Kapitel 29

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Der Donnerstag war regnerisch. Es war die letzte Aprilwoche. Graue Wolken bedeckten den Himmel, dementsprechend war es kalt. Ich trug einen flauschigen grau-weißen Pullover, eine graue Jeans und dazu Overkneestiefel in schwarz, welche hinten eine Schleife hatten. Der Ethikunterricht war in Ordnung. Wir sprachen über Liebe und Lust und die Triebe dahinter, was mich innerlich grinsen ließ. Den Tag über hatte ich immer wieder ein komisches Gefühl. Ich war traurig und auf Kuschelkurs. Ständig kuschelte ich mich an Lasse, der es über sich ergehen ließ und mich tapfer in den Arm nahm. Auch der Deutschunterricht zog sich in die Länge, in Geschichte ließ ich mich dann endgültig meiner depressiven Stimmung hin und vermisste Marc so unendlich. Der Nachmittag in Kunst ließ kein Ende sehen und ich fragte mich, wie lang der Tag noch gehen sollte.

Als ich am Abend auf die Toilette ging, wurde alles klar. Ich hatte meine Periode bekommen. Ich hatte es schon vermutet, immerhin fiel ich außerhalb der Zeit nie in der Schule über Lasse her. Normalerweise kuschelten wir nur, wenn wir bei ihm Netflix schauten. Seufzend wechselte ich meine Binde und überlegte, was ich Marc schreiben sollte. Immerhin wollten wir uns am Wochenende treffen. Die gute Nachricht war, ich war nicht Schwanger. Ich beschloss ihm erst am nächsten Tag zu schreiben.

Freitagmorgen wachte ich mit Schmerzen auf. Ich hatte das übliche Ziehen im Rücken und mein Unterleib fühlte sich an, als würden Tausend Messer hineingestochen werden. Wimmernd nahm ich eine Schmerztablette und versuchte mich zusammenzureißen. Nach Bio und NWT folgte Mathe. Wir bekamen die Arbeit zurück. Die schlechteste Note war die Fünf bis Sechs, welche es zweimal gab. Und diese hatten Lasse und ich. Ich versuchte die Tränen zurückzuhalten. Ich war kein Mensch, der in der Schule vor allen anderen weinte und Schwäche zeigte. Doch als Frau Bagge mich rausholte, brach der Damm. Ich schob es auf meine Periode. Frau Bagge heiterte mich etwas auf. Diese stürmische und harte Frau hatte ich noch nie so nett und gefühlvoll erlebt. Sie bot mir ihre Hilfe an, welche in dankend annahm. Als ich später mit Lasse sprach, war dieser gut gelaunt. Und in dem Moment erfuhr ich, was '704' und 'S' bedeutete. Er hatte online ein Mädchen kennengelernt, welches 704 Kilometer entfernt wohnte und Selina hieß. Und es hatte ihn so richtig erwischt. Ich sah mir ihr Instagram an und als ich sie als 'süßen Durchschnitt' bezeichnete, war Lasse kurz beleidigt. Ich machte ihm klar, dass er verliebt war. Er erzählte mir, dass sie stundenlang telefonierten und als ich fragte, wie lange es schon ging, sagte er seit Sieben Tagen. Ich war nicht eifersüchtig oder sonstiges. Doch ich spürte, wie ein Mädchen, welches in Österreich lebte, mir meinen Bruder wegnahm. Sie waren gleichalt und es war das erste Mal, dass ich Lasse verliebt sah. Er hatte gute Laune, war mit den Gedanken wo anders und dauernd rot. Meine Mutter meinte, dass Fernbeziehungen nie hielten und es in zwei Monaten vorbei wäre. Ich wollte dass Lasse glücklich war. Und wenn sie ihn glücklich machte, dann musste ich es akzeptieren. Sie telefonierten bis zu Neun Stunden und Lasse schien wirklich auf Wolke Sieben zu sein. Auch wenn sie ihn in ihrer Instagram Story nicht als festen Freund bezeichnete sondern als 'ibf', was ich als 'Internet Best Friend' verstand. Vielleicht meinte sie auch 'Internet Boyfriend'? Aber dann hätte sie nicht dazu geschrieben, dass sie nicht zusammen waren. Sollte sie es auch nur ansatzweise wagen, meinem Bärchen das Herz zu brechen, würde ich persönlich vor ihrer Haustür stehen und ihr die Knochen brechen. Lasse hatte es nicht verdient traurig zu sein! Ich würde meinen besten Freund nicht leiden sehen.

Am Abend schrieb Marc mir und fragte wann er mich abholen sollte. Ich informierte ihn über meinen momentanen körperlichen Zustand. Doch er akzeptierte die Ausrede nicht und wollte mich trotzdem am nächsten Tag zu sich holen. Mich wunderte es, dass meine Mutter mich trotz den momentanen Noten wegließ, doch wahrscheinlich hatte sie sich schon daran gewöhnt. Immerhin schrie sie mich nicht mehr an. Und in Mathe erwartete sie kein Wunder mehr.

Ich erledigte nach dem Mittagessen noch meine Hausaufgaben, da ich das Wochenende bei Marc verbrachte und sonst keine Zeit hatte. Am späten Nachmittag lief ich dann die Straße runter, den 'SDP' Beutel geschultert und in einer Hand mein Handy. Marcs Mercedes stand am Straßenrand, in welchen ich sofort einstieg. Das Wetter war gut und die Sonnenstrahlen blendeten mich, was aber nach den regnerischen Tagen ein Geschenk war. Marc sah wie immer unverschämt gut aus. Der schwarze Pullover umspielte gekonnt seinen schönen Oberkörper und ein schiefes Lächeln lag auf seinen Lippen.

Verlangen nach ihmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt