Kapitel 29

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Das Shirt war ihm ein bisschen zu groß, aber er wollte schließlich auch darin schlafen, die Unterhose hingegen saß perfekt. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie Magnus es angestellt hatte die richtige Größe zu kaufen. Auch wenn sie beide Männer waren, unterschied sich ihr Körperbau doch ein wenig.
Dann verkroch er sich unter die Bettdecke, um dem anderen Mann nicht noch mehr Angriffsfläche für dessen Erregung zu geben, die er doch eigentlich zu verbergen versuchte.
Eine halbe Stunde später tauchte der Asiat wieder auf und sah bedeutend erleichterter aus. Alec verkniff sich ein Lachen, weil er ahnte das Magnus nicht nur geduscht hatte. Dieser trug wieder seine Jeans, jedoch kein Shirt. Alec lehnte seinen Kopf auf seinen angewinkelten Arm und beobachtete, wie er zur Zimmerbar ging und zwei Gläser hervor holte.
„Grog oder doch lieber was kaltes?"
„Grog klingt gut."
Magnus grinste, stellte den Wasserkocher an und wartete. Dann mixte er den Rum mit dem heißen Wasser, rührte Zucker hinein und kam zurück zum Bett.
„Wie fühlst du dich?"
„Gut..."
Alec lächelte schwach.
„Danke, dass ich hier bleiben kann."
Er nippte an seinem Getränk und bemerkte, wie Magnus' Gesicht wieder weicher wurde. Dieser setzte sich neben ihn und lehnte sich gegen das Kopfende des Bettes. Alec rutschte zu ihm hoch.
„Ich werde dich nicht zu ihr zurückgehen lassen." sagte Magnus plötzlich und Alec verschluckte sich fast an seinem Getränk.
„Was?" brachte er hustend heraus.
„Sie wird dir wieder wehtun, Alexander."
Er klang geknickt.
„Ich könnte den Gedanken nicht ertragen."
Alec sah ihn aus großen Augen an, fassungslos und irgendwie verzweifelt.
„Ich weiß, aber ich habe kaum eine andere Wahl. Dort ist... mein ganzes Leben, mein Job..."
Er fuhr sich durch die Haare.
„Ich habe auch darüber nachgedacht und Izzy würde mir sicherlich..."
„Ich möchte, dass du mit zu mir kommst." unterbrach Magnus seinen Redeschwall.
Einen Augenblick lang konnte er ihn nur stumm anstarren, ehe er ein „Was?" piepste.
Magnus senkte den Kopf und musterte die Bettdecke.
„Komm mit mir..."
Dann hob er den Blick wieder zu Alec und fuhr fort.
„Ich verlange nicht, dass du von einer Beziehung in die nächste springst. Ich möchte Zeit mit dir verbringen, dich kennenlernen und ich möchte, dass du mich besser kennenlernst. Zieh die Scheidung durch und bau dir ein neues Leben auf. Und vielleicht ist es eins... in dem ich einen Platz habe."
Alec schluckte schwer, stellte das Glas auf dem Nachtschränkchen ab und schlang seine Arme um den anderen Mann.
„Bei den Engeln, Magnus, du bist verrückt."
„Nein." sagte dieser leise und strich mit einer Hand sanft über Alec's Rücken.
„Ich kenne dich jetzt acht Wochen und ich habe noch nie etwas derartiges für jemanden empfunden. Ich habe den Gedanken nie weiter gesponnen, weil für mich immer feststand, dass du in dein normales Leben und zu deiner Frau zurückkehren wirst. Aber jetzt kann ich es nicht mehr ignorieren und ich kann auch nicht zulassen, dass du dich in Gefahr begibst, indem du in das Haus zurückgehst. Ich würde es mir nicht verzeihen, Schuld daran zu sein, wenn sie dein neu erwachtes Selbstbewusstsein wieder zerbricht."
Alec schloss die Augen und lehnte seinen Kopf an Magnus' Brust.
„Ich weiß, dass ich dich gerne an meiner Seite hätte. Natürlich könnte ich dir auch Vorschlagen, dich mit nach New York zu nehmen. Platz hätten wir auf der Ranch genug... Aber damit würde ich dir wieder alle Entscheidungen abnehmen..."
„Ich weiß nicht was ich sagen soll..." flüsterte Alec erstickt.
„Schlaf darüber." schlug Magnus leise vor und stellte sein Glas ebenfalls auf den kleinen Schränkchen neben dem Bett ab. Er stand noch einmal auf um seine Jeans gegen eine Boxershorts einzutauschen und schlüpfte dann ebenfalls unter die Bettdecke.
Alec kuschelte sich an ihn. In seinem Kopf herrschte ein fürchterliches Durcheinander. Einerseits hatte er wirklich Angst in das Haus und an Camille's Seite zurückzukehren. Aber andererseits schreckte die Ungewissheit der Zukunft ihn genauso ab. Einzig und allein Magnus schien ein fester Anker zu sein, an dem er sich festhalten konnte.
Als Magnus schon glaubte, Alec wäre schon eingeschlafen während er noch an die Zimmerdecke starrte, flüsterte dieser: „Ich... würde auch gerne mehr Zeit mit dir verbringen."
Mit einem glücklichen Lächeln zog er ihn näher an sich und schloss endlich die Augen.


Er erwachte am nächsten Morgen, streckte sich unbewusst und stellte fest, dass ihm alles wehtat. Magnus neben ihm hob verschlafen den Kopf, als er leise stöhnte.
„Was ist?"
„Ich fühl mich wie gerädert." murmelte er leise.
Magnus rutschte näher an ihn heran und zog ihn in seine Arme. Sanft fuhr er mit der Zunge über die noch immer angeschwollene Lippe.
„Ich habe noch nie einen Menschen gehasst. Aber sie hasse ich, obwohl ich sie gar nicht kenne."
Dann ließ er ihn los und stieg aus dem Bett.
„Wirst du zu Polizei gehen?"
„Was?"
Er hatte nicht einen einzigen Gedanken an so etwas verschwendet.
Magnus schnappte sich seine Hose vom Stuhl und verschwand ins Bad. Er wünschte sich plötzlich Alec würde nicht zur Polizei gehen und ihm damit die Gelegenheit zum Handeln geben.
„Wir werden zu deinem Haus fahren und deine Sachen holen." rief er noch, ehe sich die Tür hinter ihm schloss.
Alec sank auf das Bett zurück. Er hatte... Angst. Angst vor der Scheidung und dem damit verbundenen Stress, Angst vor dem Alleinsein und... Angst vor Camille.
Als Magnus wiederkam, hatte er es geschafft sich auf die Bettkante zu setzen. Als würde er es erahnen, obwohl Alec kein Ton gesagt hatte, sank Magnus vor ihm auf die Knie und ergriff seine Hände.
„Alexander, ich werde für dich da sein. Wann immer du mich brauchst. Das verspreche ich dir."
Dieser nickte stumm, hob seine Hand und fuhr sanft über Magnus' Gesicht.
„Ich... ich wüsste nicht, was ich ohne dich machen sollte, Magnus." flüsterte er nahezu tonlos. Dann beugte er sich kurz nach vorn und küsste ihn.

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