Und was jetzt?

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Zusammen tauchten wir in das Wasser meines Pools ein. Nebeneinander kamen wir am Beckenrand wieder hoch. Ich schaute unsicher zu ihm rüber, war er wütend? Seine Reaktion konnte ich überhaupt nicht einschätzen. In seinem Gesicht war nichts abzulesen, aber anstelle das er aus dem Wasser ging stiess er sich leicht vom Rand ab und kesselte mich zwischen seinen Armen und dem Rand ein. Wie aus dem nichts begann er zu grinsen.

'Dafür das ich ein schlechter Trainer war, hast du aber ganz schön was gelernt. '

Erleichtert atmete ich aus und grinste ihn nun auch an.

'Ich hab nie gesagt das du ein schlechter Trainer bist. Aber eigentlich wollte ich dir entkommen und nicht baden gehen. '
'Tja, das ging dann wohl schief. '

Mein Atem ging schwer. Sein intensiver Blick, seine Nähe brachten mich total durcheinander. Ich wusste nicht, was ich fühlte, ich wusste nur was ich, was mein Körper in dem Moment wollte. Das ging aber nicht nur mir so. Steve war immer nähergekommen. Seine Augen sprangen von meinen Augen zu meinen Lippen und wieder zurück. Als ob er auf eine Erlaubnis von mir wartete. Ich legte meine Hände auf seine Schultern und drückte meine Körper leicht gegen seinen. Er zögerte keine Sekunde mehr und drückte seine Lippen sanft auf meine. Eine Hand legte er an meine Hüfte, die andere in meinen Nacken. Nach viel zu kurzer Zeit löste er sich ein wenig von mir. Seine Augen schienen etwas in meinen zu suchen, aber das war mir in dem Moment völlig egal. Ich zog ihn wieder zu mir heran. Meine Hände in seinem Haar vergraben und die Beine um seine Hüfte gelegt, klammerte ich mich regelrecht an ihn. Diesmal war er nicht mehr so zurückhalten. Seine Zunge stiess gegen meine Lippen, welche ich leicht öffnete. Ich vergass alles um mich herum und liess mich völlig gehen. Schon lange hatte ich mich nicht mehr so sicher und wohl bei jemandem gefühlt. Nach einer Weile liess er von mir ab. Ich wollte schon protestieren, als er mich einfach so aus dem Wasser hob.

'Du zitterst. '

Das war das Einzige, was er sagte. Erst da merkte ich, wie kalt ich eigentlich hatte. Aber Steve schien die Nässe nichts auszumachen. Er stieg ebenfalls aus dem Pool, hielt mir die Hand hin und zog mich auf die Beine.

'Ich glaube ich habe noch eine Trainerhose und ein T-Shirt von meinem Vater hier. '

'Danke, etwas Trockenes wäre gar nicht so schlecht. '

5 Minuten später hatten wir beide wieder trockene Kleider an. Das T-Shirt war Steve zwar etwas zu klein, dafür betonte es seine Muskeln umso mehr. Kurzerhand hatte ich ihn zum Abendessen eingeladen. Während wir auf das chinesische Essen warteten, sassen wir gemütlich auf dem Sofa. Sirko und Rajia hatten es sich auf meinem Schoss gemütlich gemacht, während Jari sich an Steve kuschelt. Ich musste grinsen.

'Ist selten das Jari jemandem so schnell vertraut, dass sie kuscheln will. '
'Ich glaube ja, das liegt eher daran das du selten jemandem vertraust. '

'Das überrascht dich ja wohl nicht wirklich? '
'Nein, tut es nicht. Überrascht hat mich, dass ich dich beim Training festhalten durfte. Ich hatte erwartet das du eine leichte Panikattacke bekommst, nach deiner Warnung. '
'Ich dachte das auch. Beim ersten Versuch hatte ich ehrlichgesagt auch kurz ein Angstgefühl, aber das war so schnell weg, wie es gekommen ist. Du hast dir mein Vertrauen schliesslich auch verdient. '

Wieder schien er etwas in meinen Augen zu suchen. Der Blickkontakt liess einerseits ein Gefühl von Geborgenheit in mir aufsteigen, auf der anderen wurde ich immer unsicherer. Bereute er den Kuss? Hatte ich was Falsches gesagt? War ich ihm zu verkorkst? Ich hörte, wie er sagte, dass es befürchtet die Situation auszunutzen. In meinem Gehirn ratterte es, was er mir damit zu sagen versuchte. Glücklicherweise klingelte es genau zu dem Zeitpunkt an der Tür. Fast schon mit Lichtgeschwindigkeit gehe ich unser bestelltes Essen holen. Langsam kam ich mit der Tüte Essen zurück ins Wohnzimmer. Ich hatte meine Spareribs mit Reis und Gemüsenudeln vor mir stehen, Steve packte seine Won Ton Suppe und sein Zitronenhühnchen aus. Inzwischen wusste ich auch, auf was er mit seiner Aussage anspielte. Dr. Leuenegger hatte mir vor einiger Zeit erklärt, dass es ein Syndrom gäbe, bei dem Personen Gefühle für ihre Retter entwickelten. Trotzdem wusste ich nicht, wie ich ihm antworten wollte. Wartete er überhaupt auf eine Antwort? Sein auffordernder Blick beantwortete mir meine Frage. Zögerlich setzte ich zu einer Antwort an.

'Ich weiss nicht, was ich dir dazu sagen soll. Aber ich habe mich zu keinem Zeitpunkt ausgenutzt gefühlt. '

Während ich sprach, schaute ich auf meinen Teller. Ich konnte spüren, wie sein Blick auf mir lag, trotzdem ass ich weiter. Einige Bissen später, streckte Steve seine Hand aus und hob meinen Kopf sanft am Kinn an und drehte ihn zu sich. In seinem Gesicht konnte ich Erleichterung, aber auch Sorge ablesen. Jedoch wurde ich von seinen warmen Augen abgelenkt und direkt wieder in einen Bann gezogen. Fast schon flüsternd, meinte er:

'Ich mache mir trotzdem sorgen, dass du das später bereuen könntest. '

'Werde ich nicht. '

Meine Stimme war fest. In diesem Punkt war ich mir absolut sicher. Nur wie sollte ich ihm das klar machen? Vielleicht sollte ich mir die Meinung von Dr. Leuenegger anhören. Sie wird mir sicher einen Rat geben können. Aber bis dahin werde ich es wohl auf sich beruhen lassen müssen. Also versuchte ich das Thema zu wechseln. Ich fragte ihn nach seiner Zeit beim Militär und er erzählte mir von seiner Zeit in Afghanistan und ein bischen etwas zu der Zeit beim Navy-Geheimdienst. Gegen 10 Uhr machte sich Steve schliesslich auf den Nachhauseweg. Kurz vorher hatten wir noch abgemacht, dass es ab sofort jedes Montagstraining übernehmen würde.

Wolf Saga - Heilendes WasserWo Geschichten leben. Entdecke jetzt