Mit gefesselten Händen und Knebel im Mund wird es schwierig etwas zu trinken.
Marvin wird sich so schnell nicht hier blicken lassen, wäre meiner Meinung nach zu riskant.
Mit blankem Entsetzen muss ich feststellen, das ich total die Arschkarte gezogen habe, als oben eine Türe zudonnert und Sekunden danach quitschende Reifen zu hören sind.
Oh mein Gott, der hat vergessen meine Fesseln zu lösen!
Fest entschlossen versuche ich irgendwie meine Hände durch drehen und ziehen von den Fesseln zu lösen.
Mehr als brennende Schmerzen zu verursachen schaffe ich somit nicht, da die Fesseln viel zu fest angebracht wurden.
Mein Kampfgeist ist momentan unermüdlich und ich wälze mich auf dem Boden hin und her und weist selbst gar nicht was ich damit bezwecken will.
Ich rolle mich auf den Bauch und versuche meinen Körper richtig locker zu lassen um so irgendwie meine Hände befreien zu können.
Mein Zorn und meine Angst wachsen von Sekunde zu Sekunde und in wilder Rage schreie ich wie eine Irre in meinen Knebel, bis es anfängt mich zu würgen.
Lina, tief einatmen.... ganz ruhig!
Wenn du jetzt kotzen musst, erstickt du qualvoll!
Das muss jetzt nicht unbedingt sein!
Zum Glück bekomme ich meine Atmung relativ schnell wieder in den Griff und versuche zur Abwechslung meinen Knebel loszuwerden, indem ich seitlich mein Gesicht über den Beton ziehe.
Nachdem meine Wange brennt und wahrscheinlich schon blutig geschrammt ist, gebe ich auch diesen Versuch auf, denn der Knebel hat sich keinen Millimeter bewegt.
Ich liege stöhnend auf dem Boden und hoffe das erste Mal in meinem Leben, das Marvin sich schnell auf den Weg zu mir macht.
Der Boden ist arschkalt und ich male mir schon aus, das ich spätestens morgen eine Blasenentzündung begrüßen kann, die mir zusätzlich mein Leben in diesem Loch versüßt.
Worauf ich schon auf das nächste Problem aufmerksam werde:
Was ist wenn ich aufs Klo muss?
Eine Frage wirft die nächste Frage auf und ich versuche jetzt einfach meinen Kopf auszuschalten und mich darauf zu konzentrieren, meinen Arsch wieder irgendwie auf die Decke in der Ecke zu bringen.
Eigentlich bin ich recht froh das mich Niemand sieht!
Dieses Spektakel würde ich keinem zumuten wollen, da ich wie ein gestrandeter Wal der wild um sein Leben zappelt, aussehen muss.
Ich schaffe es mich bis in die Ecke zurück zu Rollen und weis, als mein Kopf gegen die Wand schlägt, das ich mein Ziel erreicht habe.
Momentan wünsche ich mir, ich hätte auch mal Wert auf Bauchmuskeltraining gelegt, denn dann wäre es viel einfacher, mein Körper aufzurichten.
Nach akuter Atemnot, drei gequetschten Fingern und einer schmerzenden Schulter später, sitze ich wieder halbwegs mit meinem Hintern auf der Decke.
Hey, der ganze Körper kaputt, aber scheiß drauf.... Hauptsache keine Blasenentzündung! Hahahhahaa....
Wie kannst du jetzt noch lachen? Wahrscheinlich Selbstschutz...
Durch den Türschlitz dringt kein Licht mehr durch, darum kann ich davon ausgehen, das die Nacht herangebrochen ist.
Wenn ich mir vorstelle, was für Sorgen sich jetzt wohl alle machen werden, wird es mir ganz schlecht.
Momentan bete ich aber dafür, das Marvin endlich hier auftaucht und mich aus dieser misslichen Lage befreit.
Ich denke nicht das es in seinem Sinne ist, mich hier qualvoll verrecken zu lassen, allerdings weiß er nicht das ich hier gefesselt und praktisch meinem Schicksal ausgeliefert bin....
Wenn der Feind zum Retter wird.
Total erschöpft lehne ich mich in die Ecke und versuche ein bisschen zu schlafen.
Ein pochender Schmerz in meinem Kopf und in meiner Blase erwecken mich wieder zum Leben.
Meine Blase ist bis zum zerreißen gespannt und ich verfluche mich dafür, das ich gestern so viel gesoffen habe!
Was mach ich jetzt?
Lange halte ich das nicht mehr aus!
Vielleicht kommt er bald und lässt mich dann aufs Klo....
Halte durch Lina!
Mein Mund ist Staubtrocken und ich verspüre riesigen Durst!
Meine Arme, Handgelenke, Füße, mein Rücken.... ach einfach alles tut mir weh und ich frage mich, wie lange ich es hier wohl noch aushalten muss.
Ich versuche nochmal ein bisschen zu schlafen, da ich unbeschreiblich müde bin, aber die Kopfschmerzen und meine volle Blase bringen mich um den Verstand.
Du musst deine Blase leeren, bevor die Schmerzen größer werden!
Meine Scham steigt jetzt schon auf ein unnatürliches Level und in meinem Gesicht breitet sich die Röte bei dem Gedanken aus, das ich mich jetzt gleich absichtlich vollpinkeln werde.
Um diesen Akt durchzuführen rolle ich mich allerdings an das andere Ende dieses Raums, wobei ich fast umkomme wenn sich mein Bauch über den Boden drückt.
Lina, scheiß auf den Peinlichkeitslevel, mach einfach!
Wenn man so eine Person ist wie ich, die auch nicht im Wald pinkeln kann weil die Kloschüssel unter dem Popo fehlt, dauert es seine Zeit bis die Erleichterung eintritt.
Geistesgegenwärtig kämpfe ich mich in den letzten Sekunden noch auf die Knie und lasse beschämt meine Stirn gegen die Wand fallen, als ich merke wie sich die warme Flüssigkeit an meinem Oberschenkel entlangzieht.
Erdboden tu dich auf, ich will in dir versinken!
Ein Gefühl des Ekel lässt mich erschaudern und ich arbeite mich auf meinen Knieen wieder zurück auf meine Decke.
Wenigstens eine Sache ist wieder im Lot!
Die nächste Sache die sich unangenehm in den Vordergrund schiebt, sind meine Hände die langsam taub werden.
Nur Marvin kann mir dabei helfen.
Langsam verzieht sich die Angst und der Ekel vor diesem Mann und es schlägt in Hoffnung um.
Hoffnung, da er meine einzigste Rettung sein wird und dafür werde ich ihm wohl oder übel dankbar sein müssen.
Der Versuch mich abzulenken, endet in einer Katastrophe: ich schaffe es nicht durchgängig bis dreißig zu zählen, da ich immer vergesse wo ich gerade bin oder weil mir jegliche andere Gedanken in den Kopf schießen, die ich aber auch nicht bis zum Ende fertig denken kann.
Kann ich überhaupt noch was?
Ja, atmen!
Das ist aber auch das einzigste...
Ich bin so erschöpft und mein Hintern ist schon eingeschlafen, das ich mich auf den Boden fallen lasse und nonstopp auf den Türspalt spickle um zu wissen wann der neue Tag anbricht.
Meine Gedanken drehen sich durchgehend um Trinken, Essen, Schlafen und der Bitte, das Marvin endlich hier auftauchen soll.
Immer wieder drifte ich in einen leichten Schlaf ab, fühle mich aber nach jedem aufwachen schlechter als zuvor.
Das volle Tageslicht drückt irgendwann durch den Türspalt und die neue Hoffnung keimt in mir auf.
Vielleicht kommt er gegen Mittag!
Wie lange hast du jetzt schon nichts getrunken? Vielleicht einen dreiviertel Tag oder so.... geht also noch einigermaßen.
Vielleicht singe ich ein Lied....
Natürlich fällt mir jetzt kein Lied ein....
Vielleicht ein Kinderlied:
"Alle meine Entchen...." wie geht das noch gleich weiter? Oh mann Lina, verblödest du jetzt noch völlig?
Mir wird ziemlich übel mit der Zeit und mein Mund fühlt sich an, als wäre er komplett ausgetrocknet, was er wahrscheinlich auch ist.
Meine Verzweiflung schwingt langsam in Hoffnungslosigkeit über und ich glaube das ich eher vertrockne als das Marvin mich rettet.
Ich verbrauche gefühlt die letzte Flüssigkeit in Form von Tränen um mich gedanklich schonmal von der Welt zu verabschieden.
Alles ist Still.
Furchteinflößend still!
Kein Knarren, kein Laut, eine sich öffnende Türe, kein Luftzug, kein....
MOMENT! Eine Türe?
Ich höre genauer hin und tatsächlich knarrt der ganze Boden unter schweren Schritten.
Anscheinend muss jemand vor der Türe stehen, denn das Licht scheint nur noch durch zwei kleine Stellen unter der Tür hindurch.
"Lina? Geh bitte von der Türe weg und stell dich in eine Ecke. Ich komme gleich rein und möchte dir nicht unnötig weh tun!"
Mein Tränenfluss wird um einiges Stärker, da ich mich so freue das Marvin endlich da ist.
Die Türe wird aufgeschlossen und langsam geöffnet:
"Lina? Antworte mir bitte!"
Hahahhahaha geht nicht!
Plötzlich wird das Licht angeschalten, das sich schlagartig wie ein Blitz in meine Augen rammt und ich daraufhin sofort meine Augen schließe.
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Wrong Way (ASDS)
FanfictionASDS - Fanfiction Die 18 Jährige Lina Wehr wird von zuhause rausgeschmissen und nimmt sich vor, bei ihrem Bruder Florian Wehr in Köln unterzukommen. Dank einer Freundin trifft sie leider eine folgenschwere Entscheidung. Kann Flo ihr helfen und komm...
