Kapitel 33

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Irgendwie war es erbärmlich von mir zu denken, dass ich mit meinen wenigen Zeilen an Text etwas ändern konnte außer mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und selbst das hatte nicht einmal mehr geklappt. Jeongin hatte es nur gelesen, jedoch nicht darauf geantwortet, obwohl es zu einem gewissen Teil vorherzusehen war. Nur was sollte ich denn noch machen, außer mich zu entschuldigen und auf ihn zuzugehen? Zu einer Freundschaft gehörten immer zwei und vielleicht hatte ich so viele Möglichkeiten in der Vergangenheit gehabt, dass mir eine weitere seinerseits verwehrt wurde. Letztlich konnte ich nicht alles beeinflussen, obwohl ich das zu gern getan hätte. Bestimmte Dinge sollten nicht sein. Und so wie es ausschaute, sollten Jeongin und ich keine Freundschaft führen und das brachte mich wiederum zum Grübeln, ob ich es nicht doch schon viel früher hätte ändern können. Dinge ins Positive verändern, als all das auf mich zukommen zu lassen.

Aber hierauf würde ich nie eine geeignete Antwort finden, außer eine vielleicht, welche mich alles andere als zufriedenstellte.

Wie abgemacht, ging ich nach meinen Vorlesungen zum Café von Felix, um einerseits nicht wieder in seiner Wohnung eingefärcht zu sein und andererseits um die restliche Zeit in seiner Nähe zu sein. – Also wäre ich dies sowieso nicht rund um die Uhr. – Jedoch beruhte dies auf Gegenseitigkeit. Schließlich hatte er mir zunächst den Vorschlag gemacht, ich hatte eingewilligt und irgendwie wurde es in dieser kurzen Zeit zu einer kleinen Selbstverständlichkeit. Ein Ort, den ich ein wenig zum Lernen nutzen konnte, ohne mich abgehetzt zu fühlen.

Vom weiten konnte ich schon den kleinen Laden sehen und tatsächlich freute ich mich gleich an meinem Ziel zu sein. Den einzigen Menschen, der mich gerade noch bei sich haben wollte. Jedoch gefror mir das Blut in meinen Adern als ich an der nächsten Kreuzung ankam, die grün war und ich Jeongin sah, wie er zusammen mit Seungmin umherlief und mir bewusst wurde, dass er viel glücklicher wirkte als ich die letzten Tage. Ironischerweise kreuzten sich unsere Blicke und ich fühlte mich wie in Trance, indem ich alles um mich herumvergaß. Als würde ich nur noch ihn sehen.

Es war der letzte Klickmoment, der mir endgültig gefehlt hatte, um zu verstehen, dass wir nie wirklich befreundet waren. Er war nur befreundet mit mir, weil ich sonst niemanden mehr hatte. Aus Mitleid, weil er der letzte war, der sich für mich verantwortlich fühlte. Als wäre ich ein kleines Kind, welches nicht selbst auf sich aufpassen konnte. Der mich nicht mochte, weil ich in seinen Augen etwas besonders war, sondern weil er mit mir irgendwie auszukommen hatte. Und ja, der Gedanke war gemein. Er war böse und doch schien es in diesem Moment das Logischste zu sein, als ich ihn sah, wie glücklich er mit Seungmin erschien. Während er eher besorgt und zugleich genervt in meiner Nähe herüberkam, weil er noch immer mit mir zu tun haben musste. Weil ich nicht auf eigenen Beinen stehen konnte.

Und dann wurde Jeongins Blick auf einmal panisch. Er schien mich anzuschreien, doch er war zu weit weg. Ich konnte ihn nicht hören und zugleich wusste ich auch nicht, was ihn dazu veranlasste.

Sobald ich aber meinen Blick von ihm abwenden konnte ich, realisierte ich, dass ich auf der Fahrbahn stehen blieb. Mitten auf der Straße und plötzlich hörte ich auch, wie alles laut war und sobald ich meinen Kopf neigte, ein auf mich zufahrendes Auto auf mich zukommen sah, kannte ich auch den Grund für sein Verhalten erkennen. Mein Körper schien wie gelähmt, ich konnte mich nicht mehr bewegen und dieses Mal wusste ich, dass es keine Illusion war. Das war die Wirklichkeit. Mein persönlicher Albtraum, den ich früher immer vermied und ich zu erlernen hatte mit diesem umzugehen. Und nun wurde er Realität.

Es wurde schwarz und alles wurde taub.

𝗦𝗰𝗮𝗿𝘀 ✧ HYUNLIXWo Geschichten leben. Entdecke jetzt