Echte Gefühle?

72 2 0
                                    

Mittwoch, 28. November 2012

Den Morgen über konnte ich mich überhaupt nicht auf meine Arbeit konzentrieren. Gerade mal die Hälfte der Abrechnungen für diesen Monat konnte ich kontrollieren. Aber wie sollte meine Gedanken sich um Zahlen drehen, wenn ich gleich über Steve und meine Gefühle sprechen sollte. Schon gestern schwirrten mir seine Küsse durch den Kopf, ich konnte seine Lippen noch regelrecht auf meinen spüren. Meine einzige Hoffnung war, dass sich meine Gedanken nach dem Gespräch beruhigten und ich wieder meine Arbeit erledigen konnte. Halb in den Erinnerungen, halb in die Arbeit versunken, schreckte ich hoch als Timo an meine Tür klopft, um mich an den Termin mit Dr. Leuenegger zu erinnern. Ich bedankte mich bei ihm, stellte den Bildschirm ab und machte mich auf den Weg zu ihrem Büro.
Kurz darauf sass ich auf einem bequemen Sessel gegenüber von Dr. Leuenegger. Nach ihren Standardfrage, wie es mit der Arbeit läuft, kommt sie auf das Training zu sprechen. Meine unkonkretes «Ganz gut» wurde sie hellhörig und fragte nach. Normalerweise antwortete ich ausführlicher auf ihre Fragen. Ich erwähnte das Steve am Montag das Training übernommen hatte, das er mich leicht festhalten konnte, ohne dass ich in Panik geriet. Sie lächelte mich leicht an.

'Das überrascht mich nicht wirklich. Commander McGarrett hat die zwei Mal gerettet. Dein Unterbewusstsein weiss, dass er keine Gefahr darstellt und das ist gut. Es bietet dir eine Möglichkeit eine akute Panikattacke zu kontrollieren. Aber das erfordert Training. '

Sie erklärte mir das ich mein Unterbewusstsein so trainieren konnte, das egal wer mich festhielt mein Gehirn denken würde, dass es Steve wäre. Aber dafür musste ich das immer wieder üben, und zwar mit Steve und mit anderen Männern. In diesem Moment platzte es einfach aus mir raus.

'Ich habe ihn geküsst. '

Dr. Leuenegger blieb einen kurzen Moment still, bevor sie wieder anfing zu sprechen. Sie fragte ob ich Gefühle für ihn hätte und nach seiner Reaktion. Ich erzählte ihr von meinem Traum, von dem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit während dem Training und natürlich während der Küsse. Zu seiner Reaktion sagte ich nicht allzu viel. Nur das er die Nähe definitiv auch genoss, aber anscheinend das Gefühl hatte, mich auszunutzen. Sie gab mir verschiedene Aufgaben um herauszufinden ob die Gefühle, die ich hatte dadurch entstanden, dass mein Unterbewusstsein das Gefühl hatte ihm etwas zu Schulden oder ob es ganz normale Gefühle waren, die sich zwischen Menschen entwickeln können. Zudem sollte ich mich auch in Steve hineinversetzten, da seine Befürchtung anscheinend berechtigt war. Die Sitzung dauerte fast doppelt so lang, wie sonst. Nach knapp zwei Stunden verlies ich ihr Büro, verwirrter als ich davor war. Trotzdem meinte sie zum Abschied das ich eigentlich wieder alleine zurecht kommen würde und sie in zwei Wochen zurück in die Schweiz fliegen würde, wenn das für mich auch passte. Zurück zu ihrer Familie und ihren anderen Patienten. Zudem meinte sie, dass meine Gefühle sehr wahrscheinlich 'echt' waren.

Da ich mit meiner Arbeit im Verzug war, machte ich keine Mittagspause. Timothy war so nett und hatte mir ein leckeres Sandwich organisiert. Trotzdem hatte ich am Abend gerade mal die Arbeit, die ich für den Morgen eingeplant hatte, fertig.

Um den Kopf endlich frei zu kriegen, fuhr ich auf die Ho'ala Ranch. Kaum hatte ich die Tür von meinem Wagen geöffnet, stürmten die Rabauken auch schon über die Wiese in Richtung Cariba um sie zu begrüssen. Ich folgte ihnen und fand sie bei einer Reitstunde. Auf Dakota sass gerade ein Junge, so um die 12 Jahre alt, und übte mit ihr die ersten Dressurlektionen. Rajia und Sirko spielten daneben und Jari kam zu mir zurück. Ich begrüsste die beiden und machte mich mit Jari dann auf den Weg Eclipse zu holen. Kaum hatten wir, Jari trottet neben Eclipse her, die Ranch verlassen, steigerte ich das Tempo. Zusammen galoppierten wir durch den Wald und der von mir gewünschte Effekt trat ein, mein Kopf wurde immer leerer. Als ich um 20 Uhr nach Hause kam, wollte ich unbedingt noch mit Phi telefonieren. Sie wird garantiert einen schlauen Rat für mich haben, wie ich mit meinen Gefühlen und Steve umgehen soll. 

Wolf Saga - Heilendes WasserWo Geschichten leben. Entdecke jetzt