Leid und Lust

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Da hatte ich mich so sehr darauf gefreut, Sten nicht mehr sehen zu müssen und nun sah ich ihn fast jeden Tag. Ich hatte keine Ahnung woher er über das Wissen verfügte, dass er an den Tag legte. Und obwohl ich ihn nicht ausstehen konnte, musste ich mir eingestehen, dass er seinen Job gut machte. Aber ich hielt es nicht lange neben ihm aus. Das hatte durchaus auch etwas Positives. So fuselte ich im ganzen Stock herum und suchte nach Arbeit, die mich nicht in seine Nähe brachte. Leider gab es nicht immer etwas zu tun. So wie heute, alle Arbeiten waren erledigt und kaum ein Kunde verirrte sich zu uns. Ich sass an der Info, Sten ebenfalls. Ich starrte auf den Bildschirm und zählte im Stillen die Minuten bis zu meiner Mittagspause. Ab und zu warf ich einen raschen Blick zu Sten, aber der schien Rezessionen zu lesen.  Sich neben ihm aufzuhalten, war Folter. Erstens kam ich mir klein und unwichtig vor, fast alle Kunden steuerten direkt auf ihn zu und übersahen mich einfach. Zweitens war mein Inneres stets in Aufruhe. Auf keinen Fall waren es Schmetterlinge im Bauch, nein, das war etwas anders. Etwas, dass ich noch nicht recht zu deuten wusste. Es gab Tage, da hätte ich ihm am liebsten die Augen ausgekratzt und wiederum gab es Momente, wo ich ihn bewunderte und mochte. Ja manchmal mochte ich ihn wirklich. Unglaublich diese Vorstellung. Nicht?
Nun sass ich schon eine ganze Weile da und wurde immer unruhiger. Sten schien es zu bemerken. Ich spürte wie er mich ansah, starrte aber weiterhin auf den Bildschirm.
„Muss ja unglaublich spannend sein. Das was du dir anschaust“, meinte er.
Oh nein, er erhob sich und stand kurz darauf neben mir. Sein Duft nach Wald und Bäume lullte mich ein. Er roch sooo gut.
 „Konzentrier dich!“, befahl ich mir selber.
„Ah, eine neue Haarfarbe soll also her“, stellte er fest. Ich nickte, denn ich traute meiner Stimme nicht.
„Und welche Farbe?“, fragte er weiter.
„Schwarz“, brachte ich mühsam hervor.
Stens Augen wurden gross, er musterte mein Gesicht.
„Würde passen, denke ich. Es macht dich höchstens bleich. Wieso willst du sie färben? Deine Haare sind doch schön.“
„Er fand meine Haare schön“, schoss es mir durch den Kopf. Nach seiner Reaktion zu urteilen musste ich entweder geschockt oder verwirrt ausgesehen haben. Vielleicht beides.
„Was?“
„Ni.., gar nichts.“
„Deine Haare sind schön, hat dir das noch Niemand gesagt.“
Ich zuckte nur mit den Achseln, schaute wieder auf den Bildschirm. Wo war die Uhr? Ich musste weg, ganz schnell. Endlich, es war zwölf Uhr, Mittag. So schnell ich konnte schnappte ich mir meine Tasche und verliess den Laden. Oh man, dass war vielleicht strange gewesen. Seit wann machte Sten mir Komplimente? Meistens behandelte er mich eher wie Luft. Egal, ich wollte es vergessen. Nein, ich sollte es lieber vergessen, bevor mein Herz noch auf dumme Ideen kam.

Beim Beck kaufte ich mir eine Pizza und wollte mich gerade auf den Rückweg machen, als jemand meinen Namen rief. Ich drehte mich um und sah Dan, der mir freudig zuwinkte. Er kam zu mir und einen Moment später sassen wir vor der Bäckerei und assen zu Mittag. Dan stelle mir viele Fragen, doch es störte mich nicht. Ich erzählte ihm von den bevorstehenden LAP-Prüfungen, von der Arbeit (wobei ich Sten nicht erwähnte) und von Liv. Er unterbrach mich selten und oft lachte er tief, so das sein Bart wippte, was mich selbst zum Lachen brachte.
„Und wie macht sich Sten so?“, fragte er schliesslich und ich hätte mich beinahe an einem Stück Pizza verschluckt.
„Gut.“
Dan verengte die Augen und blickte mich mit diesem WEICH-MIR-NICHT-AUS Blick an.
„Er macht seine Arbeit sehr gut. Zufrieden?“
„Ja, und wie behandelt er dich?“
„Warum fragst du?“
„Weil es mich interessiert.“
„Unterschiedlich, ich werde nicht schlau aus ihm“, gab ich etwas niedergeschlagen zurück, „manchmal ist er echt nett und dann ist er wieder kalt und unnahbar. Darf ich dich was fragen?“
„Klar, alles was du willst.“
„Sten und du, ihr seid nicht von hier. Wenn ich an Unnatürliches glauben würde, was ich nicht tue, dann könnte man glatt meinen das Sten Legolas ist und du Gimli. Ich frage mich ob euer plötzliches Auftreten mehr zu bedeuten hat, als es den Anschein hat.“
„Du bist klug, das sind ja angeblich alle Elben.“ Auf meinen erschrockenen Blick hin winkte er nur ab.
„Hast du geglaubt, ich wüsste es nicht?“, fragte Dan.
„Naja ich glaube es ja selbst kaum.“
„Nun ich kann dir eines sagen, meine Liebe. Du bist eine Elbe und ja ich bin Gimli und damit liegt auch deine andere Vermutung richtig. Wir haben unsere Welt verlassen um nach Tauriel zu suchen. Sten ist sich immer noch nicht ganz sicher, ob du oder Liv die wiedergeborene Tauriel ist.“
„Oh nein! Nein, nein, nein! Ich mag eine Elbe sein, aber ganz bestimmt nicht Tauriel!“, ich hatte Mühe leise zu bleiben und Dan nicht einfach anzuschreien. Aber was hätten dann die anderen Leute gedacht, die im Café sassen oder an uns vorbeigingen. Mein Kopf schwirrte.
„Bitte beruhige dich. Ja. Es war nur ein Gedanke, eine Möglichkeit. Wer glaubst du, dass du bist?“
„Ich weiss es nicht“, plötzlich fühlte ich mich müde, klein und ausgelaugt.
„Ich habe keine Ahnung was und wer ich bin. Bis jetzt war ich einfach Seraphia, ein Menschenmädchen. Mit ganz normalen Problemen und nun? Es ist zu viel auf einmal.“
Gimli zeigte echtes Mitgefühl, was ich von einem Zwerg nicht erwartet hätte.
„Falls du Fragen hast, kannst du mich jeder Zeit anrufen.“ Da streckte er mir einen Zettel mit seiner Handynummer entgegen, stand auf und ging. Ich sass noch eine Weile perplex da und starrte auf den Zettel in meiner Hand. Seit wann hatten Zwergen Handys?

Nach dem die Stunde um war, kehrte ich in die Buchhandlung zurück. Im kleinen Raum traf ich auf Sten. Wir waren alleine und ich nütze die Gelegenheit.
„Ich bin nicht Tauriel“, sagte ich ruhig aber bestimmt. Mit einem Ruck drehte er sich um und starrte mich an. Seine Augen funkelten böse.
„Ach nein?“
„Nein! Ich mag ja eine Elbe sein, aber bestimmt nicht Tauriel!“ Ich wurde etwas lauter.
„Und woher willst du es wissen?“
Langsam verlor ich wirklich die Geduld. Warum musste er alles hinterfragen?
„Ich weiss es eben! Wenn jemand lügt, dann du! Le-.“ Weiter kam ich nicht den er drückte mich an die Wand und hielt mich zwischen seinen Armen, die links und rechts von meinem Kopf waren, gefangen.
„Wage es nicht! Ich Lüge nicht, ich habe bloss hinterfragt“, zischte er leise, in dem Moment erinnerte er mich stark an seinen Vater.
„Du bist wie dein Vater!“ Ich schlug gegen seine Brust, Sten blieb unbeeindruckt.
„Lass mich los! Verdammt nochmal! Verschwinde aus meinem Leben! Such deine Tauriel wo anders und Hau-.“
Seine Lippen drückten sich hart auf meine. Ich erstarrte. Träumte ich? Nein. Seine Lippen öffneten, bewegten sich. Oh Mann. Er konnte echt gut küssen. Seine Hände fuhren hinab zu meinen Hüften. Sein Kuss wurde intensiver. Seine Berührungen jagten tausende Blitze durch meinen Körper. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich vergrub meine Hände in seinen Haaren und zog ihn näher zu mir heran. Sten seufzte an meinen Lippen. Sein Körper presste sich gegen Meinen, als wolle er jeden Raum zwischen uns überwinden. Seine Zunge schob sich zwischen meinen Lippen hindurch. Nun stöhnte ich, und ich spürte wie meine Nippel hart wurden. Er erregte mich zu sehr. Aber in diesem Moment konnte ich keine klaren Gedanken fassen und versank in dem Strudel der Leidenschaft.

„Ups!“
Sten und ich liessen abrupt voneinander ab. Meine Mitstiftin stand im Türrahmen und schaute uns an.
„Vergiss was du gesehen hast“, sagte ich schnell, aber sie war schon um die Ecken verschwunden. Na super! Bald würde der ganze Laden davon wissen. Verdammt! Ich schaute zu Sten und der grinste mich an.
„Was?“, fauchte ich.
„Du bist nicht Tauriel.“
Ich schaute ihn verständnislos an.
„Wärst du Tauriel, dann hätte mir der Kuss am Ende etwas bedeutet.“
Das sass. Nur nichts anmerken lassen.
„Da bin ich aber froh. Wäre ich nämlich sie, so müsste ich dich enttäuschen. Schliesslich liebe ich dich nicht. Niemals!“
„Gut.“
Dann ging er. Ich hätte die Wände hochgehen können. Am liebsten hätte ich auf ihn eingeschlagen, ihn verflucht! Aber ich war selbst schuld, oder besser gesagt, mein verräterisches, kleines Herz. Es gab keine Zukunft für uns. Er liebte Tauriel und ich war mir sicher, dass er sie finden würde. Ich war höchstens ein Spielzeug. Etwas, das er nehmen konnte, wann er wollte und dann fallen lassen würde, sobald Tauriel gefunden war. Nein, ich würde ihn mir sofort aus dem Kopf schlagen und diesen Kuss vergessen.
 

So, ich hoffe es hat euch gefallen. Wie immer würde ich mich über eure Meinungen freuen.
Glg Gwen

Love me till the EndWo Geschichten leben. Entdecke jetzt