Kapitel 22

422 36 8
                                    

Danach hatte nur noch Stille zwischen uns beiden geherrscht, bis ich nach kurzer Zeit meinte, dass ich wieder zurückgehen würde, weil es mir nicht gut ging. Und tatsächlich hatte ich, ohne wirklich Emotionen fühlen zu können, in meinem Bett gelegen, gegen die Decke gestarrt und mir nichts mehr gewünscht, dass das alles sein Ende finden würde. Es war eine wirklich lange Zeit hergewesen, dass ich in solch einem Zustand regelrecht apathisch in meinem Bett lag.

Aber nun saß ich hier; Irgendwie war ich nach wie vor hier und sah zu, wie sich der Vorlesungssaal mehr und mehr füllte. Dementsprechend stieg auch meine Angst vor dem heutigen Tag, weil ich wusste, dass es das erste Mal sein würde, Jeongin wiederzusehen. Oder ich hoffte mir einfach nur, dass ich ihn wiedersehen würde, weil ich sonst nur die Leute in meinem Studiengang hatte, mit denen ich aber vielleicht in den vergangenen Monaten drei bis vier Sätze gewechselt hatte und somit viel eher als ein Außenseiter, der sich nicht integrieren wollte, unter ihnen bekannt war. Sicherlich kannten mich die wenigsten beim Namen.

Felix ghostete ich seither auch nur noch. Am selben Tag hatte er mich zugespamt, wie leid es ihm doch tat und seine Worte rein aus Emotionen über seine Lippen kamen. Er wollte mir keineswegs zu nahekommen und recht schnell kam er auch zu dem Entschluss, dass es seine Schuld sein musste, obwohl es meine eigene war. Ich konnte und wollte nicht über meinen Schatten springen, sodass ich am Ende so endete, wie ich geendet war. Allein, mit lauter Selbstvorwürfen und besonders mit einem mir vorkommenden höheren Level an Angst. Wobei ich mir nicht einmal mehr sicher war, wie viel ein Mensch überhaupt davon empfinden konnte.

Erneut leuchtete mein Handy auf und eigentlich hatte ich mit einer Nachricht von Jeongin gerechnet, in der stand, wann und wo wir uns treffen würden. So wie es jedes Mal am ersten Tag des neuen Semesters der Fall war. Doch es war von Felix, wodurch mir der Hals zugeschnürt wurde. Dabei waren seine Nachrichten lieb gemeint und viel eher hätte ich darüber glücklich sein sollen, dass er an mich dachte, obwohl ich ihn behandelte, als wäre er nicht existent. Aber ich konnte nicht. Irgendetwas hielt mich davon ab dies jemals zu sein.

Felix
Ich wünsch dir einen guten Start ins neue Semester!!

Felix
Wenn was ist, kannst du mir gern schreiben...

Aber ich war mir sicher, dass er wusste, die Chancen würden gar gegen Null gehen und es dementsprechend unwahrscheinlich war, dass ich überhaupt auf seine Nachrichten auch dieses  Mal nicht antworten würde. Eigentlich hätte es der Grund sein sollen, dass ich mich schlecht fühlte. Komischerweise tat ich dies aber nicht, weil ich ihn nach wie vor eher im ahnungslosen ließ und das gleiche Spiel spielte, wie bei allen anderen in meinem Umfeld auch. Ich versuchte so wenig über mich preiszugeben, sodass ich mich nicht selbst verriet.

Erneut blinkte mein Handy auf, zeigte mir dieses Mal eine neue Nachricht an. Dieses Mal jedoch von Jeongin, auf die ich mehr oder weniger gehofft hatte. Nachdem ich aber gesehen hatte, was der Inhalt war, wünschte ich mir glatt, dass ich keine bekommen hätte. Denn dies hatte mir tatsächlich den Tag sofort versaut und zeigte mir, dass ich nun auch endgültig meinen letzten Freund, den ich hatte, verlor. Und anstatt traurig oder enttäuscht zu sein, spürte ich die Wut in mir hochkochen. Den Hass, den ich immer verdrängte, wenn Seungmin mir Ungerechtigkeit antat und dem eigentlichen Fakt, dass ich wohl nie einen wirklichen besten Freund hatte. Dieser sich nur so betitelte, damit ich zufrieden war. Es war naiv von mir zu denken, dass Felix' Worte, die er mir im Bezug zu den Beiden sagte, nicht so stimmten. Und vielleicht hatte auch Seungmins Neid dazu geführt, dass ich meinen vermeintlichen besten Freund wieder an ihn verlor.

Jeongin
Warte nicht auf mich. Ich geh jetzt an dieselbe Uni wie Seungmin!!

𝗦𝗰𝗮𝗿𝘀 ✧ HYUNLIXWo Geschichten leben. Entdecke jetzt