Song zu diesem Kapitel
Crazy in Love - Beyoncé
Ich werde mitten in der Nacht wach.
Nicht abrupt, nicht erschrocken – eher so, als hätte mich etwas leise aus einem Traum gezogen, den ich gar nicht selbst träume. Neben mir ist Bewegung. Unruhig. Zu unruhig für Schlaf.
Keanu.
Sein Atem ist nicht gleichmäßig. Er stößt ihn stoßweise aus, flach, als würde seine Brust gegen etwas Unsichtbares ankämpfen. Seine Stirn ist gerunzelt, so tief, dass sich kleine Linien zwischen seinen Augen abzeichnen. Seine Lippen bewegen sich, lautlos, als würde er Worte formen, die nicht hinausdürfen.
Seine Hand krallt sich ins Laken. Die Finger zittern. Seine Schultern spannen sich an, ziehen sich hoch, dann wieder runter – immer wieder. Schweiß glänzt auf seiner Schläfe, obwohl der Raum kühl ist.
Keanu...
Ich sehe, wie sein Kiefer sich verhärtet, wie seine Augen unter den geschlossenen Lidern zucken. Schnell. Rastlos. Als würde er fliehen. Oder feststecken.
Er träumt. Und es ist kein guter Traum.
Mein Herz zieht sich zusammen.
Ich rutsche näher an ihn heran, lege meine Hand auf seinen Unterarm. Seine Haut ist warm, fast heiß. Ich streiche sanft darüber, aber er reagiert nicht. Stattdessen verzieht sich sein Gesicht, als hätte ihn etwas getroffen.
„Nein...", haucht er. Kaum hörbar.
Das reicht.
„Keanu", flüstere ich. Meine Stimme ist ruhig, aber fest. „Hey. Wach auf."
Keine Reaktion.
Ich lege meine Hand an seine Wange, streiche mit dem Daumen über seine angespannte Haut.
„Keanu. Du bist hier."
Plötzlich fährt er hoch.
Ein scharfer Atemzug reißt aus seiner Brust, seine Augen schlagen auf – weit, dunkel, leer. Für einen Moment sieht er durch mich hindurch, als wäre ich nicht real, als wäre ich nur ein weiteres Bild aus seinem Albtraum.
Er ist verloren.
Ich halte seinem Blick stand, auch wenn es mir das Herz zerreißt.
„Ich bin hier", sage ich leise. „Du bist bei mir."
Sekunden vergehen. Dann blinzelt er. Einmal. Zweimal.
Sein Blick fokussiert sich.
Und dann erkennt er mich.
Ohne ein Wort zieht er mich an sich. Seine Arme schließen sich fest um meinen Körper, fast verzweifelt, als hätte er Angst, ich könnte verschwinden, wenn er loslässt. Sein Gesicht vergräbt sich an meiner Brust, seine Stirn liegt genau unter meinem Schlüsselbein.
Ich spüre, wie sein Atem sich gegen mich presst. Unregelmäßig. Zittrig.
Meine Hand findet seinen Kopf ganz automatisch. Ich fahre langsam durch seine Haare, immer wieder, sanft, beruhigend. Meine Finger massieren seine Kopfhaut, so wie ich weiß, dass es ihn runterbringt.
„Shh", murmle ich. „Du bist sicher."
Sein Griff lockert sich ein wenig, aber er rückt näher, als würde er sich an mir festhalten müssen, um nicht wieder wegzurutschen.
Was hast du gesehen, Keanu?
„Willst du mir sagen, wovon du geträumt hast?" frage ich leise.
Er antwortet nicht sofort. Sein Atem zittert noch immer gegen meine Haut. Dann spüre ich, wie er leicht den Kopf bewegt. Ein kaum merkliches Nicken. Oder vielleicht einfach nur das Eingeständnis, dass es ihn nicht loslässt.
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Aiming at Love
RomanceIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
