe/ Hobbit FF. Sie spielt nach der Herr der Ringe. Die Rückblicke jedoch vor dem Hobbit. Seraphia ist 19. Was sie nicht weiss, sie wurde wiedergeboren. Ihr Leben verläuft ihn normalen Bahnen, sie macht eine Lehre, besucht...
