Dass ich mit Sam zusammen bin, haben beide relativ gut aufgenommen. Auch wenn Jonathan es befremdlich findet, dass er mit Sam blutsverwandt ist und mich als seine Tochter ansieht. Nachdem Lilly ihm aus der Küche zugerufen hat, dass er an ihre Ururgroßeltern denken soll, die Cousin und Cousine zweiten Grades waren, ist er leicht rot geworden und Mom hat ihn doch tatsächlich ausgelacht. Zumindest hat diese Anekdote die Stimmung aufgelockert. Weil ich ein bisschen zu laut gelacht habe, hat Lilly mir aus der Küche zugerufen, dass ich nicht so laut lachen soll, da ich höchstwahrscheinlich diesen Teil der Familie heiraten werde, woraufhin sich auf Sams Gesicht ein sicheres Lächeln ausgebreitet hat. Es macht wirklich keinen Sinn, dass sich beide in die Küche zurückgezogen haben, um uns Privatsphäre zu geben, wenn genau diese in dem offenen Wohnkonzept von Lillys Haus nicht gegeben ist.
Mom und Jonathan haben sich auf das Sofa gesetzt und ich auf den Sessel neben ihnen. Sie können Lilly und Sam nicht sehen, doch wenn ich meinen Kopf leicht zur Seite drehe, kann ich ihnen beim Zubereiten unseres Abendessens zusehen. Aus dem Augenwinkel bekomme ich zwischendurch auch mit, dass sie uns gelegentliche Blicke zuwerfen.
„Wir haben Anzeige erstattet, müssen aber noch mal zur Polizei, um einige Details zu klären", erkläre ich, weil sowohl Mom als auch Jonathan die ganze Geschichte von vorn hören wollten.
„Gut, das ist gut." Mom legt dennoch besorgt ihre Hand auf Jons.
„Und Lilly meinte, dass sie alle Jungs geschnappt haben, die euch das angetan haben?", fragt Letzterer und streicht Mom mit der anderen Hand beruhigend über den Handrücken.
„Jap, alle sind festgenommen."
Beide lassen erleichtert die Schultern hängen.
„Ihr braucht euch wirklich keine Sorgen machen. Es ist alles geklärt."
„Nura, du bist unsere Tochter. Wir werden uns immer Sorgen machen", versichert mir Mom.
„Ich weiß."
Es wird eine Weile still.
Mom und Jonathan werfen sich einen Blick zu, der mich beunruhigt, weil er etwas zu lange auf den jeweils anderen verweilt. Jetzt wird es ernst.
„Nura, wir wollen, dass du wieder mit uns nach Hause kommst." Mom schaut mich hoffnungsvoll an.
Ich gönne mir einige Sekunden tief durchzuatmen, auch wenn sich meine Schultern anspannen. Normalerweise wäre das der Punkt, an dem wir uns gegenseitig hochschaukeln, bis unser Gespräch in einem Streit endet. Den Blicken meiner Eltern kann ich aber anerkennen, dass sie es genauso wie ich müde sind, ständig zu streiten.
„Ich werde nach Hause kommen, aber nicht um zu bleiben."
„Nura-", will meine Mutter sofort widersprechen, doch ich hebe meine Hand, um sie zu unterbrechen.
„Mom, bitte lass mich ausreden."
Sie lehnt sich auf dem Sofa zurück und gibt mir mit einem Nicken zu verstehen, dass ich weiterreden soll.
„Ich werde nach Hause kommen, um einige Dinge zu klären, aber ich möchte ausziehen. Hier her, um genau zu sein. Lilly hat mir ihr Okay schon gegeben. Ich weiß, dass ihr euch ein anderes Leben für mich vorgestellt habt, aber ihr müsst doch auch gesehen haben, dass ich nicht mehr glücklich war."
„Was willst du denn machen, wenn du ausziehst? Irgendeinen Plan musst du doch haben? Das Geld, was wir für deine Collegeausbildung gespart haben, ist nicht dafür gedacht, dass du ein paar Jahre Urlaub machen kannst." Mom sieht nicht überzeugt aus und auch Jonathan hebt skeptisch die Augenbrauen.
„Ich brauche das Geld nicht. Nehmt es für Tara und Liza. Ich werde weiterhin auf der Farm helfen und in Lillys Laden arbeiten. Ich werde mein eigenes Geld verdienen."
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Silent Country
RomanceNura war ein braves Mädchen. Gute Noten, Kapitänin der Volleyballmannschaft und gute Freundin. Doch Nura war nicht glücklich. Sie wollte mehr. Freiheit. Als sie ihren Wünschen nachgeht und Dinge tut, die normal für Menschen in ihrem Alter sind, wird...
