Magnus schlang seinen Arm um Alec's Hals, zog dessen Kopf zu sich und küsste ihn hungrig.
„Solche Gedanken in deinem süßen Kopf..." murmelte er heiser und schluckte, als er dem Blick auf seinen grün schimmernden Augen begegnete.
„Ich liebe dich, Magnus." sagte Alec ruhig und ohne jede Verlegenheit.
„Es ist schön in Boston, aber ich fühle mich nur vollständig glücklich, wenn du bei mir bist."
Für einen Moment brachte Magnus kein Wort heraus.
„Ich habe mal gesagt, du machst mir Mut..." fuhr Alec lächelnd fort. „Und ich weiß auch, dass du möchtest, dass ich selbstständig auf eigenen Beinen stehen kann. Ich weiß jetzt, dass ich es kann und das habe ich dir zu verdanken. Aber..."
Er hob die Hand und strich sanft mit den Fingerspitzen über Magnus' Wange.
„Aber ich weiß auch, dass ich nicht alleine leben möchte. Ich fühle mich einsam, wenn du nicht da bist."
Er beugte sich vor und küsste ihn sanft auf den Mund. Jetzt zeigte sich wieder die alte Röte auf seinen Wangen.
„Könntest... könntest du dir ein Leben mit mir zusammen vorstellen?"
Übergangslos riss Magnus ihn an sich und küsste ihn wild.
„Das fragst du noch?"
„Du hast es nie gesagt..." flüsterte Alec gegen seine Lippen.
„Ich liebe dich, Alexander. Ich liebe dich seit ich dich in diesem verdammten Camp getroffen habe und ich will verflucht sein, wenn ich dich nach diesen Worten jemals wieder gehen lasse." schwor er und hatte ihn im nächsten Moment gegen den Boden gepresst.
„Ich wollte dir Bedenkzeit geben... diese zwei Monate hier..."
„Ich brauche keine Bedenkzeit..." fiel Alec ihm ins Wort, schlang seinerseits einen Arm um Magnus' Hals und drehte sich mit ihm, so dass nun er oben lag.
„Ich weiß, dass ich dich will."
Magnus schloss stöhnend die Augen.
„Du kannst so was nicht sagen, wenn wir uns hier inmitten der Weiden befinden..."
„Warum nicht?" erkundigte sich Alec belustigt und rieb seinen Unterleib leicht an ihm.
„Im Camp hat es dich nie interessiert, wo wir waren."
Wieder stöhnte Magnus.
„Alexander..."
„Ich will dich, Magnus." raunte dieser verführerisch.
Es kam nicht oft vor, das Alec so offensichtlich die Initiative ergriff und um so „gehorsamer" war Magnus, wenn er es mal tat. Schnell hatte der Asiat ihre Position wieder gedreht und den größeren Mann wieder unter sich gebracht. Einen Moment verharrte er und blickte hinab auf Alec's Gesicht.
„Ich liebe dich." hauchte er.
„Ich weiß." erwiderte Alec flüsternd, ehe ihre Lippen aufeinander trafen.
Es waren nur die zwei Pferde, die sie beobachten konnten, doch es interessierte weder die Stute noch den Wallach, was die zwei Menschen da auf der Wiese taten.
Es war recht spät am Abend, als sie zum Haupthaus zurückkehrten und den feixenden Grinsen von Ragnor begegneten.
„Lass das bloß nicht zur Gewohnheit werden, Magnus." spottete dieser, als sie die Pferde absattelten.
Alec tat nun doch der Hintern weh, aber seine Angst vor dem Pferd war verschwunden. Er freute sich sogar darauf, am nächsten Tag seine erste richtige Reitstunde an der Longe zu erhalten. Dennoch trieben ihm Ragnor's Worte wieder die Röte ins Gesicht.
„Raphael will Alec begrüßen." setzte Ragnor dann etwas ernster fort.
Magnus verdrehte die Augen.
„Was hat er denn jetzt wieder vor?"
Ragnor prustete los.
„Der Hauptgrund ist... er will uns Cordelia vorstellen."
„Cordelia?"
„Seine neuste Flamme." grinste Ragnor noch breiter. „Aber ich muss dazu sagen, soweit ich weiß, brennt diese Flamme schon seit ganzen drei Wochen."
„Schon so lange?"
Magnus konnte sich kaum das Lachen verkneifen.
„Und da lernen wir sie heute erst kennen?"
Ragnor stieß ihn an und ging in Richtung Haupthaus.
„Er kommt morgen Nachmittag vorbei."
„Ich wette nie wieder." rief Magnus ihm nach. „Wenn noch mal einer von euch solchen Mist baut, muss er das selbst auslöffeln."
Dann drehte er sich zu Alec und legte seine Arme um ihn.
„Alles in Ordnung, Darling?"
Dieser nickte und lächelte ebenfalls.
„Ich bin sehr neugierig auf diese Cordelia."
Raphael hatte er im Laufe der Vorbereitungen zu seiner Scheidung kennengelernt und ihr erstes Zusammentreffen hatte unter keinem guten Stern gestanden. Der Grund dafür war einfach: Raphael gehörte zu den Männern mit denen Camille während ihrer Ehe verkehrte. Natürlich hatte der Latino nicht gewusst, dass die Frau mit der er ziemlich regelmäßig „ausgegangen" war, zuhause einen Mann zu sitzen hatte.
Aber im Lauf des Prozesses und mit Hilfe von Magnus, Jace und Simon hatten sich die beiden Männer angenähert und eine „vorsichtige" Freundschaft aufgebaut. Alec fühlte sich zwar noch immer etwas seltsam in seiner Gegenwart, aber er hasste ihn nicht. Er wusste inzwischen, dass Camille sich Raphael nur genähert hatte in der Hoffnung über ihn an den Dressur-Reiter und Ranchbesitzer Magnus Bane heran zu kommen.
„Ich auch." holte Magnus ihn aus dem kurzen Erinnerungsflash zurück.
Der Asiat lachte und küsste Alec auf die Nasenspitze.
„Drei Wochen an einem Stück... ich bin beinahe beeindruckt."
„Nun, das ist doch ein guter Grund eine kleine Party zu organisieren, oder?"
„Du fängst an Partys zu mögen, hm?"
Magnus ergriff Alec's Hand und gemeinsam schlenderten sie in Richtung Haupthaus.
„Solange wir nicht Flaschendrehen spielen... oder Wahrheit oder Pflicht..."
„Also, ich habe nichts gegen Wahrheit oder Pflicht, solange nur wir zwei es spielen."
Magnus wackelte bedeutungsvoll mit den Augenbrauen.
„Ich wette, du würdest dieses Mal verlieren."
„Pfft..." Alec stieß ihm mit der flachen Hand vor die Brust. „Soll das etwa eine Herausforderung sein?"
„Sicher, Darling. Ich liebe Herausforderungen."
Alec lachte, beugte sich vor und küsste ihn.
„Und ich liebe dich. Lass uns duschen gehen und dann diese Party planen."
Magnus zog ihn kurz an sich und küsste ihn hungrig.
„Ist nicht viel zu tun, so viele Leute kommen ja nicht. Duschen klingt viel besser." hauchte er heiser.
In diesem Moment öffnete sich ein Fenster des Haupthauses und Nelly steckte ihren Kopf heraus.
„Izzy ist am Telefon." rief sie laut über den Hof. „Sie fragt, ob es OK wäre, wenn sie morgen mit Aline und Hellen anreist."
„Aber sicher." antwortete Alec, ehe er Magnus ansah. „Woher kennen die sich?"
„Keine Ahnung. Clary?"
Magnus fing genauso wie Alec an zu lachen, schnappte sich wieder dessen Hand und ging weiter. „Wir duschen trotzdem erst, ja?"
„Ich weiß nicht." stänkerte Alec und ließ sich von ihm zur Haustür hinein schieben. „Jetzt wird die Party doch etwas größer. Wir müssen eine Menge organisieren..."
„Erst die Dusche..." murmelte Magnus mit dieser dunklen Stimme, die Alec fast wahnsinnig machte, neben dessen Ohr. Ehe er antworten konnte, hatte der Asiat ihn sich einfach über die Schulter geworfen und stürmte mit ihm die Treppe hinauf.
„Magnus!" quietschte Alec auf, doch er war weit davon entfernt ihn an irgendetwas von dem zu hindern, was er mit Sicherheit vorhatte.
In der unteren Etage schaute eine schmunzelnde Nelly zur Küchentür hinaus, blickte den beiden nach und sagte dann in den Telefonhörer: „Es ist kein Problem, Izzy. Alec wird dich später zurückrufen, in... ähm... einer Stunde?"
Nach dem was sie allerdings jetzt schon von den beiden mitbekommen hatte, bezweifelte sie, dass eine Stunde reichen würde.
„Hmm, sagen wir in zwei..."
Na ja, irgendwann im Laufe des Abends wird Alec ganz bestimmt zurückrufen...
Am Abend des nächsten Tages saß die Gruppe um den großen Tisch auf der Terrasse, während um sie herum langsam die Nacht einbrach. Doch die späte Stunde schien niemanden zu stören. Sie lachten, sie quatschten und sie genossen die kühler werdende Luft.
Und natürlich spielten sie... Wahrheit oder Pflicht. Allerdings etwas anders... Cordelia hatte dieses Spiel als Kartenspiel für „junge Erwachsene" mitgebracht und Magnus hatte irgendwo einen Würfel aufgetrieben. Nun musste derjenige, der am Zug war, würfeln. Dann wurde reihum nach Augenzahl abgezählt. Die so ermittelte Person musste nun die oberste Karte vom Stapel aufdecken. Die Karten enthielten Aufgaben oder Fragen, die dann von der Person erledigt oder beantwortet werden mussten.
Die Aufgaben reichten von „Gacker wie ein Huhn" bis „Küss die und die Person". Unter anderem war auch die Aufforderung „Zieh dein Shirt aus" dabei gewesen, weshalb Simon nun ohne Oberbekleidung da saß, was Izzy nicht wirklich zu stören schien.
Die Fragen... nun es waren einfache darunter, wie „Was ist dein Traumjob". So hatten sie herausgefunden, dass Clary darauf hoffte eines Tages eine bekannte Künstlerin zu werden. Aber manche Fragen waren auch ziemlich... intim. Magnus hatte seinen ersten Kuss mit einem Jungen namens William. Jace hatte sein erstes Mal im Geräteraum der Sporthalle der High School und so weiter.
Gerade war Jace wieder an der Reihe den Würfel rollen zu lassen und die oben liegende Seite zeigte fünf weiße Punkte.
Eins – Clary...
Zwei – Izzy...
Drei – Simon...
Vier – Magnus...
Alec seufzte tonlos und griff nach der obersten Karte. Was würde es wohl diesmal sein. Er hatte schon Raphael küssen müssen, wobei er sich ziemlich komisch vorgekommen ist. Immerhin hatten sie sich quasi eine Frau geteilt. Und er hatte Fragen wie „Wann hattest du das letzte Mal Sex" beantworten müssen.
Und es wurde irgendwie nicht wirklich besser.
- Wer war deine erste große Liebe? -
„Ha, das ist einfach. Ganz sicher Magnus." grölte Jace grinsend.
„Nein." antwortete Izzy, die sich in die Arme ihres Freundes kuschelte.
„Nicht?"
Erstaunen ging durch die Runde und alle schauten zu Alec, der seit langem Mal wieder die Farbe einer Tomate im Gesicht trug.
„Izzy... ich hab ihn nur einmal getroffen. Ich glaube nicht, dass man das als erste Große Liebe bezeichnen kann."
„Ihr habt den ganzen Abend zusammen verbracht, du hast mit ihm getrunken, du hast mit ihm getanzt... bei den Engeln, ihr habt rumgeknutscht als gäbe es kein Morgen. Ich habe es immer bedauert, dass ich nie herausfinden konnte, wer er gewesen ist."
„Jetzt bin ich neugierig." grinste Magnus, auch wenn sich ein beklemmendes Gefühl in seiner Brust breit machte.
„Willst du oder soll ich." fragte Izzy mit diesem glitzern in den Augen, weshalb Alec mit einer ausschweifenden Geste seiner Hand zu verstehen gab, dass seine Schwester erzählen sollte.
„Es war eine Halloween-Party auf der wir nicht hätten sein sollen, doch ein Freund hatte mich eingeladen und ich habe Alec als meine Begleitung mitgenommen. Am Anfang hat mein lieber Bruder nur grummelig in der Ecke gestanden, viel zu viel Angst, dass ihn jemand trotz der Verkleidung erkennt. Und dann ist ER aufgetaucht. Von dem Moment an hatte Alec nur noch Augen für ihn."
„So extrem war es nun auch wieder nicht." unterbrach ihr Bruder sie leise, dennoch schlich sich ein leichtes Lächeln auf sein Gesicht bei der Erinnerung.
„Nicht? Für den gesamten restlichen Abend ward ihr zwei unzertrennlich. Ich bin fast vom Glauben abgefallen, als ich euch beide knutschen gesehen habe. Ich meine, ihr kennt den alten Alec... zumindest die meisten von euch." wandte sie sich an ihre Zuhörerschaft.
„Und als wir gegangen sind, hat er dir eine Karte zugeschoben, ich habe es genau gesehen."
„Ja, nur leider bin ich nie dazu gekommen einen Blick darauf zu werfen. Ich hatte alle Hände voll damit zu tun uns beide nach Hause zu schaffen und ich war selbst so stark angetrunken, dass ich nahezu sofort eingeschlafen bin, als ich in meinem Zimmer war. Und am nächsten Morgen hat unser Vater mich geradezu aus dem Bett gezerrt. Irgendjemand hat ihm verraten, das wir auf einer Party waren..."
„Unser Vater ist in der Nacht noch von seiner Geschäftsreise zurück gekommen, hat Alec's Klamotten durch sucht und die Karte gefunden und sie ohne großes Federlesen vernichtet. Einen Tag später hat er Alec zurück ins Internat geschickt. Ich habe später herausgefunden, dass es eine der Hausangestellten gewesen war, die uns verraten hatte. Sie wollte Punkte bei unserem Vater sammeln."
Kurz setzt bedrückendes Schweigen ein.
Dann räusperte sich Jace und in dem Versuch die Stimmung wieder zu kippen meinte er: „Bis auf den letzten Teil klingt das klingt fast wie bei deinem Captain Jack, Mags."
Die beiden Lightwood-Geschwister sahen sich an und wurden kreidebleich, was nicht unbemerkt blieb. Sofort war Magnus aufmerksam. Vergessen war das aufsteigende Gefühl der Eifersucht als er seinen Freund so sah.
„Alexander?"
„Captain Jack... Sparrow?" fragte Izzy gerade laut genug, das man sie verstehen konnte. Das folgende Nicken von Simon rechte aus, um Alec aufspringen und in das Haus stürmen zu lassen. Verwirrt blickten alle zu seiner Schwester.
„Alec war als Jack Sparrow verkleidet..." das wiederum reichte aus um Magnus aufspringen zu lassen. So schnell er konnte folgte er Alec. Doch dieser war nirgends zu sehen. Zum Glück kannte er seinen Freund inzwischen gut genug, um zu wissen wo er ihn finden würde.
Vorsichtig öffnete er die Tür zu seinem Schlafzimmer. Der Raum lag im Dunklen, doch durch das einfallende Licht konnte er die großgewachsene Gestalt am Fenster erkennen.
„Alexander?"
Langsam trat er ein und schloss die Tür wieder hinter sich.
„Du warst..."
„Es tut mir leid, Magnus." unterbrach Alec ihn, jedoch ohne sich umzudrehen.
„Es tut mir so leid, ich..." brach er seinen Satz ab.
„Du wusstest es nicht und nun bist du verwirrt." kam Magnus ihm zur Hilfe, was Alec nicken ließ.
„Weißt du, ich habe damals darauf gewartet, dass du dich meldest... eine Woche... zwei... einen Monat... Ich wollte meinen PiratenCaptain wirklich kennenlernen. Aber irgendwann habe ich aufgegeben und bin vorangeschritten. Trotzdem habe ich dich nie vergessen."
Nahezu lautlos schritt Magnus durch das Zimmer, jedoch nicht auf Alec zu, sondern zu seinem Nachtschränkchen. Behutsam zog er die oberste Schublade auf und holte ein Foto hervor. Mit diesem in der Hand wandte er sich schließlich seinem Freund zu, trat zu ihm und schmiegte sich an dessen Rücken.
„An dem Abend hat Simon ein Foto gemacht..." flüsterte er und schob seine Hand nach vorne.
Erstaunt schaute Alec auf das Bild. Es zeigte eine Szene, die Alec nur noch aus seiner Erinnerung kannte.
Der gestiefelte Kater und Captain Jack Sparrow... Arm in Arm tanzend.
„Es tut mir leid, dass meine Karte dir so viel Ärger bereitet hat, Alexander."
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So ihr Lieben,
damit ist das Ende dieser Geschichte erreicht und ich hoffe, dass sie euch gefallen hat.
Aber seit nicht traurig. Ich arbeite bereits an der nächsten Geschichte, welche den Namen „Greencard" tragen wird.
Liebe Grüße
RoseInTheDark
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Mit ein bisschen Hilfe
FanfictionSein ganzes Leben lang hat er getan, was man von ihm erwartet hat. Job, Karriere, Ehe - immer der gehorsame Sohn und der treusorgende Ehemann. Doch als seine Schwester ihn auf eine unverhoffte Urlaubsreise schickt, stellt das sein gesamtes Leben auf...
