Es ist wie am Samstag zuvor. Viele kleine Feuer brennen an den Feuerstellen am Fluss, um die sich Gruppen von Jugendlichen niederlassen. Dazwischen tanzen einige zu der Musik, die jemand aus einem riesigen Lautsprecher über die gesamte Lichtung schallt. Jeder bringt Decken, Campingstühle und Kühlboxen gefüllt mit Alkohol mit.
Kaleb und ich haben uns wieder auf eine Decke gesetzt, die er aus dem Auto mitgebracht hat. Auch die Personen am Feuer kommen mir von letzter Woche bekannt vor. Unter ihnen zum Beispiel Rodrigo, Sue mit ihrer Schwester, Macy, Daniel und das rothaarige Mädchen, das mich nach meinem Instagram Namen gefragt hat. Ich habe mich mit einigen von ihnen unterhalten, zum Teil ohne ihre Namen zu kennen, doch alle waren immer freundlich und haben sich bemüht mich in ihre Gespräche einzubinden. Ich erhalte von allen Seiten Getränke und bekomme sogar ein Stück Pizza angeboten, dass ich dankend ablehne, weil ich immer noch satt von der Lasagne bin.
„Ist dir kalt?", fragt Kaleb.
Ich schüttle meinen Kopf. Es sind bestimmt noch sechsundzwanzig Grad, es brennt ein Feuer und von innen wärmt mich der Alkohol, aber ich muss bei seiner Aufmerksamkeit schmunzeln. Wir haben noch nicht viel miteinander geredet, nur ein bisschen Smalltalk geführt, doch wir sitzen dichter aneinander als sonst und an sich ist die Stimmung zwischen uns anders. Kaleb scheint nervös zu sein. Ich glaube nicht, dass ich nervös bin. Nein, ich freue mich und bin aufgeregt auf das, was passiert. Was auch immer das sein mag.
„Es tut mir übrigens leid, dass ich mich nach Samstag nicht mehr bei dir gemeldet habe."
„Ist okay", antwortet er und schüttelt seinen Kopf.
„Nein, wirklich. Ich hätte nach dem Kuss etwas sagen sollen. Ich wusste nicht, was ich wollte", erkläre ich und spiele mit meinen Fingern an dem Saum meines Rocks.
„Und jetzt weißt du, was du willst?"
Meine Augen schnellen zu ihm hoch, sind gefangen von der Intensität, mit der sie mich beobachten und fasziniert von dem Spiel der Flammen, die sich in ihnen widerspiegeln.
„Ja", flüstere ich mit einem Lächeln und nähere mich seinem Gesicht, doch bevor sich unsere Lippen auch nur ansatzweise berühren können, spüre ich einen Arm um meine Schulter.
„Habt ihr Lust auf ein Spiel?" Ein gut angetrunkener Rodrigo steckt seinen Kopf zwischen uns und schaut uns abwartend an.
„Ein Spiel?", frage ich skeptisch.
„Komm schon, das letzte Mal hat es schön geendet", antwortet Kaleb und grinst mich an, sein Blick auf meine Lippen gerichtet.
„Das letzte Mal bin ich im Fluss gelandet", murmelt Rodrigo und erhebt sich taumelnd hinter uns. „Wahrheit oder Pflicht", ruft er in die Menge, hebt seine Bierdose und erhält die Aufmerksamkeit unserer kleinen Gruppe, die sich ums Feuer versammelt hat.
„Daniel" Er zeigt auf Lillys Erntehelfer. „Wahrheit oder Pflicht?"
„Wahrheit", antwortet Daniel.
„Was ist dein Kink?", fragt Rodrigo, ohne lange zu überlegen und geht abwartend auf Daniel zu, der sich grinsend in seinen Campingstuhl zurücklehnt.
„Komm her und ich sag's dir." Herausfordernd zieht er eine Augenbraue in die Höhe.
Rodrigo geht auf ihn zu, lehnt sich zu ihm runter und wartet darauf, dass er es ihm ins Ohr flüstert. Alle schauen gespannt zu und lauschen, ob sie etwas verstehen können, doch Daniel ist zu leise und die Musik im Hintergrund zu laut.
Rodrigo erhebt sich wieder, grinst ihn breit und mit leuchten Augen an und hält ihm dann seine Bierdose vor die Nase.
„Trink oder sprich es laut aus."
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Silent Country
RomanceNura war ein braves Mädchen. Gute Noten, Kapitänin der Volleyballmannschaft und gute Freundin. Doch Nura war nicht glücklich. Sie wollte mehr. Freiheit. Als sie ihren Wünschen nachgeht und Dinge tut, die normal für Menschen in ihrem Alter sind, wird...
