- 25 -

177 14 0
                                        

Ich kann nicht so recht beschreiben, wie ich mich fühle. Traurig. Aufgewühlt. Verloren. Diese Gefühle sind mir nicht unbekannt, denn sie sind der Ursprung dieses neuen Lebensabschnittes. Aber sie passen auch nicht so richtig zu meinem jetzigen Gefühlszustand, denn ich empfinde nicht nur diese Gefühle. Hoffnung und Freude mischen sich unter ihnen und wahrscheinlich fühle ich alles gleichzeitig und noch etwas mehr dazwischen.

Am Abend habe ich Val noch kurz die Situation geschildert, weshalb sie jetzt auch vor mir steht und sich von mir verabschiedet.

„Ich wünschte, du wüsstest, wann du zurückkommst. Es wird hier langweilig ohne dich werden."

Ich lache und antworte: „Es werden bestimmt nur ein paar Wochen sein, bis ich alles konkret geplant und geregelt habe. Und bis dahin hast du immer noch Rodrigo."

„Rodrigo ist aber nicht meine beste Freundin geworden." Val spielt mit den Schnüren ihres weißen Kleides und schaut durch ihre dichten Wimpern zu mir hinauf. Ich kann sie daraufhin nur ein weiteres Mal in den Arm nehmen.

Von den anderen auf der Farm habe ich mich weitestgehend heute Morgen verabschiedet. Ich habe noch einige Armbänder verschenkt, die ich die letzten Tage fertiggestellt habe und viele Umarmungen kassiert.

Val wollte mir beim Packen helfen, doch ich fahre mit weniger hier weg, als ich gekommen bin, da ich die meisten Sachen hierlasse, weil ich nicht vorhabe, lange fernzubleiben und plane mehr von meinem alten zu Hause in mein neues zu Hause hier her mitzubringen.

„Was hat Sam eigentlich zu der ganzen Sache gesagt?"

Ich lächle leicht und antworte: „Er meint, dass er gesehen hat, wie ich mich in der Zeit, in der ich hier bin, entwickelt habe und ist inspiriert von meinen Plänen für die Zukunft und möchte nun selbst genauer über seine nachdenken."

„Oh man er ist total verknallt in dich." Val grinst mich breit an.

„Denkst du, es ist ein Fehler, dass ich mein altes Leben aufgebe, um durch das halbe Land zu reisen und hier zu leben, wo mein Freund ist?" Ich schmeiße das letzte Kleidungsstück in den Koffer und schließe ihn.

„Hast du Zweifel?"

„Nicht wirklich. Aber sollte ich die nicht haben?"

Val überlegt einen kurzen Augenblick. „Du hast doch selbst gesagt, dass du hier glücklicher bist als zuvor. Sam und du seid vielleicht frisch verliebt und noch nicht lange zusammen, aber ihr habt dieses gewisse etwas."

Ich möchte mich bei Val für ihre netten Worte bedanken, als es einmal an der Tür klopft und Sam hereinkommt.

„Das ist dein Zimmer, du brauchst doch nicht klopfen."

Dieser zuckt nur mit den Schultern und ich gehe auf ihn zu, um ihm ein Kuss als Dank auf die Wange zu drücken, dass er Val und mir etwas Privatsphäre gönnen wollte.

„Haben dich meine Eltern geschickt?"

Er nickt zustimmend und ich atme einmal hörbar aus.

„Dann heißt es wohl Abschiednehmen." Als ich nach meinem Koffer greifen möchte, kommt mir Sam zuvor und trägt ihn aus dem Zimmer. Ich schaue lächelnd zu Val, die mit ihren Zeigefingern ein Herz in die Luft malt.

Vor dem Haus stehen meine Eltern mit ihrem Leihwagen. Neben ihnen Lilly und Freddie. Sam ist dabei, meinen Koffer in den Kofferraum zu laden.

„Liza, Tara kommt ihr? Wir wollen los", ruft Mom meinen Schwestern zu, die bei den Pferden sind.

Ich wende mich zuerst an Val und nehme sie in die Arme.

„Schreib mir und schick mir Bilder von Tacoma."

Silent CountryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt