Kapitel 22

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Eine ganze Weile saßen sie zusammen am Waldrand, Magnus lehnte mit dem Rücken an einem Baum, hatte Alec zwischen seine Beine gezogen und die Augen halb geschlossen.
Die Sonne neigte sich inzwischen dem Horizont entgegen, aber sie hatten beide noch keine Lust ins Lager zurückzukehren.
Alec fühlte den warmen Körper in seinem Rücken und ein Gefühl grenzenloser Befriedigung zog sich durch seinen eigenen. Er wünschte sich, ewig so sitzen bleiben zu können und an nichts anderes denken zu müssen.
Magnus senkte den Kopf und berührte mit seinen Lippen sanft Alec's Hals.
„Wie geht es dir, Darling?"
„Himmlisch." murmelte er verträumt.
Der Asiat lachte leise.
„Sind wir verrückt, Magnus?" fragte Alec schließlich leise und melancholisch. „Bin ich verrückt, weil ich es zulasse?"
Der Angesprochene schlang seine Arme um den Jüngeren und legte sei Kinn auf dessen Schulter.
„Vielleicht sind wir das." sagte er seufzend „Aber ich will nicht, dass du dich auch nur irgendwie schuldig fühlst. Lad' es auf mir ab, gib mir die Schuld..."
Alec drehte den Kopf und legte seine Lippen sanft an Magnus' Wange.
„Ich kann mich nicht schuldig fühlen. Im Moment verfluche ich mehr meine Frau..."
Magnus schloss die Augen. Allein der Gedanke, dass Alec in vier Wochen heimkehren und er in die Arme dieser Idiotin zurückkehren würde, ließ ihn sich ganz krank fühlen.
„Dann lass es uns genießen." flüsterte er kaum hörbar.
Mit großen Augen sah Alec ihn an, die Zähne sich in seine Unterlippe grabend.
„Ist es das, was ich denke, was du da anbietest?"
„Ja." murmelte Magnus fast schon verzweifelt und er schloss den anderen Mann enger in seiner Arme.
Schwer musste Alec schlucken und kämpfte darum nicht gleich wieder in Tränen auszubrechen.
„Ja..."

Es war sehr spät, als sie ins Camp zurückgingen. Trotzdem saßen die anderen noch immer um das große Lagerfeuer herum und begrüßten sie erfreut.
Selbst Jace grinste schief, stieß Magnus eine Faust in die Seite und brummte so leise, dass nur Alec es noch hören konnte: „Wir wollten schon einen Suchtrupp losschicken. Wäre bestimmt peinlich geworden, wenn sie euch gefunden hätten.."
Diesmal wurde Alec nicht einmal rot, sondern musste sich eher ein Lachen verkneifen.
Magnus zog Alec an seine Seite und dieser lehnte den Kopf an ihn, während sie beide verträumt in die Flammen starrten. Wahrscheinlich wurde in diesem Moment auch den Anderen klar, dass sie beide nicht ohne Grund den ganzen Tag verschwunden gewesen waren.
In der Nacht kroch Alec in Magnus' Hütte. Dieser zog ihn wortlos an sich, schlang seinen Arm um ihn und es dauerte keine fünf Minuten ehe sie eng aneinander gekuschelt geschlafen waren.


„Was hast du eigentlich damit gemeint, als du sagtest, Camille sagt dir, was du tun sollst?"
Magnus lag neben Alec auf einer Decke im Gras auf der anderen Seite des Sees, wo sie alleine waren.
Alec lag auf dem Bauch und war fast eingenickt, als die Frage ihn zusammen fahren ließ. Als er den Kopf drehte, traf sein Blick auf zwei neugierige golden funkelnde Augen und er wurde rot.
„Nicht wichtig." murmelte er undeutlich.
Magnus rückte näher, so dass ihre Gesichter sich fast berührten.
„Darling, ich habe dir ein Versprechen gegeben."
Alec stöhnte unterdrückt. Blöde Idee. Magnus hatte ihm letzte Nacht, nachdem er in dessen Zelt gekrochen war, erklärt, dass er dafür sorgen wolle, ihn als völlig neuen Menschen heimkehren zu lassen. Zumindest als ein Mensch, der nicht bei jeder Kleinigkeit rot wurde und vergaß, wie man redete. Alec hatte ihm mit all der Würde, zu der er fähig war, erklärt, dass er sich schon sehr gut mit ihm unterhalten könne.
Magnus hatte nur gegrinst und gesagt, er wüsste noch eine Menge, mit dem er den Jüngeren in Verlegenheit bringen könnte. Ob er vorhätte das jetzt auszureizen? Alec hatte sich nur umgedreht, die Augen geschlossen und so getan, als würde er seine herausfordernde Frage nicht verstehen. Und er hatte auch das Kichern überhört, mit dem Magnus ihn in seine Arme gezogen hatte.
„Also?" drängte der Asiat jetzt weiter. Als Alec immer noch nicht antwortete, fuhr er fort.
„Mit mir schafft du das doch auch, ohne dass ich etwas verlange, also?"
Alec's Wangen glühten und er wich dem fragenden Blick aus.
„Ich hatte von nichts eine Ahnung." verteidigte er sich. „Ich war ganz froh, dass sie sagte, was ich tun soll. Ich war viel zu nervös, um zu denken, geschweige denn zu handeln beim ersten Mal."
„Ich wette, es war toll." murmelte Magnus sarkastisch.
Alec stütze sich auf seine Ellenbogen und starrte gedankenverloren in die Luft, während Magnus kurz den Kopf vor beugte und mit den Lippen die nackte Schulter des anderen Mannes berührte.
„Es hat mir nicht sonderlich gefallen." stieß er schließlich hervor. „Ich war so nervös und hatte solche Angst, dass ich kaum etwas mitbekommen habe."
„Hmm." sagte Magnus leise. „Scheint eine wirklich sehr einfühlsame Person zu sein, deine Frau... Wie lange seid ihr verheiratet? Vier Jahre?"
Er hatte noch nie Fragen zu Camille und seiner Ehe gestellt und Alec wusste nicht so richtig, ob es ihm recht war, dass er jetzt damit anfing.
„Ja." meinte er dann schließlich doch.
„Dann müsstest du doch jetzt eigentlich alles wissen, oder?" fuhr Magnus fort und ignorierte, dass sich das Rot in Alec's Wangen vertiefte. „Hast du ihr mal gesagt, was du gerne hättest?"
„Ich... wüsste nicht was." gab Alec zögernd zu. „Ich habe die Tage nicht sonderlich herbei gesehnt, an denen sie mit mir schlafen wollte. Aber ich denke schon, dass sie sich Mühe gegeben hat."
Er drehte den Kopf und Magnus konnte den schier verzweifelten Ausdruck in seinen Augen sehen.
„Warum verliere ich bei ihr nicht so die Kontrolle wie bei dir?"
Plötzlich war der Klos in Magnus' Hals wieder da.
„Keine Ahnung." stieß er mühsam hervor. „Verliert sie sie?"
„Sie?" fragte Alec kläglich.
Magnus lächelte schwach.
„Nun, ich verliere sie definitiv. Und dabei hast du nicht einmal sonderlich viel tun müssen. Und ich glaube nicht, dass ich in den Augenblick noch sehr viel Anweisungen geben könnte."
„Also so... so wie du... ist Camille nie... Du bist... bist..."
Alec wurde noch röter. Er wollte den Kopf abwenden, doch Magnus griff nach seinem Kinn und zwang ihn, ihn weiter anzusehen.

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