Ich bin erwachsen!

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Freitag, 21. Dezember 2012
In den letzten zwei Wochen durfte ich mich daran Gewöhnen ständig einen Bodyguard um mich herum zu haben. Steve hatte darauf bestanden, dass entweder er oder jemand aus dem Sicherheitsteam der Wolf Company immer in meiner Nähe war. Seiner Meinung nach würde ich wohl noch eine Weile eine Zielscheibe bleiben. Ausserdem hatte ich am Montag nach der Drohung mit meinen Eltern, Phi und Dr. Leuenegger telefoniert, natürlich nach einander, und erzählte ihnen von der Drohung. Meine Eltern konnte ich nur knapp davon abhalten, wieder her zu fliegen oder mich zurück in die Schweiz zu holen, genauso wie Phi. Letzteren erzählte ich natürlich auch von der Nacht mit Steve, auch meiner Psychiaterin ist diese Tatsache nicht entgangen und hat mich nach meinen Empfindungen gefragt. Die Tatsache, dass ich Steve aufgefordert hatte, mich zu fixieren, passte ihr ganz und gar nicht. Sie erklärte mir, wieso das keine gute Herangehensweise war und dass ich das ja nie wieder machen sollte. In den folgenden Tagen ging ich wieder in meinen Tagesrythmus über, mit ein paar kleinen Änderungen. Neu ging ich jeden Morgen joggen, natürlich begleitet von Hund und Bewacher, danach ging ich wie immer ins Büro und am Abend war ich häufig auf der Ranch und trainierte mit meinen Pferdchen. Häufig ass ich zusammen mit Steve und seinem Team zu Mittag, manchmal kam er am Abend mit zu den Pferden und wir ritten zusammen aus und natürlich blieb ich immer mal wieder über Nacht bei ihm oder er bei mir.

In den letzten zwei, drei Tagen wünschte ich mir immer wieder etwas Zeit nur für mich. Auch wenn sich meine Bewacher unauffällig verhielten, spürte ich ihre Präsenz doch durchgehend. Da das Sicherheitssystem bei mir zuhause inzwischen ein ordentliches Upgrade erhalten hatte und niemand unbemerkt in den Garten, geschweige den ins Haus kommen würde, hatte ich mit meinem Vater eine Übereinkunft getroffen. Ich würde weiterhin in der Öffentlichkeit bewacht werden, aber zuhause sass ab sofort niemand mehr auf dem Sofa, um auf mich aufzupassen. Steve hatte ich noch nichts davon gesagt, da ich wusste, dass ihm das wohl nicht wirklich gefallen würde und ich noch etwas Zeit brauchte um herauszufinden wie ich es ihm schonend sagen konnte. Gut ich wusste meine Frist war abgelaufen, da mich Shawn gerade nach Hause fuhr und Steve nachher vorbeikommen würde.

'Was ist los, Alex? '

'Hmm.. Oh ich versuch nur herauszufinden, wie ich Steve ins Bild setzte ohne das er durchdreht. '

Er begann leicht zu lachen und ich schaute ihn verwirrt an. Shawn, sowie auch meine anderen Bodyguards und auch alle meine anderen Mitarbeitern, durften mich duzen und ich versuchte die Hierarchie so klein wie möglich zu halten. Ich mochte es nie über andere zu bestimmen und so war es viel einfacher einen guten Ideenaustausch zu haben.

'Wieso ist das so lustig? '
'Du kannst sagen, was du willst, aber er wird ganz sicher keine Freude daran haben. Er ist ein Ex-Navy-Seal und liebt dich, Alexandra. Er will dich in Sicherheit wissen, egal was es kostet. '
'Und woher willst du das wissen? '

Er schaute kurz zu mir herüber, bevor er mir gestand, dass er sich seiner Freundin gegenüber gleich verhalten würde. Und es vielleicht auch ab und an tut, was ihr anscheinend auch nicht immer zu gefallen schien. Anscheinend führte es immer Mal wieder zu kleineren Streitereien, aber er riet mir trotzdem, dass ich nicht um den heissen Brei herum reden sollte. Gerade heraus und ehrlich sein. Ausserdem machte er mich darauf aufmerksam, dass ich es vermutlich nicht ansprechen musste, da Steve sofort merken wird, dass niemand ausser mir zuhause war. Wir kamen bei mir an, Shawn kontrollierte kurz das Sicherheitssystem und ich verabschiedete ihn danach ins Wochenende.

Eine halbe Stunde später öffnete ich Steve die Tür. Nach einem kurzen Begrüssungskuss gingen wir uns Wohnzimmer und ich konnte sehen, wie seine Augen den Raum scannten. Zusammen mit meiner ziemlich offensichtlichen Anspannung hatte er schnell eins und eins zusammengezählt.

'Es ist niemand vom Sicherheitsdienst hier, oder? '

'Ja, ausser uns ist niemand hier. '

'Und wieso ist niemand hier? '

'Steve, weil ich etwas Zeit für mich brauche. Ausserdem ist es hier sicher und es ist mein Leben, also entscheide ich. '

'Verdammt Alexandra. Du hast keine Ahnung in was für einer Gefahr du bist. Die Taliban sind hinter dir her. Hast du das Gefühl, das ein Sicherheitssystem sie aufhält. Wenn sie dich wollen, kommen sie dich einfach holen, versteh das doch? '

'Ich weiss sehr wohl wie gefährlich sie sind. Du vergisst das ich mehrere Wochen gefangen gehalten wurde und gefoltert wurde. Aber in den folgenden 10 Jahren ist nichts passiert und die Drohung war ein Racheakt und hatte nichts mit den Terroristen zu tun. Das wissen wir beide. '

'Wie viele Tage bewacht dich schon niemand mehr? Wie viele, Alex? '

'Drei! '
'Drei!? Wieso hast du mir nichts gesagt? '

Bei seiner letzten Frage überdeckte die Besorgnis seine Wut. Ich war aber nach wie vor zu wütend über seine bevormundende Reaktion als das ich darauf reagierte.

'Weil es meine Entscheidung ist. Ich bin Erwachsen, Steve. Ausserdem hättest du es nie zugelassen.'
'Damit liegst du sehr richtig. Ab sofort lass ich ein Polizist vor deinem Haus wache halten. Dem kannst du nicht einfach frei geben. '

'Wag es nicht Steve! '

Statt mir zu antworten, nahm er sein Handy und bestellte einen Streifenpolizisten her. Mein Gehirn brauchte ich einen Moment, um zu realisieren, was gerade passierte. Er legte auf und richtet seine volle Konzentration wieder auf mich, machte sich wohl auf die zweite Welle bereit. Und die kam. Ich war extrem wütend, wie konnte er mich nur so bevormunden. Was dachte er sich dabei. Ich setzte zum Sprechen an und war überrascht, wie ruhig und kalt meine Stimme kalt.

'Geh, ich will dich nicht mehr sehen, Steve. '

Sein Blick wechselte von überrascht zu traurig, nickte aber und verlies ohne ein weiters Wort mein Haus. Ich liess mich auf das Sofa fallen und die Tränen fingen nur so an zu fliessen. Sofort waren meine Lieblings-Rabauken bei mir und sowohl Sirko, als auch Jari uns Raija legten ihre Köpfe auf meinem Bauch und meinen Beinen ab. Meine Wut war wie weggeblassen, stattdessen fühlte ich mich einsam und verletzt. Wieso konnte er sich nicht einfach in mich reinversetzten und verstehen, dass ich auch mal ein bischen Zeit für mich brauchte. Irgendwann schlief ich an meine Hunde gekuschelt ein. 

Heii zusammen,
passend zu Ostern kommen heute zwei Kapitel die um Weihnachten herum spielen :) 
Viel Spass beim Lesen und Ostereier suchen
Lia12399

Wolf Saga - Heilendes WasserWo Geschichten leben. Entdecke jetzt