29.

22 1 2
                                    


Childhood Friend ~ Chapter 29

Kleines Schwuchtel-Geheimnis

Mike's PoV:
Die kommenden Tage fühlten sich an wie eine Reise durch die unendlichen Weiten der Sonora Wüste. Ich wusste nicht, wohin mein Weg mich führen sollte während ich weiter und weiter ausmergelte. Ich verspürte weder das Gefühl von Traurigkeit noch das Auflodern einer gewissen Wut, wie ich sie am Vormittag des gestrigen Tages verspürt hatte. Es war eine eindeutige Leere, ein schwarzes Loch, das mich zu verschlingen drohte. Das ganze Drunter und Drüber in der letzten Zeit machte mir sehr zu schaffen und ich konnte mich kaum dazu bewegen, etwas anderes zu unternehmen als herumzuliegen. Heute war ich Chester den ganzen Schultag aus dem Weg gegangen, genauer gesehen hatte ich ihn nicht einmal im gesamten Schulhaus wahrgenommen. Ich mache mir solche Sorgen und Vorwürfe. Immer wieder stiegen Reue und tiefe Schuldgefühle in mir auf, ähnlich wie hartnäckiges Sodbrennen. Meine Gedanken kreisten einzig und allein um Chester, verurteilten mich selbst dafür, wie ich ihn behandelt hatte. Immerhin hatte ich keinerlei Hintergrundwissen, warum genau er die Nummer mit dem Typen aus dem höheren Jahrgang abgezogen hatte. Es hatte sich in dem Moment so seltsam angefühlt, mir das Gefühl gegeben, ich müsste mich für das Passierte verantwortlich machen. Ich konnte nicht zulassen, dass er von einem anderen zuerst ausgenutzt und dann links liegen gelassen werden würde. Nach dazu von so einem Dahergelaufenen. Das würde er nicht verkraften. Ich verkrafte es auch nicht. Aber ich konnte es mir nicht wirklich eingestehen. Ich wusste nicht, was mich daran gar so störte. Es hatte mich so aufgebracht, dass ich ihn sogar angeschrien hatte. Und das tat es noch immer. Ich konnte nicht genau begreifen wieso, aber es fügte mir tiefst im Inneren Leid zu, wie ich es schon lange nicht mehr gespürt hatte. Der Gedanke daran, dass er mit einem Fremden schlief, schoss mich wortwörtlich ins Aus. Ich wollte es mir nicht vorstellen, aber ich konnte nichts dagegen tun. In der Tat konnte ich mir das alles viel besser vorstellen, als es mir lieb war. Zu allem Übel schossen mir in dem Moment zugleich wieder die Bilder ins Gedächtnis, als er und Wakefield damals auf dem Schulflur herumgeknutscht hatten. Mein Kopf begann mit der Zeit höllisch zu pochen, doch das Nachdenken nahm kein Ende. Zischend fasste ich mir an die Schläfen und fuhr zittrig mit zwei Fingern langsam an ihnen entlang während ich mich erschöpft zur Seite drehte. Kurz schloss ich die Augen, um einen klaren Gedanken fassen zu können.

Irgendwann stand ich auf, um orientierungslos in meinem Zimmer auf und ab zu laufen. Erschrocken zuckte ich zusammen als sich eine Hand schwer auf meine rechte Schulter legte. Sie strich mir langsam vom Anfang meines Halses über mein Schlüsselbein bis hin zu meinem Schultergelenk während ich noch immer unter Schock zittrig atmete. Ich hatte weder eine Tür noch Schritte gehört, was mich in diesem Augenblick sehr stutzig werden ließ.
„Über was denkst du so angestrengt nach?", fragte mich dann eine Stimme und noch bevor ich antworten konnte, schmiegten sich Lippen an meinen Nacken und begannen die empfindliche Haut an der Stelle zu liebkosen. Ich schloss die Augen, die Furcht war allerdings noch immer vorhanden und kam immer und immer wieder von Neuem auf. Seufzend ließ ich es zu, dass ich mich ein wenig entspannte, doch als wirklichen Genuss konnte ich es nicht beschreiben.
„Sag mir doch erstmal, wer du bist?", brachte ich keuchend heraus und wagte den Versuch, hinter mich zu greifen, „Anna, bist du's?"
Ich fuchtelte im Leeren. Weder die flüsternde Stimme, noch sonst etwas konnte ich einer Person zuordnen, was mich schön langsam in eine wuchtende Panik versetzte. Auch die Lippen verschwanden schließlich und ich vernahm ein kaum entnehmbares, leises Lachen. Ich wollte mich umdrehen, doch meine Beine rührten sich nicht. Mir blieb nichts anderes als wie gelähmt an Ort und Stelle stehen zu bleiben. Die ganze Geheimtuerei machte mich in gewissermaßen an, gleichzeitig war sie so unfassbar aufreibend, dass ich es kaum mehr aushielt.
„Das müsstest du doch wissen.", schmunzelte die Stimme neckend. Nun schien sie wieder direkt an meinem Ohr zu sein.
„Na komm schon, dreh dich schon um." Alles war fast wie von einem leichten Schleier überzogen bis ich plötzlich zwei dunkelbraune Augen vor mir aufblitzen sah und dann wieder seine Lippen spürte - auf meinen.

Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: Jan 13 ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

Childhood Friend \\ Bennoda ✍︎Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt