15. Kapitel

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Thomas und ich standen seit bestimmt schon einer halben Stunde in der Warteschlage, die zum Ticketkauf für den Eislaufplatz führte. Nicht zu erwähnen - die Schlage bewegte sich sehr, sehr, sehr langsam.

Thomas, welcher in einen langen Mantel und Schal gehüllt war, wirkte jedoch vollkommen entspannt. „Wie lang dauert das noch?", knurrte ein Mann hinter mir und ich war gerade dabei mich umzudrehen und dem Kerl zu sagen, dass wir alle bereits seit einer gefühlten Ewigkeit wartete, als sich eine Hand um meine Schultern legte und an mich einen warmen Körper zog.

Wie ein Blitzschlag durchzuckte mich die Berührung und mein Kopf fuhr nach oben. Uns trennten zwar nur einige Zentimeter an Größe, doch in diesem Moment schien sein Gesicht näher als je zuvor. Und Thomas schien das mehr als bewusst zu sein. Mein Blick traf auf seinen und ein kokettes Lächeln huschte über seine Gesichtszüge.

Da traf es mich – er hatte das mit Absicht gemacht! Nicht, dass ich mich ernsthaft beschweren würde. Ich genoss die Nähe (und Wärme) seines Körpers und schmiegte mich näher an ihn.

Und bevor ich es überhaupt realisierte, standen wir auch schon auf dem Eis. Als Thomas sich von mir löste, um sich seine Schlittschuhe anzuziehen, machte sich ein mir sehr bekanntes Gefühl im Magen breit. Verlust.

Dieser Verlust fühlte sich natürlich nicht so an, wie der Verlust einer geliebten Person oder eines Haustiers, aber dennoch war da dieses schmerzhafte Sehen. Doch jetzt war nicht der richtige Ort für melodramatisches Getue, also schob ich dieses seltsame Verlangen nach Nähe beiseite und machte mich daran, mir auch meine Schlittschuhe anzuziehen.

* * *

„Verdammt!"

„Hast du dir weh getan?", fragte Thomas besorgt.

„Nein, ich habe nur meine Handschuhe in der Wohnung vergessen", stellte ich fest, als ich erfolglos die Taschen meines Mantels durchsuchte.

„Du kannst ruhig meine verwenden", bot er an und hielt mir schwarze, wollene Handschuhe hin, die mir sicher um eine Nummer zu groß wären.

„Danke, aber was ziehst du dir dann an?"

„Ich werde es schon aushalten", meinte er und drückte sie mir in die Hand. „Jetzt komm, dann können wir noch ein bisschen die freie Bahn genießen, bevor die Massen hereinstürmen."

Hand in Hand gingen wir auf das frische Eis, dass durch den Schien der Sonne wie ein riesiger Spiegel wirkte. Vereinzelt befanden sich schon Leute auf dem Eis, viele wärmten sich gerade auf, einer versuchte sich an einer Pirouette und ein kleiner Junge, der gerade hingefallen war, begann wie wild mit den Stahlkufen auf das Eis einzuhacken.

„Ein kleines Rennen gefällig?", lenkte Thomas nun meine Aufmerksamkeit zu sich.

„Klar. Aber du kannst dich jetzt schon darauf einstellen, dass ich dich besiegen werde", erwiderte ich mit einem Grinsen.

„Da ist aber jemand von sich eingenommen", kommentierte er spitzbübisch. „Mal schauen, ob das so bleibt, wenn ich dich besiege." Und dann zischte er los.

„Oh, du!", entwich es mir und ich rannte ihm hinterher.

Zugegeben, Thomas war gut. Aber keinesfalls so gut wie ich. Wie Blitze glitten wir über die Oberfläche des Eisplatzes, sodass die Welt um uns herum nur noch verschwommen zu sehen war.

Wir waren nur noch etwa 20 Meter vom anderen Ende der Bahn entfernt, als ich die letzten Zentimeter aufholte und Thomas überholte. Der eisige Wind blies mir ins Gesicht, riss an meinen Haaren und machten es fast unmöglich Luft zu holen. Doch das würde mich nicht aufhalten Thomas in unserem kleinen Wettrennen zu besiegen.

The Way of our Hearts - Ist Liebe Stärker als die Angst?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt