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Mittlerweile kenne ich alle um mich herum beim Namen. Ich würde nicht unbedingt alle als enge Freunde bezeichnen, doch alle die jetzt hier mit mir um das Lagerfeuer herum sitzen haben in irgendeiner Weise schon einmal Gespräche mit mir geführt. Neben Sam, Val und Rodrigo sind auch Kaleb, Macy, Sue und Daniel anwesend. Ich siehe sie fast jeden Tag auf der Farm, aber neben ihnen sind auch noch ungefähr zehn weitere Personen anwesend, die zu diesem Freundeskreis zählen und die wie ich auf diesen Partys zusammenkommen.

Die meisten hat es nicht überrascht, als ich Hand in Hand mit Sam aufgetaucht bin, von dem Rest gab es nur kurze neugierige Blicke, die sich aber schnell gelegt haben.

Nun sitze ich zwischen Sams Beinen an dessen Brust gelehnt und erzähle Val von meinem Gespräch mit Lilly und wie meine Pläne für die Zukunft aussehen. Vor uns flackert ein Lagerfeuer und aus einer mitgebrachten Musikbox ertönt leise I'm Not Ready To Go von Hazlett.

„Ich glaube es gibt für mich keine andere Möglichkeit als hierzubleiben. Es ist schon eine Weile her, seitdem ich mich so entspannt gefühlt habe. Es fühlt sich einfach richtig an, verstehst du?"

Daraufhin schlingt Sam seinen Arm um meinen Bauch und drückt mich kurz.

„Es wäre so cool, wenn du bleiben würdest. Dann können wir gemeinsam im Laden arbeiten, shoppen gehen, feiern. Es wäre ewig Sommer", träumt Valeria vor sich hin und malt dabei ein schönes Bild in meinem Kopf, während ich über die flackernden Flammen des Feuers auf den Fluss starre.

„Das Problem sind nur meine Eltern", sage ich und lasse damit die wunderschöne Traumblase platzen.

„Du bist doch achtzehn", antwortet Val entschlossen.

„Würdest du das auch zu deinen Müttern sagen?"

Daraufhin fällt ihre entschlossene Mine in sich zusammen.

„Hast recht, das Gespräch würde nicht gut enden." Sie verzieht ihr Gesicht zu einer beinahe schmerzhaft wirkenden Grimasse.

„Es geht mir eigentlich nur darum, dass sie mich verstehen. Wir reden die ganze Zeit aneinander vorbei. Ich weiß, dass sie das Beste für mich wollen, aber sie denken, dass das nur geht, wenn ich Dinge so mache, wie sie sie für richtig halten. College, Job, heiraten und Babys." Ich stoße kurz die Luft aus, weil mir der Gedanke an diese Zukunft Bauchschmerzen bereitet. Ich möchte schon irgendwann eine Familie gründen, das ist nicht ausgeschlossen, aber ich habe keine Lust, all diese Dinge nach einem vorgefertigten Plan abzuarbeiten, in dem ich dann mit dreißig alles abgehakt habe, aber mich gar nicht mehr selbst erkenne.

„Dann musst du ihnen vielleicht genau das sagen", mischt sich Rodrigo ein, der soeben mit ein paar Jungs aus dem Fluss gekommen ist und sich hinter Val positioniert, die allerdings von den umherfliegenden Wassertropfen wegrückt, als sich Rodrigo die kurzen schwarzen Haare mit einem Handtuch trocken rubbelt.

„Ich glaube das habe ich schon versucht, wir sind nur immer aneinandergeraten. Morgen werde ich mit ihnen telefonieren. Sam hat mir geholfen ein paar Dinge aufzuschreiben, um meinen Standpunkt klar auszudrücken. Ich hoffe wir haben genug Abstand voneinander bekommen, dass wir ein ordentliches Gespräch miteinander führen können."

Es ist eine Weile still zwischen uns und ich lasse meinen Kopf an Sams Schulter fallen, der mir daraufhin einen kurzen Kuss auf die Schläfe drückt.

Während ich in Stille verharre, lausche ich den Geräuschen um mich herum. Ein weiteres Mal fühle ich mich darin bestätigt, dass hierzubleiben die einzig richtige Entscheidung für mich ist. Meine Freunde, meine Arbeit und mein Seelenfrieden sind mit diesem Ort verbunden. Eine große Rolle spielt dabei auch Sam. Ich habe noch nie so intensive Gefühle für einen Menschen empfunden.

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