48~Getrennte Wege

18 0 0
                                        

Song zu diesem Kapitel
Angel by the Wings - Sia

Ich werde von einem Klingeln wach.

Nicht laut, nicht schrill – aber hartnäckig. Es schneidet durch den Halbschlaf, durch diese schwere, warme Blase, in der ich gerade noch war. Draußen ist es noch dämmrig. Die Sonne hat es noch nicht geschafft, richtig aufzugehen, nur ein fahles Grau sickert durch die Vorhänge.

Keanus Arm liegt schwer um mich geschlungen. Komplett. Besitzergreifend selbst im Schlaf. Sein Körper ist warm hinter mir, sein Kopf tief in meinem Nacken vergraben, sein Atem ruhig, gleichmäßig. Er schläft fest. Zu fest.

Das Handy klingelt wieder.

Ich versuche vorsichtig, mich zu bewegen, nur ein bisschen Luft zu bekommen, aber kaum ziehe ich mich ein Stück aus seinem Griff, reagiert er. Sein Arm zieht sich reflexartig enger um mich, sein Gesicht vergräbt sich noch tiefer an meinem Hals.

„Keanu", murmele ich leise. „Dein Handy."

Ein unzufriedenes Nörgeln kommt von ihm. Irgendetwas Unverständliches. Er bewegt sich, ohne wirklich wach zu werden.

Das Klingeln hört nicht auf.

Ich atme leise aus und schaffe es schließlich, mich aus seinem Griff zu lösen. Als ich mich aufsetze, spüre ich ein leichtes Ziehen im Unterleib. Kein Schmerz. Eher eine Erinnerung. Mein Körper meldet sich, still, aber eindeutig.

Ich gehe im Kopf automatisch alles durch. Die Pille. Jeden Abend. Keine Ausnahme. Kein Vergessen. Kein Risiko. Ich entspanne mich ein wenig, auch wenn das Ziehen bleibt.

Als ich aus dem Bett steige, wird mir bewusst, dass ich komplett nackt bin. Die kühle Luft streift meine Haut, und genau in dem Moment öffnet Keanu die Augen.

Langsam. Verschlafen.

Sein Blick bleibt an mir hängen. Wandert. Bleibt stehen.
Ein schiefes, eindeutig versautes Grinsen zieht sich über seine Lippen.

„Morgen", murmelt er rau.

Ich verdrehe lächelnd die Augen.
„Idiot", sage ich leise und greife nach seinem Handy, das noch immer klingelt.

Kaum sehe ich den Namen auf dem Display, kippt meine Stimmung.

Scheiße.

„Keanu", sage ich und halte ihm das Handy hin. „Es ist dein Stiefvater."

Das Grinsen verschwindet augenblicklich aus seinem Gesicht.

Etwas in mir zieht sich zusammen. Nicht aus Angst – eher aus diesem unangenehmen Gefühl, als würde etwas Fremdes in unsere Blase eindringen. Ich ziehe mir instinktiv sein T-Shirt über, das über der Bettkante hängt. Es riecht nach ihm. Warm. Vertraut. Und trotzdem fühlt es sich an wie eine Art Schutz.

Keanu setzt sich auf, nimmt mir das Handy ab. Sein Kiefer spannt sich an, sein Blick wird hart, müde und genervt zugleich.

Er nimmt ab.

„Was?" sagt er knapp.

Ich bleibe still, setze mich auf die Bettkante, ziehe das Shirt enger um mich. Mein Blick geht zu ihm, zu der Art, wie sich seine Schultern verändern, wie er innerlich auf Abstand geht.

Das hatten wir doch schon hinter uns, denke ich.
Warum kommt das jetzt wieder hoch?

Ich deute stumm auf das Handy. Lautsprecher.

Er schaut mich kurz an, zögert. Dann schüttelt er leicht den Kopf.

Ich sehe ihn ernst an. Ohne Diskussion. Ohne Spiel.

Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: Jul 11 ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

Aiming at LoveGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt