Fremdenhass

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Es waren einige Tage nach meiner Verhaftung vergangen, als uns Caulfield das nächste Mal zu sich bestellte. Ich hatte die Tage hauptsächlich in meinem Zimmer verbracht, abgesehen von einigen Arztbesuchen. Glücklicherweise begann die Wunde in meinem Oberschenkel bereits langsam zu verheilen und es zeichneten sich keine Infektionssymptome ab. Trotzdem war ich noch immer auf einen Gehstock angewiesen. Humpelnd betrat ich gemeinsam mit Harker und Wilde das Büro von Sir Robert Caulfield. Sein Gesichtsausdruck war ernst, wie immer eigentlich. Auf seinem Tisch stapelten sich Papiere und etliche Ordner. Wir setzten uns. Caulfield öffnete eine der vielzähligen Schubladen seines Schreibtisches und holte eine Mappe hervor. Sie war aus braunem Leder und verschnürt mit einer dicken, faserigen Schnur.

"Es freut mich, dass sie so schnell hier erscheinen konnten. Ich hoffe, es geht ihnen wieder halbwegs besser, Mr. Davy.", begrüßte er uns. Ich nickte nur. Mir war nicht wirklich nach Gesellschaft zumute. "Weswegen ich sie hergebeten hatte: Wir haben das Haus, in welches sie Alleister Crowley gelockt hat, komplett auf den Kopf gestellt. Wir haben alles erfasst und katalogisiert, was auch nur im entferntesten etwas mit Claw zu tun haben könnte.", fuhr er fort. "Das meiste war nutzlos. Nichts sagende Dokumente, Gerümpel und Unrat. Allerdings...", er macht eine kurze Pause und hob die Mappe, "konnten wir das hier sicherstellen. Es war hinter einem geheimen Mechanismus im Keller versteckt." "Eine Mappe. Was befindet sich in ihr?", unterbrach ihn Wilde. "Das hätte ich ihnen schon noch gesagt, hätten sie mich nicht unterbrochen, Mr. Wilde.", entgegnete Caulfield. "Diese Mappe enthält Dokumente, die über einige von Claw's Operationen Aufschluss geben. Wir haben unter anderem eine Karte von Edinburgh und der nahegelegenen Salzmine gefunden. Noch dazu eine Fotografie von Außenminister Burnwood." Er überreichte uns die genannten Karten. Es waren Pfeile und eigene Bemerkungen darauf notiert. Unter anderem eine Skizze von der Entführung von Burnwood aus unserem Hotel. Caulfield fuhr fort: "Wir konnten noch nicht alle Dokumente abschließend auswerten, aber vor allem eines hat mich ein wenig nervös werden lassen." Er überreichte uns eine weitere Fotografie. Auf ihr war ein Mann mit Brille zu sehen, die Haare zurückgekämmt. "Wer ist das?", fragte Wilde und gab das Bild an Harker weiter. "Der Name dieses Mannes lautet nach unseren Informationen Dr. Werner von Gehring, er ist Deutscher." "Ich habe noch nie etwas über ihn gehört, wer ist das?", fragte Wilde nach. Caulfield blickte ihn genervt an, atmete einmal tief ein und aus und fuhr fort. "Er ist Physiker, studierte an der Universität in Freiburg und lebt soviel wir wissen in einem kleinen Dorf im Schwarzwald, genauer in Scherlingen. Die Anzahl der Einwohner dürfte vermutlich die hundert kaum überschreiten." "Und warum ist er für Claw von Interesse?", fragte nun auch Harker nach. "Den Aufzeichnungen zufolge scheint von Gehring momentan an der Entwicklung einer neuartigen...", er musste kurz schlucken,"Bombe zu sein. Die Zerstörungskraft dieser Bombe soll die herkömmlichen Bomben vollkommen übertreffen." Ich blickte erneut auf den Mann auf der Fotografie. Er sah für mich nicht wirklich nach einem Kriegstreiber oder ähnlichem aus. "An was für einer Bombe? Was zeichnet sie aus?", entgegnete Wilde. Caulfield holte ein weiteres Dokument aus der Mappe. Es schienen Baupläne zu sein. Allerdings wurde ich nicht wirklich schlau daraus- den Blicken von Wilde und Harker zufolge schien ich dabei allerdings nicht der einzige zu sein. "Darüber geben die Dokumente leider keine großartige Auskunft. Dies sind die einzigen Pläne, die wir finden konnten. Laut des Zeitstempels wurden diese bereits vor über einem halben Jahr angefertigt und bieten keine wirklichen Anhaltspunkte über die Funktionsweise oder die Zerstörungskraft. Auch unsere Experten können sich keinen Reim darauf machen. Ich will mir gar nicht vorstellen wie weit von Gehring mittlerweile schon sein mag." Daraufhin schwieg er einige Sekunden, bis Wilde die Stille unterbrach: "Und sie wollen nun, dass wir diesen von Gehring finden und in Gewahrsam nehmen?" "Ich möchte vor allem, dass sie herausfinden, was der Zweck dieser Bombe ist und wie weit ihre Entwicklung bereits vorangeschritten ist. Besorgen sie sich außerdem die Baupläne, damit wir diese verwahren können, ohne das ein größerer Schaden davon ausgehen kann.", antwortete Caulfield in einem ernsten Ton. "Und damit das Empire eine geeignete Waffe für seine zukünftigen Feinde parat hat, ist es das was sie sagen wollen?", intervenierte Wilde forsch. Caulfield schaute ihn missmutig an, sagte allerdings nichts. "Nun gut, meine Herren", fügte Wilde hinzu, "stellen sie sicher, dass ihre Uhren auch wirklich richtig gestellt sind. Wir wollen ja nicht unpünktlich bei den Deutschen ankommen!"

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