Ich habe meine Mutter angerufen.
Nicht lange gesprochen. Eigentlich gar nicht. Sie hat meine Stimme gehört, dieses eine Wort Mama, und das hat gereicht. Zehn Minuten später saß ich im Auto, Hope auf dem Rücksitz, mein Blick leer auf die vorbeiziehenden Straßen gerichtet.
Wir fahren zu ihr nach Hause.
Zu meinem richtigen Zuhause.
Auch wenn es eigentlich eine Person ist.
Kein Wort fällt während der Fahrt. Meine Mutter stellt keine Fragen. Sie greift nur kurz nach meiner Hand, drückt sie sanft, als wollte sie mir sagen: Ich bin da. Du musst nichts erklären.
Als wir ankommen, gehe ich direkt nach oben. Kein Umziehen. Kein Duschen. Ich ziehe mir nur etwas Bequemes an, lasse mich dann ins Bett fallen, als hätte mein Körper plötzlich entschieden, dass er nichts mehr tragen kann.
Hope springt sofort zu mir, rollt sich eng an meinen Bauch, legt den Kopf an meine Brust. Ich halte sie fest, vergrabe mein Gesicht in ihrem Fell – und dann bricht es aus mir heraus.
Nicht laut.
Nicht kontrolliert.
Ich weine so, dass mir die Luft fehlt. So, dass mein Körper zuckt, als würde er sich gegen etwas wehren wollen, das längst passiert ist. Meine Brust tut weh. Mein Hals brennt. Es fühlt sich an, als hätte jemand mein Herz in der Faust und würde langsam zudrücken.
Die Tür geht leise auf.
Ich spüre sie, noch bevor ich sie sehe.
Meine Mutter.
Sie bleibt kurz stehen, sagt nichts, schaut nur. Ich weiß, dass sie sieht, wie ich da liege, zusammengerollt, Hope an mich geklammert, völlig zerbrochen.
„Oh Schatz...", sagt sie leise.
Mehr nicht.
Sie kommt näher, setzt sich auf die Bettkante. Ich höre das leise Rascheln der Matratze, spüre ihre Hand, die mir sanft über den Rücken streicht. Ich versuche zu sprechen. Wirklich. Aber es kommt nichts raus. Kein Wort. Nur ein ersticktes Schluchzen.
Ich will nicht reden.
Ich kann nicht reden.
Meine Mutter versteht das.
Sie zieht die Decke ein Stück zurück, legt sich hinter mich, genau so wie früher, als ich klein war. Ihr Arm legt sich um mich, fest, sicher, vertraut. Sie zieht mich an sich, mein Rücken an ihre Brust, und plötzlich bin ich wieder sechzehn.
Ein Teenager, dem zum ersten Mal das Herz von einem dämlichen Jungen gebrochen wurde.
Nur dass es diesmal kein dämlicher Junge war.
Und der Schmerz viel tiefer sitzt.
Ihre Hand streicht mir durch die Haare. Immer wieder. Ruhig. Geduldig.
„Du musst nichts sagen", flüstert sie. „Nicht jetzt."
Ich atme zitternd ein. Hope rückt näher, als würde sie das bestätigen.
„Ich bin hier", sagt meine Mutter weiter. „Und ich bleibe hier."
Meine Tränen laufen einfach weiter. Lautlos jetzt, aber unaufhaltsam. Mein Körper fühlt sich leer an und gleichzeitig viel zu voll.
„Wenn du reden willst", sagt sie sanft, „hör ich zu. Egal was es ist. Egal wie schlimm es sich anfühlt."
Sie hält mich einfach.
Ihre Wärme, ihr Atem, ihr Herzschlag – alles sagt mir, dass ich sicher bin. Dass ich nicht erklären muss, warum es weh tut. Dass es reicht, dass es weh tut.
„Manchmal", sagt sie leise, fast mehr zu sich selbst, „bricht etwas in uns, das wir nicht wieder zusammensetzen können. Und das ist okay."
Meine Brust hebt sich ruckartig. Ich klammere mich an ihre Hand.
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Aiming at Love
RomansIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
