Alec schlief sehr schlecht in dieser Nacht. Dabei war es weniger der Gedanke an Magnus, sondern eher sein schlechtes Gewissen Camille gegenüber. Doch er musste zugeben, der Kuss hatte ihm gefallen. Es ist alles Magnus' Schuld, versuchte er sich heraus zu reden. Hätte er nicht darauf bestanden, hätte ich ihn nie geküsst... nicht noch einmal...
Dieses Spiel war einfach nur dämlich. Warum hatte er sich nur darauf eingelassen...
Und auch der nächste Morgen wurde nicht viel besser. Magnus muffelte ihm nur einen Gruß zu und verschwand, ehe Alec ein Wort mit ihm reden konnte. Die Verblüffung darüber musste ihm so deutlich im Gesicht gestanden haben, dass Jocelyn ihm kurz den Arm tätschelte.
„Habt ihr euch gestritten?" fragte sie mitfühlend.
„Eigentlich nicht..." antwortete Alec traurig.
„Er kam gestern Nacht schon wütend zurück und giftete Jace an, als er ihn überreden wollte mitzuspielen."
„Das stimmt." bestätigte der Blondschopf und setze sich zu den Beiden an den Tisch. „Ich habe mich noch gewundert. Magnus ist sonst für jeden Scheiß zu haben und das Spiel gestern hätte ihm garantiert Spaß gemacht."
„Wahrheit oder Pflicht?" fragte Alec schwach und sah den anderen Mann überrascht nicken.
„Woher..."
„Ich bin gegangen als die Mädels damit angefangen haben."
„Er kriegt sich wieder ein. Magnus ist selten wegen irgendwas lange sauer."
Jace lächelte beruhigend.
„Er ist nicht sauer." stellte Alec leise klar. Doch auf den fragenden Blick der anderen ging er nicht weiter ein. Und als er den anderen weitere Erklärungen schuldig blieb, wandten sich die Gespräche wieder anderen Themen zu. Alec bedrückte es, dass Magnus nicht da war. Sein schlechtes Gewissen hin oder her, er konnte nicht abstreiten, dass er den Asiaten mochte.
Dieser kreuzte den ganzen Tag nicht auf und langsam kam auch Jace zu der Ansicht, dass dieses Verhalten schon komisch war. Alec begann sich Sorgen zu machen, dass ihm etwas passiert war. Doch Luke behauptete, dass wäre hier unmöglich und Simon erklärte, dass es kaum etwas gäbe dass keine Waffe hatte und Magnus gefährlich werden könnte.
Deshalb kam Alec zu der Ansicht, dass er ihm aus dem Weg ging. Ihm war zum Heulen zu Mute, weil er nicht verstehen konnte, dass ein dummes Spiel ihn so handeln ließ.
Irgendwann am Abend kehrte Magnus zurück, doch sein finsterer Gesichtsausdruck bewahrte ihn vor neugierigen Fragen. Natürlich sprach er, wenn es nötig war oder er angesprochen wurde. Alec versuchte sogar am nächsten Tag ein paar mal ein Gespräch mit ihm zu starten, gab jedoch schließlich frustriert auf, da er nur einsilbig antwortete. Als er ihn dann am nächsten Abend sogar noch fragte ob er nicht Lust auf einen Spaziergang hätte, sah Magnus ihn an als hätte er den Verstand verloren, murmelte etwas unverständliches und verschwand aus dem Lager.
Alec blieb wie verloren mitten auf dem Platz stehen und sah ihm nach.
„Also, so kenne ich ihn überhaupt nicht."
Alec wäre beinahe erschrocken zur Seite gesprungen, als er Jace's Stimme neben sich hörte. Der blondhaarige Mann hatte sich ihm gegenüber immer Freundlich, beinahe brüderlich verhalten. Nach Magnus stand er ihm vermutlich am nächsten. Verzweifelt wandte der Schwarzhaarige seinen Blick zu Jace.
„Ich... ich weiß nicht, was ich getan habe..." gestand er kleinlaut.
„Ich rede mit ihm."
Jace starrte düster zum Waldrand.
„Was ist den passiert?"
„Nichts."
Alec zuckte hilflos mit den Schultern.
„Wir... wir haben Wahrheit oder Pflicht gespielt."
Die Augenbrauen des Blonden hoben sich erstaunt.
„Er hat... verloren... würde ich sagen..."
Jetzt klappte Jace's Unterkiefer nach unten.
„Verloren? Magnus? Was zum Teufel gibt es, dass sich Magnus nicht traut? Oder war es eine Frage?"
Alec wurde wieder rot, aber das hatte bei ihm viel zu bedeuten. Er wurde schließlich andauernd rot. Außerdem traute ihm eh niemand eine dermaßen peinliche Forderung zu, dass niemand sich trauen würde sie zu erfüllen. Alec antwortete nicht, also schien zumindest ihm die ganze Sache peinlich zu sein.
„Ich geh ihn suchen."
„Nein, Jace..."
Kurz berührte Alec den anderen Mann am Unterarm, um ihm am losgehen zu hindern.
„Er benimmt sich unmöglich. Und wenn die Ursache dafür ein Spiel ist, dann ist er dämlicher als ich dachte."
Ein kurzes, wenn auch missglücktes Lächeln erschien auf Alec's Gesicht.
„Weißt du wohin er gegangen sein könnte?"
„Vielleicht oben auf dem Plateau..."
Einen Moment musterte Jace sein Gegenüber. Er war sich nicht sicher, ob es eine gute Idee war den verschüchterten Mann da hinauf zu schicken. Wenn er wollte, konnte Magnus auch sehr verletzend sein.
„Nimm dir... nicht alles zu Herzen, was er eventuell sagt. Nicht nur ich bin manchmal etwas... unbeherrscht."
„Danke..." flüsterte Alec, ehe er sich abwandte und losging.
Schnell, beinahe eilig marschierte Alec durch den Wald in Richtung des Berges mit der Aussichtsplattform. Noch deutlich erinnerte er sich an den Abend, als sie da oben gesessen hatten um den Sonnenuntergang zu beobachten, an die Gespräche und an das Gefühl von... ja was? Sicherheit? Er konnte es nicht mit Bestimmtheit benennen. Aber was er sagen konnte, war, dass er sich selten, eigentlich noch nie so wohl gefühlt hatte...
Plötzlich wurden seine Schritte langsamer...
Hatte er dieses Gefühl jetzt verloren? Würde Magnus ihn nie wieder so ansehen? Nie wieder seine Nähe zulassen? Würden sie keine Gespräche mehr führen? Was wenn Magnus ihm für die restliche Zeit aus dem Weg gehen würde?
Er war sich nicht sicher, ob er die Antwort darauf wissen wollte. Was wenn Magnus ihn jetzt hasste... wegen eines dummen Spiels. Schmerzlich zog sich seine Brust zusammen und ihm wurde übel. Er hätte niemals zustimmen sollen es zu spielen. Er hatte mit dieser dämlichen Forderung alles kaputt gemacht...
Am Fuß des Berges blieb er stehen und sein Blick folgte dem Weg hinauf zur Spitze. Am liebsten würde er umdrehen, ins Lager zurückkehren und sich in seiner Hütte verstecken. Dann würde er sich damit nicht auseinander setzen müssen, müsste den Hass nicht in den funkelnden goldbraunen Augen sehen, müsste nicht ertragen dass Magnus nicht mehr mit ihm reden wollte. Vielleicht konnte er Jocelyn und Luke sogar davon überzeugen einen Rückflug zu organisieren. Dann könnte er das alles hinter sich lassen und in sein altes Leben zurückkehren. Die Erinnerung an die Zeit hier und an den anderen Mann würde in den Hintergrund rücken... irgendwann... und ihren Platz an der Seite der Erinnerung an „seinen" gestiefelten Kater finden...
Alec schluckte schwer und ballte die Hände zu Fäusten. Es wäre einfacher... aber es wäre eine Flucht. Magnus hatte nicht aufgegeben und ihm somit geholfen sich den anderen gegenüber zu öffnen. Jetzt war es an ihm nicht aufzugeben und diese... Freundschaft zu retten – egal wie schwer es ihm fiel.
Tief atmete er durch und senkte seinen Blick auf den Weg vor sich...
Magnus war auf dem Plateau. Er stand neben einem der hohen Bäume, eine Hand in der Hosentasche seiner engen Hose, in der anderen Hand eine Zigarette und rührte sich nicht. Er rauchte nicht oft, eigentlich nur wenn er emotional völlig aufgewühlt war.
Natürlich wusste er, dass der andere Mann auf dem Weg zu ihm war. Es schien, dass er extra viel Lärm beim gehen machte.
Aber erst als er ihn fast erreicht hatte, sagte er: „Geh Alec!"
Dieser stockte kurz und biss die Zähne zusammen.
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Mit ein bisschen Hilfe
FanfictionSein ganzes Leben lang hat er getan, was man von ihm erwartet hat. Job, Karriere, Ehe - immer der gehorsame Sohn und der treusorgende Ehemann. Doch als seine Schwester ihn auf eine unverhoffte Urlaubsreise schickt, stellt das sein gesamtes Leben auf...
