Verdammt, alles tut weh. Als ich meine Augen aufschlage, dauert es einen Moment, bis ich klar sehen kann. Es ist sehr hell im Zimmer und dem Licht zu urteilen schon lange nicht mehr Morgen. Sam ist bereits wach und schaut zu mir runter. Sein Auge ist zum Glück nicht weiter angeschwollen. Als wir nach Hause gekommen sind, hat Sam sein Auge und seine Nase gekühlt. Aktuell sehe ich aber, dass er an seiner aufgeplatzten Lippe herumkaut.
Ich setze mich auf und lehne mich wie er an das Kopfteil des Bettes. Bevor ich sprechen kann, muss ich ein paar Mal schlucken und werde wieder daran erinnert, dass ich mir auf die Zunge gebissen habe. Ich weiß nicht genau, wann es passiert ist, aber vermute, dass es durch den hervorragenden Kopf-gegen-Kopf-Schlag geschehen ist, den ich ausgeteilt habe und von dem ich den ganzen Abend Kopfschmerzen hatte.
„Ich dachte, meine erste Schlägerei wäre aufregender. Irgendwie war alles so schnell vorbei. Und ich hätte nicht gedacht, dass es so doll wehtun wird." Mit der Hand streiche ich mir dabei über den Bauch, auf dem ich gestern beim Duschen einen fetten blauen Fleck entdeckt habe. „Wie geht es dir?", frage ich Sam und streiche ihm mit der Hand über die Wange.
„Mir ging es schon besser, aber auch schon um einiges schlechter." Er zieht meine Hand von seiner Wange weg und küsst meine Finger.
„Wie geht es dir?"
„Besser und schlechter als gestern. Die Kopfschmerzen sind weg und ich kann wieder richtig hören, aber meine Muskeln tun alle weh."
„Und deine Wunde am Hinterkopf?", fragt er weiter und dreht meinen Kopf so, dass er meine Haare teilen und meine Kopfhaut betrachtet kann. Indem ich mit meinem Kopf ausgeholt habe, habe ich mich an den Zähnen meines Hintermannes verletzt, was mir nicht nur eine Wunde, sondern gleich noch eine frische Tetanus-Impfung eingebracht hat.
„Sieht gut aus", bestätigt Sam, obwohl ich bezweifle, dass er wirklich etwas erkennen kann. Die Sanitäterin hat gesagt, dass die Wunde nicht groß ist.
„Wie geht es deinen Rippen?", frage ich, denn nicht nur an mir habe ich beim Duschen blaue Flecken entdeckt. Sam sah um ein Vielfaches schlimmer aus. Er hat blaue Flecken an beiden Seiten seiner Rippen und überall auf dem Rücken verteilt.
„Es fühlt sich an, als wäre ich vom Pferd gefallen, aber nichts, was ich bereits erlebt habe."
Daraufhin lasse ich meinen Kopf an seine Schulter fallen. Ganz vorsichtig, denn ich bin mir sicher, auch dort einige Flecken gesehen zu haben. Wir verharren eine Weile in dieser Position und wahrscheinlich wäre ich wieder eingeschlafen, wenn nicht draußen vor dem Haus der Hahn gekräht hätte.
Ich greife nach meinem Handy auf dem alten Stuhl neben dem Bett, der als Nachttisch dient und schaue, wie spät es ist. Wir haben es bereits zwei Uhr nachmittags. Aber nicht nur die Uhrzeit überrascht mich, sondern auch die vielen ungelesenen Nachrichten.
Oh, Mist.
„Hey, kannst du dich daran erinnern, dass deine Mom mit meinen Eltern sprechen wollte?"
Ich schaue Sam wieder an und noch bevor ich die Frage komplett ausgesprochen habe, kommen meine Erinnerungen an die vergangene Nacht wieder. Wie erschöpft wir waren, Freddie besorgt um uns war, nachdem er durch unsere Unruhe wach geworden ist, wie Sam und ich den ganzen Schmutz und das Blut von uns gewaschen haben, wie Lilly uns noch einige Stunden wachgehalten hat, um auch sicherzugehen, dass wir keine weiteren Folgeschäden haben und wie wir uns darauf geeinigt haben, dass wir morgens mit meinen Eltern telefonieren. Ich schätze, das hat sie nun übernommen, da es schon lange nicht mehr Morgen ist.
Sam scheint meine Realisierung an meinem Gesicht zu erkennen und antwortet deshalb auch nur: „Komm, machen wir uns fertig."
Nachdem wir uns umgezogen und frisch gemacht haben, haben wir uns an die Arbeit gemacht, etwas zu Essen zu zubereiten. Lilly hat uns eine Nachricht auf einem Zettel am Kühlschrank hinterlassen, auf dem stand, dass sie im Laden vorbeischaut und bald wieder da ist. Um Freddie sollen wir uns keine Sorgen machen, da er draußen bei den Cowboys ist.
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Silent Country
RomansaNura war ein braves Mädchen. Gute Noten, Kapitänin der Volleyballmannschaft und gute Freundin. Doch Nura war nicht glücklich. Sie wollte mehr. Freiheit. Als sie ihren Wünschen nachgeht und Dinge tut, die normal für Menschen in ihrem Alter sind, wird...
